Juses Kolumne Nr. 29 – Ich kann dir eins vor die Mappe hauen
Gestern war es seit langem mal wieder soweit. Ich kam, trank, ging nach Hause und lenkte den Porzellanbus. Nicht alle Menschen handeln in einer solch prekären Situation so abgeklärt wie euer bewährter Kolumnist (nicht zu verwechseln mit einem Kommunist). Ich spürte die Suppe hochkommen und handelte geistesgegenwärtig in Form des Verlassens des Lokals. Zum Thema.
Deutschland hat die Slowakei mit 4:1 nach Hause geschickt, und das obwohl das Spiel in Bratislava stattfand. Nach dem 3:0 sah es schon nach einer sanmarinoesken Klatsche für das Phantom vom FC Nürnberg aus, aber dann dieses völlig überraschende 3:1. Mein Mitbewohner konstatierte, dass man da noch mal ordentlich draufhauen müsste, damit da endlich mal Ruhe im Karton herrsche. Prinz Poldi (nicht zu verwechseln mit Prinz Porno) nahm sich diese Aufforderung zu Herzen und schob das 4:1 nach, die slowakische Polizei nahm sich diese Aufforderung zu Herzen und knüppelte auf den deutschen Fanblock ein. Und das zu recht.
WIR SIND KEINE FUSSBALLFANS, WIR SIND DEUTSCHE HOOLIGANS!
Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen wie rechte Hooligans und Hartz 4-Empfänger keine Kosten und Mühen scheuen um mal ordentlich auf die Kacke zu hauen. Die Grenzkontrollen waren scharf, der Weg weit und die Tickets teuer, und dennoch haben es einige Eisenköpfe geschafft all diese Barrieren zu überwinden und in Bratislava Stress zu starten. Eine strategische und organisatorische Meisterleistung. Unsere rechten Freunde aus dem Osten, mit dem lustigen Dialekt und den weniger lustigen Fußtritten gegen Rastaingenieure, sind äußerst kreativ und motiviert in Fragen der Zerstörung. Der Weg zum Arbeitsamt hingegen wird anscheinend als kaum zu bewältigendes Hindernis angesehen. Kommt schon! Ich meine, ihr habt es bis nach Bratislava geschafft, zur Zweigstelle Chemnitz-Nord packt ihr es auch noch.
Ja, die gute alte Gewalt. Diese destruktive Kreativität und Leistungsbereitschaft findet man übrigens nicht nur bei Hooligans. Ein Bekannter aus äh…einem anderen Teil Deutschlands… besuchte mich mal in München und stellte zu seinem erstaunen fest, dass in der Weltstadt mit Herz an jeder Straßenecke frei zugängliche Verkaufskästen der aktuellen Boulevardzeitungen wie Bild, TZ oder AZ gibt. Aus diesen Kästen kann sich jeder eine Zeitung rausnehmen, um Bezahlung wird lediglich gebeten. Wenn man will kann man eine stibitzen. Hier wird auf die Ehrlichkeit der Bürger gebaut. Ich nehme an, dass diese Zeitungskästen nicht in anderen Städten abwesend sind, weil mit einer Bezahlung kaum zu rechnen wäre. Ich glaube, dass es sie nicht gibt, weil etliche Bürger nicht ehe ruhen würden, als dass der letzte dieser Kästen angezündet, zerschlagen, in die Luft gejagt oder versenkt ist. Frei nach dem Motto: “Was, ihr vertraut auf unsere Ehrlichkeit? Das werdet ihr Hunde bitter bezahlen. Holt die Feuerwerkskörper!” In München begnügen sich Vandalen damit ab und an einen linkischen Aufkleber aufzubappen oder Moosachgangster Ümit draufzuschmieren.
Angesichts der Gewaltausbrüche beim glorreichen Deutschlandspiel wurde in meiner WG die Budweiser-Diskussionstafel zusammengerufen (tschechisches Budweiser, keine amerikanische Pisse). Dabei kam auf, dass es an amerikanischen High Schools wahlweise Snakeboard oder Violence Prevention Kurse angeboten werden. Wie immer wurde der Violence Prevention Kurs natürlich nur von Vollnasen belegt, die wohl alles besser konnten als Gewaltprävention zu leisten. Die Spatzen pfeifen übrigens von den Dächern, dass ausgebildete Gewaltpräventionsspaten nicht selten von Bullys mit den Worten “Prevent this!” durch die nächstgelegene Wand geboxt wurden.
Und wieder einmal stehen wir vor einem Scherbenhaufen. Was will uns diese ganze Sache eigentlich sagen? Meine lieben Leser, ich weiß es beim besten Willen nicht. Vielleicht, dass Gewalt wie Wasser ist und überall durchkommt, und man selbst seine Faust erheben muss um in dieser unfairen Welt zu bestehen. Vielleicht heißt es auch bloß, dass ich froh bin in einer Stadt zu leben in der die Zeitungskästen offen, die Fußballstadien Allianz und die Gewaltpräventatoren selbst ausgebildete Schläger sind.
Kommt gut nach Hause.
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