Juses Kolumne Nr.33 – Brautschau.de

03Mai07

Es ist eine allseits bekannte Tatsache, dass Frauen meistens von hinten besser aussehen als von vorne. Wie oft passiert es nicht, dass man die Straße herunterradelt und schon von weitem ein weibliches Wesen flanieren sieht, sich im vorbei fahren noch einmal nach ihr umdreht und angesichts ihrer Visage feststellt, dass sie den umgeheizten Opa und die Nackenstarre nicht wert war. Es gibt eben doch mehr wohl geformte Hintern als Gesichter. Also liebe Mädels, macht euch mal weniger Sorgen um den Besuch bei Rolf im Fitnesscenter, denn an eurem Gesicht wird ein Bauch-Beine-Po-Programm nix ändern. Ja, das Gesicht ist nun mal auch für Männer das Sahnestück, ganz egal ob die Glamour etwas anderes schreibt (in Outfitfragen hat sie übrigens auch Unrecht, und erst bei Promis…). Angesichts meiner Ausführungen wurde ich letztens als Machoarsch und Medienopfer beschimpft. Verleugnung ist der erste Weg zur Erkenntnis.
Allerdings scheint im Medienopferzeitalter das Gesichtsproblem großer Teile der Bevölkerung gelöst zu sein. Als neumodischer und voll gesellschaftlich integrierter Mensch verfüge ich natürlich über Mitgliedschaften in sämtlichen sinnlosen Internet Communities von Myspace über Lokalisten bis zum unsäglichen Studivz. Während ich mal wieder das Studentenverzeichnis nach dem mysteriösen Mädel aus der Japanologiebibliothek durchstöberte, erhärtete sich bei mir das Gefühl das meine Bürgersteigerfahrungswerte keineswegs mit der Realität im Studivz übereinstimmten. Alle Mädels die ich anklickte waren heiß! Mal lustig-verwegen, mal verführerisch-lasziv blickten mir tausende und abertausende hübsche Mädchengesichter entgegen und luden mich dazu ein unter „Familienstand“ ihre derzeitige Bettsituation festzustellen. Da war doch was faul! Und ich würde noch vor Sonnenaufgang herausfinden was es war. Es waren die Bilder, die sich vehement weigerten das wahre Aussehen der Damen preiszugeben. Anhand derer, die ich aus reellen Begegnungen kannte kam ich der Frauenwelt wieder einmal auf die Schliche. Es war geradezu beeindruckend wie vorteilhaft sich die Mädchen auf den Bildern präsentierten, oft war ich erstaunt, dass es sich bei dem Foto im Profil tatsächlich um das Mauerblümchen aus dem vierten Semester oder die Qualle als der Politikvorlesung handelte. Hatte die ganze Welt Modephotographen im Schrank? Nun, dies ist sicher nicht die Kolumne ihnen Verschleierung der widerlichen Fratze der Realität vorzuwerfen, schließlich ist das nur konsequent. Das Internet ist heute doch schon viel wichtiger geworden als der Bürgersteig. Ja, wir haben die Gesellschaft mal wieder verbessert, niemand muss mehr aussehen wie er aussieht in Internetutopia. Erst haben wir Maschinen gebaut damit wir nicht mehr arbeiten müssen und dann haben wir Computer und Handys gebaut damit wir nichts mehr mit den hässlichen Menschen in unserem Umkreis zu tun haben. Irgendwie will sich bei mir aber dennoch nicht ein breites Lächeln nicht so richtig einstellen. Internet Communities und die hübschen Bilder von Annelise aus Braunschweig sind irgendwie scheiße und dennoch bin ich süchtig danach. Ich verbringe mittlerweile täglich mindestens 4 Stunden von dem PC und hasse es. Vielleicht sollte ich mir in Secound Life eine simple Identität als Tischler zusammenschustern, mit einer durchschnittlich aussehenden Frau und einem nichtsnutzigen Lump von Sohn, der den Familienbetrieb nicht übernehmen will und von Amerika träumt. Das könnte mich auf den Boden des wahren Lebens zurück bringen. Back to the Roots sozusagen.
Das Beste wird wohl sein weiterhin rücksichtslos mit meinem bremsenfreien Rennrad die Leopoldstraße hinunter zu flitzen und Senioren zu gefährden. Wahre Schönheit kommt ja schließlich von Innen. Da ich dieses Innere bei den Mädels auf der Straße allerdings nicht kenne werde ich halt weiter die Schönheit in der Charakternase und dem niedlichen Doppelkinnansatz entdecken. Was soll’s, ansprechen werde ich sie ja sowieso nicht, weder auf dem Bürgersteig noch im Studivz.



4 Antworten auf „Juses Kolumne Nr.33 – Brautschau.de“

  1. 1 hhe_intl

    Das ist wie mit dem Picasso- der war auch nicht schön und vielleicht nicht mal sehr nett – aber : er hat jede Menge schöne (und weniger schöne) Frauen -sagen wir mal so :um sich geschart. Die Schönheit kommt von innen – von einer Balance zwischen Wunsch ,Traum und Wirklichkeit – so wies halt grad isch. So isch no au wiedr. Sau domms Gshwätz – würde E.H. sagen – lass doch den Picasso gau.

  2. 2 Anonym

    Ich finde diese Beschwerde nicht berechtigt. Ich als Teil, der von dir angegriffenen Gruppe (Frau), finde dass das so nicht stimmt: Überleg doch mal, zu Hause in den eigenen 4 Wänden hat man ja auch Fotos rumhängen. Ich kann bei keinem von meinem Freunden in der Wohnung Fotos sehen, auf denen Menschen mit Pickeln, Herperblasen oder fettigen Haaren zu sehen sind. Geschweige den würde man solche hervorkramen, wenn man Besuch von einem netten jungen Mann hat oder?
    Außerdem wieß ja jeder, wenn man eine Person neu kennen lernt, dass man in neugierigen Momenten diese Person googelt. Würdest du wollen dass ein nettes Mädel (mit Charakternase) dann von dir ein Fotos findet, auf dem in deiner eigenen Kotze eingeschlafen bist (auch wenn deine Kumpels das als den Schnappschuss des Jahres bezeichnen…) Es ist nun mal eine Tatsache, dass Frauen von Männern viel mehr nach dem äußeren beurteilt werden. (siehe die ersten Paar Sätze deine Kolumne) Und ist es nicht natürlich sich deshalb in einem möglichst positivem Licht darstellen zu wollen? Und Tussis, die in ihren Internetprofilen im Minirock, mit 5 Pfund Schminke im Gesicht vor irgendwelchen Pseudo-In-Diskotheken stehen, kannst du ja auch getrost im “richtigen” Leben in die Tonne werfen.
    Und um noch einen der schlaksige, geheimnisvolle und Brillentragende Typ aus der Statistikvorlesung entpuppt sich oft im Internet als World-of-Warcraft Süchtiger, der gerne mal auf Bauernparties geht und dort zu Apres-Ski-Hits die Hüften kreisen lässt. (und sonst kaum soziale Kontakt pflegt, schon gar nicht zur Frauenwelt)
    Ist es dann nicht schöner sich von einem Wesen, dass man in Natura schon interessant findet, sich auf besagten Seiten im Netz positiv überraschen zu lassen? Als von einem Internetportal auf den Boden der “Tatsachen” geholt zu werden. Naja, wahrscheinlich ist es das beste, sich von solchen Dingen komplett fernzuhalten, dann kann einem weder das eine noch das andere passieren :)

  3. Wahre Worte.

  4. 4 nek

    grüsse an juse ju


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