Es ist eine allseits bekannte Tatsache, dass Frauen meistens von hinten besser aussehen als von vorne. Wie oft passiert es nicht, dass man die Straße herunterradelt und schon von weitem ein weibliches Wesen flanieren sieht, sich im vorbei fahren noch einmal nach ihr umdreht und angesichts ihrer Visage feststellt, dass sie den umgeheizten Opa und die Nackenstarre nicht wert war. Es gibt eben doch mehr wohl geformte Hintern als Gesichter. Also liebe Mädels, macht euch mal weniger Sorgen um den Besuch bei Rolf im Fitnesscenter, denn an eurem Gesicht wird ein Bauch-Beine-Po-Programm nix ändern. Ja, das Gesicht ist nun mal auch für Männer das Sahnestück, ganz egal ob die Glamour etwas anderes schreibt (in Outfitfragen hat sie übrigens auch Unrecht, und erst bei Promis…). Angesichts meiner Ausführungen wurde ich letztens als Machoarsch und Medienopfer beschimpft. Verleugnung ist der erste Weg zur Erkenntnis.
Allerdings scheint im Medienopferzeitalter das Gesichtsproblem großer Teile der Bevölkerung gelöst zu sein. Als neumodischer und voll gesellschaftlich integrierter Mensch verfüge ich natürlich über Mitgliedschaften in sämtlichen sinnlosen Internet Communities von Myspace über Lokalisten bis zum unsäglichen Studivz. Während ich mal wieder das Studentenverzeichnis nach dem mysteriösen Mädel aus der Japanologiebibliothek durchstöberte, erhärtete sich bei mir das Gefühl das meine Bürgersteigerfahrungswerte keineswegs mit der Realität im Studivz übereinstimmten. Alle Mädels die ich anklickte waren heiß! Mal lustig-verwegen, mal verführerisch-lasziv blickten mir tausende und abertausende hübsche Mädchengesichter entgegen und luden mich dazu ein unter „Familienstand“ ihre derzeitige Bettsituation festzustellen. Da war doch was faul! Und ich würde noch vor Sonnenaufgang herausfinden was es war. Es waren die Bilder, die sich vehement weigerten das wahre Aussehen der Damen preiszugeben. Anhand derer, die ich aus reellen Begegnungen kannte kam ich der Frauenwelt wieder einmal auf die Schliche. Es war geradezu beeindruckend wie vorteilhaft sich die Mädchen auf den Bildern präsentierten, oft war ich erstaunt, dass es sich bei dem Foto im Profil tatsächlich um das Mauerblümchen aus dem vierten Semester oder die Qualle als der Politikvorlesung handelte. Hatte die ganze Welt Modephotographen im Schrank? Nun, dies ist sicher nicht die Kolumne ihnen Verschleierung der widerlichen Fratze der Realität vorzuwerfen, schließlich ist das nur konsequent. Das Internet ist heute doch schon viel wichtiger geworden als der Bürgersteig. Ja, wir haben die Gesellschaft mal wieder verbessert, niemand muss mehr aussehen wie er aussieht in Internetutopia. Erst haben wir Maschinen gebaut damit wir nicht mehr arbeiten müssen und dann haben wir Computer und Handys gebaut damit wir nichts mehr mit den hässlichen Menschen in unserem Umkreis zu tun haben. Irgendwie will sich bei mir aber dennoch nicht ein breites Lächeln nicht so richtig einstellen. Internet Communities und die hübschen Bilder von Annelise aus Braunschweig sind irgendwie scheiße und dennoch bin ich süchtig danach. Ich verbringe mittlerweile täglich mindestens 4 Stunden von dem PC und hasse es. Vielleicht sollte ich mir in Secound Life eine simple Identität als Tischler zusammenschustern, mit einer durchschnittlich aussehenden Frau und einem nichtsnutzigen Lump von Sohn, der den Familienbetrieb nicht übernehmen will und von Amerika träumt. Das könnte mich auf den Boden des wahren Lebens zurück bringen. Back to the Roots sozusagen.
Das Beste wird wohl sein weiterhin rücksichtslos mit meinem bremsenfreien Rennrad die Leopoldstraße hinunter zu flitzen und Senioren zu gefährden. Wahre Schönheit kommt ja schließlich von Innen. Da ich dieses Innere bei den Mädels auf der Straße allerdings nicht kenne werde ich halt weiter die Schönheit in der Charakternase und dem niedlichen Doppelkinnansatz entdecken. Was soll’s, ansprechen werde ich sie ja sowieso nicht, weder auf dem Bürgersteig noch im Studivz.


Ich wachte heute morgen auf und fühlte mich beschissen. Gut, es war 10:30 und das Radio erzählte, dass eine Terroristen Gruppen namens „Pfeil der Gerechtigkeit“ Deutschland mit Terror drohe, weil die Bundesrepublik zwei Tornadojets nach Afghanistan entsandt hat. Ein für alle mal, an alle Terroristen und Massivfans, nur weil wir auch Tornados haben sind wir noch nicht die U.S.A . Selbstmordattentate, wenn ich das schon höre!

Wer will überhaupt diese 99 Jungfrauen haben, die man für so ein Attentat im Himmel bekommt? Erstens kommen die meisten Typen nicht mal mit einer Frau klar. Zweitens, warum machen sie nicht einfach mal 100 draus? Drittens, wenn ich schon 99 Frauen aufs Auge gedrückt bekomme, dann doch bitte keine Jungfrauen. Die sind unerfahren im Bett, wollen danach gleich eine Beziehung und kommen sicherlich auch nicht darauf klar, dass du noch 98 andere Chicks hast. Das sind Erfahrungswerte. Außerdem wären sie spätestens nach 99 Tagen alle keine Jungfrauen mehr, und dann muss man den Rest der Ewigkeit in 99 nervigen Paarbeziehungen mit Spazierengehen und Eisessen verbringen. Und die nennen das Paradies. Vielleicht bleiben die Jungfrauen im Paradies ja ewig Jungfrauen, so wie diese Geburtstagskerzen, die wenn man sie auspustet wieder angehen. Das würde allerdings das Problem der 99 Young Miss-Abos nicht lösen.

Jedenfalls fühlte ich mich nur geringfügig besser, nachdem ich diese Überlegungen angestellt hatte. An manchen Tagen komme ich irgendwie auf den Trip, dass ich in Sachen Zukunft gearscht bin. Da ich mich im Moment aufgrund einer Hausarbeit intensiv mit Zahlen und Management von kommerziellem Tourneetheater auseinandersetzen muss – fragt nicht – komme ich immer häufiger zu dem Schluss: Das kann nicht klappen. Woher soll denn das ganze Geld kommen? Ich brauche mindestens 1000 Euro im Monat, alles andere wäre ich-versuche-von-Rap-zu-leben Niveau. Und versteht mich jetzt nicht falsch. Wenn ich sage, dass das nicht klappen spreche ich nicht von Rap. Rap ist mein Hobby und sein Hobby soll man bekanntlich nicht zum Beruf machen, es sei denn man wird Pornodarsteller. Ich war schon kurz davor mir die Flerplatte zu kaufen als ich merkte, dass ich gar nicht die Schule abgebrochen hatte um mehr zu kiffen.

Alle Fakten sprechen für mich. Geisteswissenschaftler sind nur zu 4% arbeitslos und somit den Ostdeutschen mit ihren 87% maßlos überlegen. Geisteswissenschaftler haben tolle Jobaussichten: Männer werden Kulturreferent in Hamm, Altenpflegehelfer oder Taxiunternehmer, Frauen stehen die Berufsfelder Haus- und Familienmanagement, A&R bei BMG und Hausfrau offen. The world is yours! Warum also mache ich mir sorgen? Ich habe da 4 Theorien, die alle die Schuld uneigennützig von mir weisen. Entweder sind die Medien schuld, die einem andauernd erzählen, dass sich der Arbeitsmarkt verschärft. Oder der Arbeitsmarkt, der sich tatsächlich verschärft. Vielleicht sind auch die Medien schuld, weil sie mir geile Jobs bei Deutschland sucht den Superstar versprechen, die total verschärft sind, die ich aber nicht bekomme. Als Folge kann ich mir all diese tollen Produkte nicht kaufen, die die Werbung und Rapmusik mir verkaufen woll.

Somit bin ich eigentlich nicht besorgt und erzürnt darüber, dass mir tatsächliche Arbeitslosigkeit winkt, sondern nur eben nicht der Job den ich haben will. Aber wer stellt mich schon als Dampfschifffahrtskapitän ein? Vielleicht sind aber auch die Egoshooter schuld, wobei ich das eher ausschließe. Ich spiele keine Egoshooter. Ich besitze überhaupt keine Computerspiele. Günther Beckstein liegt somit schon mal falsch. Die anderen Theorien besagen, dass ich ein Modeopfer bin. Mein Vater sagt, dass ich nicht Picasso bin. Es sei das wichtigste im Leben eines Menschen, das zu erkennen. Ich frage mich ob diese Aussage auch Gültigkeit bei Picasso selbst besitzt.

Selbstmordattentäter scheint mir dennoch keine gute Jobwahl zu sein. Gut, man muss keine Steuern zahlen (man arbeitet ja quasi schwarz). Die Altersvorsorge ist kein Problem und später ist man auf einer Quartettkarte und hat Attribute wie Sprengkraft 9 und Schnurrbart 4. Angesichts dieser spärlichen Vorteile erfreue ich mich lieber meines Lebens. Eine nervige Hausarbeit ist schließlich noch lange kein Grund in die Luft zu gehen.


Ich weiß ihr denkt alle ich wäre total cool. Aber ich werde in dieser Kolumne völlig uncool sein. Wenn ihr also Uncoolness nicht mögt, dann schaltet besser jetzt weg, denn jetzt wird’s uncool. Es gibt nämlich eine Sache, die man heute auf keinen Fall mehr tun darf – abgesehen von Phil Collins hören – und das ist Stellung beziehen. Mein Vater hingegen liebt es Stellung zu beziehen. Er sagt Unternehmensberater seien die neue SS, Stoiber werde zur Hölle fahren und Prince sei so eine Art Michael Jackson auf Rädern. Vielleicht habe ich mich ein wenig von ihm inspirieren lassen.

Einmal hörte ich laut dröhnend Bass Sultan Hengzt – neben Tokio Hotel mein Lieblingsrapper – in der Küche meiner Eltern. Mein Vater kam rein, hörte eine wenig zu, und fragte mich dann wie eine Gesellschaft funktionieren solle, die auf den Idealen solcher Menschen aufgebaut sei, und vor allem, wie besagter Herr Hengzt sich das vorstelle. Ich erklärte meinem Vater kurz, dass Bass Sultan Hengzt keinerlei Interesse dran hat die Gesellschaft gerade zu rücken und allgemein wohl eher auf Kartoffeln wie uns scheißt. Und doch hatte mein Vater da einen Punkt.

In den 60er Jahren war es total angesagt politisch aufgeladene Musik zu machen, die die Welt entweder zu einem Drogenhain oder einem besseren Ort – wobei das eine das andere nicht ausschließt – machen sollte. Heute weiß man, die Menschen in den 60ern hatten Illusionen aber keine Ahnung, daher hat man den Relativismus erfunden, und wenn politisch, dann doch bitte politisch unkorrekt (siehe hierzu auch meine letzte Kolumne). Wir aufgeklärten Menschen trauen uns ja schon gar nicht mehr ein wenig zu polarisieren. Ich jedenfalls leide unter meiner eigenen Das-kann-man-so-nicht-sagen Mentalität, kann sie aber aus Vernunftgründen selten abschalten. Und ja, vieles kann man auch so nicht mehr sagen wie das die SPD in den 70er Jahren noch gemacht hat. Die alte Linke ist tatsächlich überholt. Nur bleibt die Frage offen ob wir deshalb das Recht haben uns aus der ganzen Scheiße raus zu halten. Wofür werden wir denn bezahlt, zum Donnerwetter?

Aber wer jetzt denkt, ich hätte es auf die Herren Hengzt, Fler und Bushido abgesehen, der irrt gewaltig. Diese Jungs sind bzw. waren lediglich das Unwort des Jahres 2006: Das Prekariat. Wie man weiß, leitet sich dieses Wort von der prekären Lage ab, in der die so bezeichneten Menschen stecken. Jetzt hat ganz Deutschland nichts besseres zu tun als diesen armen Hunden zu erzählen, dass sie sowieso schon in der Scheiße stecken, keine Chance auf einen Beruf haben und sich am besten gleich die Kugel geben könnten. Zu allem Überfluss berichten Rapper obendrein auch noch, dass HipHop Musik ein großartiger Weg aus dem Dreck sei. Was für ein Unsinn! Fragt sich eigentlich jemand auch noch mal warum die beiden 17 jährigen in Mecklenburg Vorpommern dieses Ehepaar mit Küchenmessern niedergestreckt haben. Sag einem Menschen, du bist nichts, du hast nichts und du wirst nichts sein, und er hat nichts zu verlieren. Deutschland verfügt schlicht und ergreifend nicht über so etwas wie soziale Durchlässigkeit, und wenn man das nur genug kommuniziert, wird es immer viel Bedarf geben an Rappern wie Fler, die ihre Not nicht zwingend zur Tugend, aber zu Zunder in ihren Texten machen. Aber man liegt ja völlig Falsch wenn man denkt, diese ganzen Ideen, Probleme und Inhalte wären eine Sache der Unterschicht. Nein, ein großer Teil der Mittelschicht zieht gleich mit, weil sie sich ebenfalls über den Tisch gezogen fühlt, und so können wir bereitwillig dabei zusehen, wie neokonservative Slogans die Herzen junger Menschen erobern und dabei das Problem einer Gesellschaft übersehen, die über nationalstaatliche Grenzen nicht hinaus denken kann. Die beiden 17 jährigen waren übrigens deutsche Gymnasiasten.

Sicherlich saß Rap wieder einmal in meinem Hinterkopf während ich das hier geschrieben habe, und teilweise will ich auch darauf hinaus. Wenn ich sehe, dass bei Myspace ein junger Mann in Massivs Gästebuch einen durchgestrichenen Davidstern mit der Überschrift „kill all jews“ reinstellen kann, und sich niemand beschwert, fühle ich mich unweigerlich an Max Frischs Biedermann und die Brandstifter erinnert. Geht mal ins Theater ihr Kulturbanausen.

Juse Ju


Vorwort:

Ich möchte mich an dieser Stelle bei all denen bedanken und gleichzeitig entschuldigen, die meine Kolumne Monat für Monat lesen. Bedanken für das Interesse, entschuldigen dafür, dass die Kolumne nicht mehr so regelmäßig erscheint wie früher. Das liegt daran, dass ich mittlerweile für das Printmedium Corner regelmäßig Kolumnen schreibe und daher nicht mehr die Zeit und Muße habe für Popbizenemy auf noch regelmäßig zu schreiben.

Ich sage es ja nicht gerne aber SoziologiestudentInnen sind hässlich. Das mag jetzt oberflächlich, gemein und gar nicht wie aus der Neon abgeschrieben klingen, aber sie sind nun mal großenteils hässlich. Ich selbst studiere Soziologie im Nebenfach und stelle dies immer wieder verwundert fest. Das sind alles nette, aufgeschlossene, soziotastische Menschen, aber sie sind überdurchschnittlich hässlich. Besonders die Weibchen. Ich frage mich wieso das so ist. Ich weiß ja, dass man mittlerweile eine Aufnahmeprüfung bestehen muss um in den Diplomstudiengang zu gelangen, aber Glöckner von Notre Dame-Kriterien sehe ich nicht ein. Ich als nicht hässlicher Mensch fühle mich langsam schon diskriminiert. „Tja, Herr Hütter, ihre Ausführungen über Luhmann, Durkheim und Habermas waren durchaus ansprechend, aber leider haben sie zu wenig Ähnlichkeit mit Muppetshow-Figuren.“ Versteht mich jetzt nicht falsch, ich habe nichts gegen hässliche Menschen. Schon gar nicht gegen schlecht gekleidete hässliche Menschen. Neben diesen Menschen sehe ich nämlich ganz gut aus, besonders weil meine Kleidung – wie mir bereits von diversen Frauen bestätigt wurde – kindlich oder schlabberig aussieht. Wer jetzt da glaubt, ich wäre zu anspruchsvoll, der irrt. Ich halte nichts von wandelnden Gerippen wie Kate Moss, Naomi Campell oder den Piraten der Karibik. Ich halte auch René Zellweger in Bridget Jones nicht für dick, sondern lediglich Hugh Grant für einen Schwachkopf. Um genau zu sein finde ich René Zellweger ziemlich heiß, aber sie hat schließlich auch nicht Soziologie studiert.

Als ich noch auf dem Gymnasium war glaubte ich immer Soziologiestudentinnen seinen insgeheim völlig attraktive, linkspolitisch engagierte Dreadlockträgerinnen mit Hang zu Krötenzaunhochzieherei. Das war vielleicht eine Enttäuschung als ich frohen Mutes in mein Mediensoziologie-Seminar marschiert bin. Dabei wusste ich aus langjähriger Erfahrung, dass attraktive Mädels – und welche, die sich dafür halten – immer irgendwas mit Medien oder was Soziales machen wollen. Was liegt da also näher als Mediensoziologie? Aber Pustekuchen. Die einzigen Soziologen aus meinem Seminar mit denen ich jemals ein Gespräch führte waren die 3 nerdigen Besserwisser, welche versuchten mich zu überreden ihrem wöchentlichen Schafkopfstammtisch beizuwohnen, in der vagen Hoffnung mir dabei listig 2 Euro 43 aus der Tasche zu ziehen. Mit Schafkopf war übrigens das Kartenspiel gemeint.

Auch spätere Versuche mich soziologisch zu sozialisieren waren von wenig Erfolg geprägt. Meine Hoffnung, in dem Hauptseminar Religiöse Praktiken würde ausführlich die Missionarstellung behandelt wurde ebenso enttäuscht, wie die Annahme, dass überdurchschnittlich viele ehemalige Klosterschülerinnen daran teilnehmen würden. Die Pornofilmindustrie lügt. Der einschlägige Kassenschlager Lustgeschrei im katholischen Mädcheninternat behauptet doch allen Ernstes…ach diese Argumentation hinkt. Jedenfalls sind Klosterschülerinnen nicht so wie man sich das in der Pubertät vorstellt. Zurück zur Soziologie. In meinem zweiten Hauptseminar Europäische Gesellschaft: Identitäten, Konflikte und Diskurse stellten wir anhand einer Umfrage – im Fachjargon empirische Erhebung genannt – über das Vertrauen gegenüber unseren europäischen Mitbürger fest, dass besonders Litauern viel Misstrauen entgegengebracht wird. Sofort wurde die Litauerin im Kurs befragt, woher dieser Unmut rühre.
Ihre plausible Erklärung stieß auf allgemeines Misstrauen.

Was ich auch versuche, heiße Soziologinnen sind und bleiben Mangelware. Sie sind und bleiben hässlich. Ich hoffe nur, keine meiner Kommilitoninnen liest diese Kolumne. Und selbst wenn…du bist nicht gemeint. Du bist auf deine Weise total schön und stichst aus der Masse der Monströsen heraus. Puh, das war knapp. Ist aber noch mal gut gegangen.


Gestern war es seit langem mal wieder soweit. Ich kam, trank, ging nach Hause und lenkte den Porzellanbus. Nicht alle Menschen handeln in einer solch prekären Situation so abgeklärt wie euer bewährter Kolumnist (nicht zu verwechseln mit einem Kommunist). Ich spürte die Suppe hochkommen und handelte geistesgegenwärtig in Form des Verlassens des Lokals. Zum Thema.

Deutschland hat die Slowakei mit 4:1 nach Hause geschickt, und das obwohl das Spiel in Bratislava stattfand. Nach dem 3:0 sah es schon nach einer sanmarinoesken Klatsche für das Phantom vom FC Nürnberg aus, aber dann dieses völlig überraschende 3:1. Mein Mitbewohner konstatierte, dass man da noch mal ordentlich draufhauen müsste, damit da endlich mal Ruhe im Karton herrsche. Prinz Poldi (nicht zu verwechseln mit Prinz Porno) nahm sich diese Aufforderung zu Herzen und schob das 4:1 nach, die slowakische Polizei nahm sich diese Aufforderung zu Herzen und knüppelte auf den deutschen Fanblock ein. Und das zu recht.
WIR SIND KEINE FUSSBALLFANS, WIR SIND DEUTSCHE HOOLIGANS!

Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen wie rechte Hooligans und Hartz 4-Empfänger keine Kosten und Mühen scheuen um mal ordentlich auf die Kacke zu hauen. Die Grenzkontrollen waren scharf, der Weg weit und die Tickets teuer, und dennoch haben es einige Eisenköpfe geschafft all diese Barrieren zu überwinden und in Bratislava Stress zu starten. Eine strategische und organisatorische Meisterleistung. Unsere rechten Freunde aus dem Osten, mit dem lustigen Dialekt und den weniger lustigen Fußtritten gegen Rastaingenieure, sind äußerst kreativ und motiviert in Fragen der Zerstörung. Der Weg zum Arbeitsamt hingegen wird anscheinend als kaum zu bewältigendes Hindernis angesehen. Kommt schon! Ich meine, ihr habt es bis nach Bratislava geschafft, zur Zweigstelle Chemnitz-Nord packt ihr es auch noch.

Ja, die gute alte Gewalt. Diese destruktive Kreativität und Leistungsbereitschaft findet man übrigens nicht nur bei Hooligans. Ein Bekannter aus äh…einem anderen Teil Deutschlands… besuchte mich mal in München und stellte zu seinem erstaunen fest, dass in der Weltstadt mit Herz an jeder Straßenecke frei zugängliche Verkaufskästen der aktuellen Boulevardzeitungen wie Bild, TZ oder AZ gibt. Aus diesen Kästen kann sich jeder eine Zeitung rausnehmen, um Bezahlung wird lediglich gebeten. Wenn man will kann man eine stibitzen. Hier wird auf die Ehrlichkeit der Bürger gebaut. Ich nehme an, dass diese Zeitungskästen nicht in anderen Städten abwesend sind, weil mit einer Bezahlung kaum zu rechnen wäre. Ich glaube, dass es sie nicht gibt, weil etliche Bürger nicht ehe ruhen würden, als dass der letzte dieser Kästen angezündet, zerschlagen, in die Luft gejagt oder versenkt ist. Frei nach dem Motto: „Was, ihr vertraut auf unsere Ehrlichkeit? Das werdet ihr Hunde bitter bezahlen. Holt die Feuerwerkskörper!“ In München begnügen sich Vandalen damit ab und an einen linkischen Aufkleber aufzubappen oder Moosachgangster Ümit draufzuschmieren.

Angesichts der Gewaltausbrüche beim glorreichen Deutschlandspiel wurde in meiner WG die Budweiser-Diskussionstafel zusammengerufen (tschechisches Budweiser, keine amerikanische Pisse). Dabei kam auf, dass es an amerikanischen High Schools wahlweise Snakeboard oder Violence Prevention Kurse angeboten werden. Wie immer wurde der Violence Prevention Kurs natürlich nur von Vollnasen belegt, die wohl alles besser konnten als Gewaltprävention zu leisten. Die Spatzen pfeifen übrigens von den Dächern, dass ausgebildete Gewaltpräventionsspaten nicht selten von Bullys mit den Worten „Prevent this!“ durch die nächstgelegene Wand geboxt wurden.

Und wieder einmal stehen wir vor einem Scherbenhaufen. Was will uns diese ganze Sache eigentlich sagen? Meine lieben Leser, ich weiß es beim besten Willen nicht. Vielleicht, dass Gewalt wie Wasser ist und überall durchkommt, und man selbst seine Faust erheben muss um in dieser unfairen Welt zu bestehen. Vielleicht heißt es auch bloß, dass ich froh bin in einer Stadt zu leben in der die Zeitungskästen offen, die Fußballstadien Allianz und die Gewaltpräventatoren selbst ausgebildete Schläger sind.

Kommt gut nach Hause.


Herzlich willkommen zur heutigen Ausgabe von „Vergleich dich selbst mit Persönlichkeiten der Geschichte“. Heute: Adolf Hitler. Mich verbindet mit Hitler beispielsweise meine Herkunft, welche bei Adolf ja bekanntlich Österreich darstellt. Auch ich bin zu einem Viertel Mensch des wunderschönen Alpenlandes und ähnlich wie der Führer himself besitze ich trotzdem eine doitsche Staatsbürgerschaft und obendrein einen Führerschein. Aber das ist noch nicht alles, ich bin genau wie Mister 88 ein Vegetarier bis aufs Mark. What a coincidence! Amazing! Mein Nachname, Hütter, und sieht wenn man ihn schnell schreibt, zum Beispiel im Falle einer Unterschrift auf einem Kassenbon bei Tengelmann, aus wie…na ihr wisst schon. Aber halt! Wurde Hitler nicht von der Kunsthochschule aufgrund seiner hässlichen Blumenbilder abgelehnt? Ja, und auch ich würde bei der Kunsthochschule für hässliche Blumenbilder abgelehnt werden, wenn ich denn welche malen würde. Ähnlich verhält es sich übrigens mit des Führers und Juses Fähigkeiten im Kitesurfen, wofür wir beide sicherlich bei der Kunsthochschule abgelehnt würden. Was lernen wir daraus? Kunsthochschulen sollten unbegabte Zweifingerbartträgern mit rollendem R die Chance geben sich zu bessern und damit Weltkriegsprävention leisten.

Aber warum vergleiche ich mich plötzlich mit Hitler? Nun Hitler ist seit der Untergang wieder sehr populär in Doitschland. Der wahre Grund sind aber Frauen. Ihnen, mein lieber Stammleser, ist sicherlich aufgefallen, dass ich im Jahre 2006 kontinuierlich etwas über das weibliche Geschlecht zu sagen habe, und so auch heute. Was das mit diesem Hitlervergleich zu tun hat? Ehrlich gesagt ist das lediglich ein weiterer Schritt in Richtung Vollendung meines Masterplanes, sozusagen des Endsieges. Sehen sie, Frauen können Hitler nicht leiden, obwohl er schwul war (no homo). Vergleiche ich mich mit Hitler finden sie das nicht witzig, was es schließlich auch nicht ist, sondern lediglich mich doof. Und das meine Damen und Herren ist auch gut so. Denn doof zu sein ist ein sehr kleines Übel verglichen mit einem anderen, wesentlich unangenehmeren Status: Dem Kumpeltyp!

Nichts ist schlimmer als von Frauen als nett, lieb oder „voll ok“ eingestuft zu werden. Ein Arsch, ein Nerd, ein peinlicher Idiot, ein widerlicher Gigolo, alles ist besser als die Rolle des Kumpeltyps einzunehmen. Kumpeltypen sind das asexuellste was es gibt, sie sind das Neutrum. Sie werden angerufen wenn der Arsch, der peinliche Idiot, der widerliche Gigolo und in Ausnahmefällen der nervige Nerd der Frau, die genau diese Menschen trotz ihrer negativen Konnotation über alles liebt (besonders den Arsch), etwas böses angetan hat, wie beispielsweise sich zu weigern zum Abendessen mit ihrer Mutter anzutanzen. Der Kumpeltyp darf sich anhören welche Probleme diese Situation aufwirft, wie unverstanden und benutzt sich die Frau vorkommt, aber auf keinen Fall darf er sie benutzen oder nicht verstehen, was ja eigentlich das Naheliegenste wäre Der Kumpeltyp wird von den Frauen, die ihn als solchen ausweisen, oft nicht nur als „nett“ und „voll wichtig“ eingestuft, sondern fälschlicher Weise für ein Wesen ohne sexuelle Bedürfnisse gehalten, welches rein platonische, freundschaftliche Beziehungen für das Nonplusultra der Zwischenmenschlichkeit hält.

Dieses Phänomen ist besonders verbreitet in Freundschaften zwischen Heranwachsenden, sehr häufig bei Gymnasiastinnen und ihren Kumpeln aus der selben Klassenstufe, mit denen sie über alles reden können, sie allerdings für Liebes-, Sex- und Beziehungsversuche nicht in betracht ziehen. Dafür gibt es ja bekanntlich genügend Anfangs- bis Mittezwanziger und verheiratete Fahrlehrer, welche immer wieder bereit sind sich an die Jugend zu verhökern.

Diese meine Theorie wirft natürlich die Frage auf, wie dann überhaupt platonische Beziehungen zwischen Männern und Frauen funktionieren können. Nun sie funktionieren in Ausnahmefällen, in denen keiner ein sexuelles Interesse an dem anderen hegt. Mein Tipp für alle Männer lautet also: Hängt nur mit Chicks rum die euch scharf finden und nicht umgekehrt oder zieht den Hitlermove. Seht ihr, und schon wieder habe ich es geschafft mich durch Kommentare und Einstellungen die Frauen hassen von der Gefahr als Kumpeltyp zu gelten entfernt.

Bereit für Dates sagt Juse: Gehabt euch wohl.

P.S.: Nachricht an Gorbi: In deinem Falle würde ich übrigens den Stalinmove dem Hitlermove vorziehen.


Morgens 19:30 auf der Leopoldstraße in München-Schwabing. Ich sitze beim Inder, esse irgendwas das Pahir heißt, was wohl auf Indisch sowas wie Reis mit Spinat und geschmacklosem Käse bedeutet, und führe mir die neuste Juice zu Gemüte. Bis dahin also eine alltägliche Szene. Die alltägliche HipHop Szene hatte sich zu diesem Zeitpunkt im Raumzeitkontinuum bereits wieder verschoben.

Die Juliausgabe der JuiceCD sportete nämlich unter anderem einen Song namens „Der Angriff“, auf dem die Herren Irie D und Ufuk Sahin den Herren Hengst, Azad, Bushido und anderen üblichen Verdächtigen damit drohen ihnen die Tattoos unsanft aus dem Leibe zu reißen. An sich auch nicht ungewöhnlich, aber waren sich nicht Bassboxxx und Aggro gerade einig geworden, dass sie alle samt gefährliche Zeitgenossen sind, und deshalb nicht mehr streiten müssen? Hatte nicht die gesamte HipHop Szene Azad gerade echte Härte zugestanden, weil er Sido eins in die Maske geballert hatte? Und fanden Bushido und Eko nicht gerade im Gheddo den gemeinsamen Nenner etwa 50% der deutschen Bevölkerung? Friede, Freude, Eierkuchen also, und jetzt das! In voller Konsequenz ihres Gangsterdaseins, dürften all diese Acts eine solche Infragestellung ihrer selbst eigentlich nicht dulden. Im beiliegenden Interview hatte besagter Ufuk Sahin allerdings klargestellt, dass er auf jegliche Art von Reaktion seitens der Angegriffenen mit blanken, gewalttätigen und selbstverständlich höchst illegalem Aktionismus antworten würde. Was tun also? Es darauf ankommen lassen? Ich würde sagen wir gehen in Sachen HipHop einen weiteren Schritt in Richtung Rapmärtyertum alla Tupac Shakur, und vergessen dabei einen kleinen, unwichtigen Aspekt: Bezeichnen nicht manche Menschen Rap Absurderweise als Musik, oder sogar Lyrik und Kunst. Das scheint hier wohl keine Rolle zu spielen, denn dass die Herren Sido, Bushido, Savas oder Azad in diesen Dingen den Angreiffern um Jahre voraus sind wird gar nicht erst thematisiert.

Thematisiert hingegen wurde, dass es sich bei diesem Song keineswegs um einen Promostunt handele, sondern lediglich die Meinung der Straße wiederspiegele. Ist diese Argumentation nicht der derer sehr ähnlich, die der Song angreift, als diese sich seiner Zeit durch etliche Disses gegen Hamburger, Stuttgarter und Münchner Rapgrößen ins Gespräch brachten. Weiterhin nehmen sich die Labels Aggro und Shok nichts in der Legitimation ihrer lyrischen Sex- und Gewaltergüsse. Man wolle Gewalt und Sexismus keineswegs glorifizieren, man berichte lediglich über die Umstände in sozial schwachen Gegenden, und dazu hätte man das Recht und die Pflicht. Tut mir leid meine Herren, aber wenn in diesem Falle keine Gewaltverherrlichung vorliegt, und die in den Songs beschriebenen Situationen einer Nachrichtensendung gleichkommen, dann gehört Sin City in die Sesamstraße. Eine lächerlichere und selbstgerechtere Argumentationsweise, dafür sein Geschäft zu schützen habe ich noch nicht vernommen. Der gesellschaftsdeformierende Moment in Aggros Veröffentlichungen ist doch ihr Stolz und ihre Stärke, und wurde von Spekter selbst schon als Rebellion ausgewiesen. Man propagiert Gewalt als Lösungsansatz nur um im gleichen Atemzug, dass man ja schließlich nichts dafür könne. Nebenbei ist mir aufgefallen, dass in Partysongs immer häufiger erwähnt wird, dass Männer im Club gefälligst nicht zu tanzen haben, da das schwul ist. Narren, welche gegen diese Faustregel verstoßen, werden in der Regel mit einer Faust bedacht. Das ist vernünftig, Emanzipationsort Tanzfläche, oder doch das Gegenteil?

Aber was stellt das alles in Frage? Nun, die Glaubwürdigkeit sämtlicher genannter Protagonisten., was wiederum jeglichen Realnessdiskurs hinfällig macht. Da müssen wir wohl oder übel zur Musik zurück, und ob sie es glauben oder nicht die gefällt mir bisweilen gut bis sehr gut. Ich glaube übrigens, dass Elektrorap Junkies wie Deichkind sich selten mit der Frage nach Kredibilität ihrer Aussagen befassen. Muss ja auch nicht immer sein.


Verdammte Scheiße! Wieso dauert der Winter in diesem Land 10 Monate um dann ohne Vorwarnung in einen Tropensommer umzuschlagen? Aber lassen sie uns nicht übers Wetter reden, das tun nur Omas und Paare, die sich nichts mehr zu sagen haben aber nicht auf den Sex verzichten wollen. Lassen sie uns lieber mal wieder über Rap sprechen, das hat diese Rubrik bei all den Frauen- und Neon (also auch Frauen) Geschichten schließlich schon lange nicht mehr gesehen.

Da ich in letzter Zeit grundlos dem Wissenschaftswahn verfallen bin und in meinem BWL Kurs regelmäßig Menschen zu Zahlen mache um sie später wegzurationalisieren, will ich hier und heute mal wieder eine rein kunstästhetische Analyse des Sprechgesangs vollführen. Auf meinen zahlreichen Reisen durch Rapdeutschland begegnen mir immer wieder Menschen, die Rapmusik aus einer völlig anderen Perspektive als ich, und somit total falsch betrachten. Aber den Konflikten zwischen Rashid und Thomas kann Verbeuge geleistet werden, da es nur eine Frage der Bewertung ist. Oft wird erfolgreichen Rappern unterstellt „alter der kann nicht rappen“. Eine Einschätzung die außer im Falle von Rapsoul, welche schlicht den Takt nicht treffen, völlig unaussagekräftig ist. Um das Problem zu erläutern nehme ich Bezug auf ein Buch, das außer mir niemand der diese Kolumne liest, gelesen hat: Die Semiotik des Theaters von Erika Fischer-Lichte (die Tina Turner der Theaterwissenschaft), welches sich mit den 13 Zeichensystemen des Theaters beschäftigt. Ok, überspringen wir das Buch. Rap hingegen habe ich, ohne die eine Bezugnahme auf Beats, Instrumentale oder wie man das Gedudel auch nennen will, auf sechs konstituierende Zeichensysteme heruntergerechnet.

1. Die Stimme: Gemeint ist das Organ, d.h. Frequenzen und Volumen. Der Einsatz der Stimme zählt nicht dazu.

2. Paralinguistik: Einsatz der Stimme wie Betonungen, Geschrei, Verständlichkeit etc.

3. Die Lyrik oder auch Semantik: Lässt sich am ehesten als Wortwahl umschreiben.

4. Der Inhalt: Einstellungen, Geschichten und Gedanken, welche die Lyrik transportiert.

5. Reimschema bzw. Reimtechnik: Ob einsilbig, Doppel-, Tripple oder Quadrupelreim. Weitere Varianten wären Schüttelreim, Teekesselchen oder einfach gar kein Reim.

6. Flow und Raptechnik: Doubletime, Halftime, dichte Texte oder langgezogene Silben etc. Weiterhin beinhaltet diese Kategorie wie der Rapper im Takt liegt bzw. ihn interpretiert.

Wollen wir nun versuchen dieses Sechspunkteschema in einem Diskurs über einen bekannten Rapper wie Bushido fruchtbar zu machen. Da eine solche Analyse zu komplex ist um sie auf einer Viertelseite abzuhandeln, werde ich es mit einem kurzen Abriss der wichtigsten Punkte versuchen. Die Analye hat keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit.

Bushido zeichnet sich durch eine markante, tiefe und voluminöse Stimmlage aus. Paralinguistisch gesehen nutzt er sie meistens in einem arrogant- bis aggressiven Tonfall, welcher oft allerdings als vorwurfsvoll interpretiert werden kann. Varianten sind eher selten. Wie viele Rapper spricht er jedes CH wie ein SCH aus, was auf einen Migrantenhintergrund verweist. Seine Lyrik bedient sich einer sehr eigenen Sprache, die sich stark auf sein soziales Milieu zurückführen lässt. Wörter wie Opfer, Keck und Kanake hat er in den HipHop Diskurs erst eingeführt, andere Wörter wie Engel oder Leben unterliegen einem inflationären Gebrauch.

Inhaltlich gesehen grenzt er sich stark vom sogenannten Mittelstands- oder Rucksackrap und Battlerap ab. Themen sind meistens die Identifikation mit dem was man wohl Straßenmentalität nennt, die Gewaltausübung seinerseits gegenüber Dritten, Sex, Rapmusik oder Kleinkriminalität. Auch der Krieg, Beziehungsstress oder Ängste finden ab und an ihren Platz in den Songs. Nicht selten sind die Inhalte frauenverachtend oder verrohend und im Visier der BPjM. In Sachen Reimschema lässt er sich sicherlich nicht als Techniker bezeichnen, und verwendet meist simple Einsilben- oder Doppelreime, welche aber auf Grund ihrer außergewöhnlichen Wortwahl aus dem Rahmen fallen. Auch in Sachen Flow wird eher selten experimentiert. Meist werden die Reime auf den vierten Schlag gesetzt und der Rest des Textes simple im Takt gehalten. Ab und zu werden Titel doubletime gerappt.

Dieser Analyseansatz zeigt, dass Bushidos Stil, und somit der Grund seines Erfolgs, am ehesten auf die Zeichensysteme Stimme, Lyrik und Inhalt zurück zuführen sind, als auf Flow- und Reimtechnik. Viele Menschen begehen den Fehler ihren Fokus zu eng auf einerseits die Technik (Reim und Flow) oder den Inhalt zu beschränken. Nur im Gesamtbild eines Rappers lässt sich sein ästhetisches Wesen und der Grund für Erfolg und Misserfolg erkennen. Mal von Öffentlichkeitsarbeit und Public Relations, sowie Geschichte, Umfeld und Aussehen des Künstlers abgesehen, welche den Tatbestand des Raps nicht direkt verändern. Leider lässt sich dieses Thema an dieser Stelle nicht annähernd ausreichend behandeln.

Für Anregungen, Kritik oder Analysewünsche bitte eine e-mail an juseju@web.de

Danke für die Aufmerksamkeit


Jetzt wird’s wissenschaftlich. Seit geraumer Zeit mache ich eine sehr interessante Beobachtung auf dem Beziehungsmarkt, von mir liebevoll auch Pennymarkt genannt. Es ist unübersehbar, dass mehr weibliche Mitbürger eine Beziehung führen als Vertreter der männlichen Gattung. Das ist statistisch unmöglich, da, abgesehen von Lesben und Popiraten, jedes weibliche Wesen einen männlichen Topfdeckel für eine solche Partnerschaft benötigt. Gehen wir von einer demographischen Gleichverteilung aus, müsste der Prozentsatz der Männer in einer Beziehung also gleich hoch sein, wie der der Frauen. In der Wahrnehmung eines Genies wie mir ist das aber definitiv nicht so.

Ich habe versucht, mir ein paar Erklärungen für dieses erstaunliche Phänomen zusammenzureimen. Da wäre einmal die These, dass diverse Frauen Beziehungen führen, von denen die Männer in dieser Beziehung gar nichts wissen und sich nach wie vor als Junggesellen wähnen. Diese Konstellation entsteht besonders häufig, wenn irgendwelche Macker im Suff Blondinen oder Pommespanzer nageln. Die beteiligten Mädel verwechseln den Geschlechtsakt nicht selten mit einem Liebesbeweis und beginnen ohne Zustimmung des beteiligten Bartträgers eine Beziehung, was wiederum viel Konfliktpotential bündelt.

Eine weitere Begründung könnte natürlich auch in dem Typus des Beziehungsmannes liegen. Irgendwo müssen ja all die Jungs herkommen, die mit dieser geilen Brünette, mit der man sich, bis zu der beiläufigen Erwähnung ihres Freundes, Erfolg versprechend unterhalten hatte, zusammen sind. Diese Beziehungsmänner sind anscheinend sehr scheu und verlassen nur selten ihren Bau. Damit sind sie dem gemeinen Informatiker oder Metallfan zwar sehr ähnlich, diese Gattungen zeichnen sich allerdings meist eher durch virtuelle Partnerschaften aus, welche nur in Form ihrer rechten Hand in Fleisch und Blut übergehen. Der Beziehungsmann jedenfalls muss den Bau nicht mehr verlassen und wenn, dann nur für demütigende Double Dates, da er nach Sex (also seinem Antrieb) nicht mehr Ausschau halten muss. Eine Ausnahme wäre natürlich eine fanatische Jesusfreakchristin als Freundin zu haben, die felsenfest für einen Verzicht von Sex vor der Ehe einsteht. Davon sollte man allerdings aus Rücksicht auf die Menschlichkeit absehen. Begibt sich der sexhabende Mann dennoch auf die Piste, dann mit besoffenen Singlefreunden, deren Singlestatus er einem Chamäleon gleich annimmt, und somit als Beziehungsmann unkenntlich wird. Zu deutsch: er erwähnt seinen Hausdrachen vor willigen Schlampen eher selten. Weiterhin wollen andere Männchen ihm immer am liebsten eine in die Fratze ballern, weil er Sex hat und sie nicht.

Entgegengesetzt verhält es sich anscheinend bei den Weibchen. Sie gehen lieber auf die Piste, wenn sie sich in einer Beziehung wähnen, einerseits um mit ihrem neuen Hobbyobjekt anzugeben, andererseits kann ihr Macker zur Not aufdringlichen Idioten eins an die Glocke klopfen. Sie können daraufhin so was sagen wie: „Thomas, hör auf, ich verabscheue Gewalt!“ und sich Pandapostkarten ins Zimmer hängen. Mädchen außerhalb des Beziehungshafens täuschen außerdem nicht selten eine Beziehung (und den Orgasmus) vor, um nicht von 30-jährigen Scooterimmitationen angemacht zu werden. Manchmal lesen sie auch Kolumnen wie diese und behaupten, sie wären niveauloser als Mario Barth und schauen in die Neon, um sich dort gute Tipps zu holen. Und es stimmt, nachdem ich noch einen Blick auf diese Kolumne geworfen habe, muss ich zugeben, dass sie auf Mario Barths Unterniveau herumdümpelt. Aber ich gebe es wenigstens zu, Herr Barth.

Wissen sie lieber Leser, daher bin ich es langsam leid, mich mit diesen Paarungsfragen Tag ein Tag aus beschäftigen zu müssen. Ich denke ernsthaft darüber nach, in ein Kloster zu gehen…um einige Nonnen von ihrer Keuschheit abzubringen und Fußball zu schauen. Mal im Ernst, können die Leute denn nicht einfach mit einander schlafen, wenn sie Lust dazu haben? Verhütung ist doch kein Problem mehr. Freie Liebe! Mumias free (hieß der so?)! Bomben auf Vietnam! Verbietet Schildkröten!

Danke


Bevor ich hier wieder irgendwas erzähle, möchte ich meinen Unmut darüber ausdrücken, dass alle Fernsehsender in letzter Zeit dazu übergegangen sind meinen Hauptfernsehgrund, Softpornos wie Plausure Craft oder Heidi Heida, durch miese Quizsendungen auszutauschen. Sender wie VOX oder RTL 2 haben damit den gottgegebenen Grund ihrer Existenz völlig eingebüßt und könnten sich direkt selbst abschalten. Zwar sehen die Moderatoren aus wie billige Pornodarsteller, weigern sich aber meistens ihre Klamotten auszuziehen und zu bumsen.

Das ist eine Ungeheuerlichkeit, welche in Frankreich sofort massive Proteste und brennende Autos nach sich ziehen würde, wobei natürlich zu beachten ist, dass die Franzosen statistisch gesehen die geilsten Europäer sind. Dies lässt sich in Sexstudien nachprüfen, die zuverlässig die Häufigkeit des Beischlafs in allen Europäischen Ländern messen. Am wenigsten Sex haben übrigens die Schweden, obwohl sie bekanntlich über die heißesten Blondinen verfügen, die besonders gerne bei Minusgraden Wett T-Shirt Contests veranstalten. Ich kann mir das nur durch eine Art Geilheitsoverkill erklären, oder dadurch, dass Schwedische Männer es einfach nicht bringen.

Naja, zurück zu unserem Thema. Franzosen schlagen wenn sie etwas nicht gut finden alles kaputt. Einige Bekannte von mir blicken zurzeit neidisch rüber in unser Nachbarland, und wünschen sich bei uns ginge es auch mal so zur Sache. Die Deutschen haben einfach keine Ahnung von Protest und lassen alles mit sich machen. Nehmen wir beispielsweise mal die allgemeine Einführung von Studiengebühren zur Hand. Immer wenn 3Sat etwas über Studentenproteste berichten wollte, sah man die Fachschaft Soziologie zu zwölft mit Trillerpfeifen irgendwo in der Kulisse stehen, und Semireime in kleine Megaphone piepsen. Da fehlt der Elan, die Emotion und die Anteilnahme. In Frankreich brennt das Rathaus wenn im örtlichen Supermarkt der Camenbert ausverkauft ist. Ich meine, es ist ja nicht so, dass die Menschen in diesem Land mit allem so zufrieden wären. Nein, sie ärgern sich ständig, über alles, an jedem Ort und zu jeder Zeit. Sie gehen nur nöhlender Weise anders mit dem Problem um. Während im Franzland die Reaktion auf neoliberale Politik im beschriebenen Maße radikal ausfällt, begnügen sich die Deutschen mit verkopftem Aktionismus. In Deutschland geht man nicht auf die Straße, hier zu Lande lautet die Parole „Was, ihr erhöht die Mehrwertsteuer? Das werdet ihr Schweine noch bereuen. Zur Strafe gehe ich nicht mehr wählen!“ Das Wiederum freut Holger Apfel (ein hoher NPD Sturmbandführer) und Oskar Lafontaine (leider nicht für den Oskar nominiert). Die Politik liefert uns Gründe zu protestieren aber wir lassen die Gelegenheit auf die Kacke zu hauen ungenutzt, und trinken stattdessen ein Pils mehr.

In France wird das ganze anderes herum gehandhabt, hier starten Jugendliche aus den Vorstädten einen Straßenkrieg und Pädagogen sagen ihnen dann im nachhinein wieso sie eigentlich aufgebracht sind. Das Vorstadtkind dachte sich:“Merde, das kotzt mich alles irgendwie an, ich will einen Porsche, diese Mülltonne hier muss dran glauben, und wenn es das letzte ist was ich tue!“ Der Pädagoge schlussfolgerte:“Ah, ich verstehe euch meine Kinder, ihr versucht durch eure Proteste auf die miserablen Bedingungen in den Banlieus aufmerksam zumachen. Ich wollt Öffentlichkeit gewinnen für eine gemeinsame, bessere Zukunft.“ Der mit dem Benzinkanister, grinsend in seine Schule marschierende 15 jährige antwortete: „Was? Hä…äh…ja…doch klar. Klingt gut, warum nicht? Du hast recht, du Schwuchtel. Ich werde jetzt mit einer brennenden Mittelschule auf irgendetwas aufmerksam machen.“

Zurück zur Uni in Bayern. Dort gibt es genügend BWL- und Theologiestudenten, die sich durch Märsche und Proteste um ihre ohnehin sinnlosen (sinnloser als Theaterwissenschaft, und das muss schon was heißen) Vorlesungen gebracht fühlen und, notfalls mit Gewalt, rüpelhafte Linke aus dem Audimax schmeißen.

Nun was lernen aus alledem. Wie man’s macht, macht man’s falsch. Ich rufe an dieser Stelle dennoch zum Protest auf. Boykottiert Quizsendungen, die das zarte Pflänzchen Softporno langsam aber sicher aus seinem natürlichen Lebensraum verdrängen.

Ich danke für ihre Aufmerksamkeit.

Keep it anti!


Ich bin mal wieder krank. Um genau zu sein, schon seit 4 Tagen. Lies ich mich anfangs noch vom Glauben daran, mir einen Doppelvirusinfekt, bestehend aus Vogelgrippe und Vögelgrippe (an welcher ich eigentlich ständig leide) eingehandelt zu haben, in Gedanken an den bevorstehenden Tod treiben, beschloss ich gestern zurückzuschießen. Und zwar mit hartem Geschütz: Knoblauch. 3 Zähen in die Pfannkuchen, 3 weitere in die Suppe und ab dafür. Vorerst mussten allerdings nicht die Kleinlebewesen in meinem Astralkörper und auch nicht Vampire (die Telecom), sondern meine Mitbewohnerin dran glauben. Tja, das nennt man wohl Friendly Fire. Sie sagt, ich stinke, und das stimmt. Allerdings stinke ich knoblauchtastisch und verlange, von ihr ab sofort Captain Garlic genannt zu werden.
Ansonsten ist der Alltag eines Kranken stinklangweilig. Es sei denn, man gerät in Schreiblaune. Und da ich wegen der Vogelgrippe nicht raus darf, bleibt mir gar nichts anderes übrig. In Schreiblaune ist zurzeit übrigens irgendwie jeder, aber kaum jemand ist in Leselaune. Genau wie ich. Was wahrscheinlich daran liegt, dass das Internet eben so viele Veröffentlichungs- wie Veröffentlichungswahrnehmungsangebote macht. Jeder Scheiß wird veröffentlicht (ich weiß was sie jetzt denken), und das ist gut. Hey, das ist Demokratie! U S A … U S A!

Aber dazu ein anderes Mal mehr. Jedenfalls haben es sich gewissenhafte Institutionen der Presselandschaft, wie das bereits eingestellte SZ-Jugendmagazin Jetzt! oder die Stern- Jugendsatire Neon zur Aufgabe gemacht, jungen aufstrebenden Schreibern ein Forum zu bieten. Die onlinegestellten Texte der Nachwuchspoeten werden dabei sachlich von einer Jury aus Redakteuren, Testlesern und Thomas Stein auf Veröffentlichungstauglichkeit geprüft. Die mögen alle Geschichten darüber, wie Sie zum letzten Mal Lagos Flughafen betrat, einen melancholischen Blick zurück warf und ihr geliebtes Nigeria für immer verließ. Erzählungen in denen Er plötzlich einsah, wie leicht und gleichzeitig kompliziert die Liebe doch sein konnte und sich kurzer Hand entschloss dieser verrücken Stadt Hamburg und Isabel noch eine Chance zu geben. Lustige Anektoden darüber, dass Weihnachten doch immer im Chaos versinkt, anders ist, als man sich das vorgestellt hat, nur Sachen zum Hinstellen mit sich brachte aber letztendlich verdammt gut roch. Oft werden ganz kuriose Erzählungen online gestellt, die aber trotzdem total aus dem Leben gegriffen sind. Wieder andere prangern schräg und witzig die Probleme unserer Gesellschaft an. Jedenfalls sind sie alle nett und toll. Das muss mal gesagt werden.

In Begeisterung verfallen, meldete ich mich natürlich gleich bei Neon (die Bravo für Tweens) an, um ein paar Artikel über Tokio Hotel der Welt zugänglich zu machen. Allerdings wurde mir schnell unmissverständlich klar gemacht, dass Leute wie ich, die nicht die Strokes hören, dort keine Artikel veröffentlichen dürfen, schon gar nicht solche, welche die weibliche Leserschaft (also 90%) in Aufruhr versetzen könnten. Weiterhin wies mein Foto keinen exzessiv genug ausgeprägten Seitenscheitel auf, und das obwohl ich mich in der Auswahl meines Fotos schon um eines, dem Ideal der Sportfreunde Stiller schon sehr nahe kommendes Bild bemüht hatte. Es hat alles nichts genützt, da ich mich wohl unbewusst weigerte die vorgesehene Männerrolle dieser Internet Community einzunehmen. Diese besteht darin gut aussehend wirkende Anfang-zwanziger-Mädels, als endzwanziger Typ lieb über ihr Gästebuch anzusprechen, um ihnen beizupflichten, dass ihr Exfreund ein Riesenmachoarsch ist.

Ich weiß, was sie jetzt denken, und sie haben Recht. Sie denken der Verfasser ist nur frustriert, dass seine doofen Kolumnen nicht veröffentlicht werden, was mehr daran liegt, dass er beschissen schreibt, als daran, dass seine Frisur nicht sitzt. Das mag schon sein, allerdings verfüge ich ja zum meinem Glück über ausreichenden Kontakt zu anderen Homepagebetreibern wie www.stadtpool.de oder www.popbizenemy.de, welche nicht nur freiwillig mein Werk veröffentlichen, nein, sie bitten mich sogar darum. Das ist Demokratie! So bekommt jeder seine Chance, gut aussehend wirkende Mitzwanziger kennen zu lernen.

Hasta luego, und bis zum nächsten Male.


Irgendwann kommt im Leben eines Kolumnisten einmal der Tag, an dem er auf das älteste, biblischste und menschheitsgeschichtsbedingenste Thema jener Menschheitsgeschichte zurückgreift: Die Beziehung zwischen Mann und Frau bzw. zwischen dem rechtschaffenden Adonis und dem hinterhältigen Weibsteufel. Viele große literarische Werke der Vergangenheit haben uns darauf aufmerksam gemacht, dass es letztendlich Liebe, Sex und Zärtlichkeit sind, welche für alles verantwortlich gemacht werden können. Ich denke da an Adam & Eva, Romeo & Julia oder „Fackeln im Sturm“. Wobei ich bei letzterem am ehesten diesen, von Brad Pitt gespielten Heini für alles verantwortlich machen würde.

In meiner naturgegebenen Rolle als Mann (und Rollschuhdiscopimp), blende ich natürlich sämtliche Fehler der maskulinen Gattung aus und beschränke mich darauf, über die unendlichen Unzulänglichkeiten von Frauen herzuziehen. Und da wären wir auch schon bei meinem ersten Ansatzpunkt: Mädchen, Frauen, Girls, Weiber und anderer Krimskrams sprechen sich selbst ja gerne eine gegenüber dem Mann erhöhte soziale Kompetenz zu, welche sich in einer Art sechstem Sinn für Krisen und Satzfalschauslegungen manifestiert. Abgesehen davon beginnt ihre Pubertät durchschnittlich 2 Jahre früher, was sie grundsätzlich annehmen lässt, sie seinen reifer als jeder Mann, Apfel oder Marcel. Nur frage ich mich angesichts dieser bis ins Geniale gesteigerten sozialen Intelligenz des öfteren, wie ihnen eigentlich immer wieder so grobe Fehleinschätzungen unterlaufen können.

Vor kurzem erzählte mir eine Bekannte eine durchaus amüsante, ins comichafte abdriftende Geschichte darüber, wie sie, und vor allem eine Freundin von ihr, sich völlig in einem Menschen geirrt hatten. Jener Bursche, nennen wir ihn einmal Bert, sei anfangs furchtbar nett und einfühlsam gewesen, einer der Sorte Mann, die dich aufbauen und für dich kochen, wenn du unten bist. Nach einiger Zeit habe er sich allerdings unerwartet als Psychopath entpuppt. Dies war daran festzumachen, dass er zum einjährigen Trennungsjubiläum seiner Ex-Freundin aus einem fahrenden Auto eine cremige Sahnetorte ins Gesicht pfefferte. Ich verneige mich übrigens hiermit offiziell vor dieser großartigen Aktion, und vor allem vor der sekundengenauen Planung und Treffsicherheit, die ein solcher Wurf erfordert. Als ein anderes mal selbiger Bursche von einer Freundin eine riesige Rummelplatzplüschmaus geschenkt bekam, zog er klar die Konsequenz. Er befestigte das Stofftier mit einem Seil an seinem Opel Corsa, zündete es an und heizte wild johlend durch die Straßen. Auch vor dieser Idee kann ich nur den Hut ziehen.

Die beste Freundin meiner Bekannten zog allerdings eine andere Konsequenz und angelte sich den Jungen sofort. Frei nach dem Motto: „Mein Gott ist der ein Arsch, … mein Gott ich will ihn!“ Seine erste Amtshandlung in der neuen Beziehung war übrigens, die Freundschaft der beiden Mädels zu zerstören, in dem er, wenn sie den Raum betrat, anfing, sie aufs wildeste zu beschimpfen. Schlussendlich lud sie meine Bekannte von ihrem Geburtstag aus, da unser Freund gedroht hatte „…entweder sie oder ich.“ Echt fair von ihm.

Ja, ich weiß, Liebe macht blind, dumm, schwanger und so weiter. Und liebe weibliche Gemeinde, mir ist durchaus bewusst, dass wir Männer in Sachen Partnerwahl ähnlich unfähig sind, wir ihr. Was mich allerdings immer wieder fasziniert, ist, wie schnell Frauen davon überzeugt sind, dass ein Herr ein herzensguter Mr. Right ist, nur weil der Hirnie einen Balztanz aufführt. Cher (meine Lieblingssängerin) hat ja mal gesagt, dass die wahren Gefühle eines Mannes „in his kiss“ zu verorten seien. Nun, das ist vielleicht nicht ganz falsch, aber ich würde ja dazu tendieren, zu singen: „if you wanna know, if he loves you, so, it´s in his dick, that´s where it is“. So böse das jetzt auch klingen mag, aber wenn ihr mal mit einem Typen gepennt habt, ist sein grundsätzliches Bedürfnis, euch zu knacken, befriedigt. Danach kommt sein wahrer Charakter zum Vorschein. Also entweder ein Weichei oder ein Machoarsch. Das Leben kann schon echt grausam sein.

Bleibt positiv.

Justus 6.2.2006


Die Städter sind komisch. Aus irgendeinem Grund lieben Großstädter es ihre eigene Stadt als Dorf zu bezeichnen. Seitdem ich in München lebe habe ich diese Degradierung der bayrischen Landeshauptstadt zu einem angeblich ländlichen Moloch nicht nur zigmal gehört, zu allem Überfluss fangen nun auch noch die hinzugezogenen Neumünchner an diese Phrase zu dreschen. Naja, vielleicht bemühen sie sich einfach auch nur um Integration in den urbanen Raum, welche darin besteht diesen zu verneinen. Das soll mal jemand verstehen. Würde ich mich hingegen Zeckenfinger nennen, behaupten ich käme aus Berlin und einem Münchner auf die Nase binden, dass ich Minga für ein Kaff halte, würde er wahrscheinlich vor Wut sein Proseccoglas zerdrücken.

Die Münchner selbst (und jene, welche sich dafür halten), erklären mir dieses Verhalten dadurch, dass sie die Stadt nun mal mittlerweile kennen würden und festgestellt hätten, dass sie keine unendlichen Weiten besitzt und somit nicht Enterprise mäßig zu Abenteuern einlädt. Nein, es kann sogar tatsächlich einmal vorkommen, dass ein und dieselbe Person zweimal trifft, und das langweilt natürlich tierisch. Die Zahl der interessanten Personen in dieser Stadt ist nun mal eingeschränkter als die von Städten wie Hamburg oder Berlin. Aus sicherer Quelle weiß ich allerdings, dass Hamburger und Berliner (da würde sich ein Essenswitz anbieten, welchen ich dem leiben Leser aber an dieser Stelle aufgrund von Flachheit des selbigen erspare) über ihre Stadt ebenfalls in Dorfkategorien denken. Schließlich gibt es in Städten wie Paris, London und New York wesentlich mehr interessante Leute als dort, wie zum Beispiel Woody Allen, Jaques Chirac oder Craig David. Mich würde mal interessieren wie die hippen Bewohner des Big Apple ihre Stadt sehen, und ob sie hanebüchene vergleiche zu The Village ziehen (Amerikaner denken bekanntlich nur in Filmkategorien. In King Kong geht es um den momentanen Bildungsstreit in den USA).

Rein rechtlich gesehen ist dieser Dorfstatus den einige Großstädter für sich beanspruchen übrigens Verfassungswidrig. Bund und Länder werden München niemals den Titel Dorf zugestehen. Die gelben Schilder werden also weiterhin die völlig absurde Aufschrift Landeshauptstadt statt Landesoberdorf dem interessierten Besucher entgegenstrecken. Das Bundesverfassungsgericht, welches diese Titel bekanntlich verleiht geht dabei nach 3 strengst festgelegten Kriterien vor. Gemessen werden Bevölkerung, Anteil der Rechtsradikalen an der Bevölkerung und die Intensität des Jauchegeruchs. München schneidet in allen drei Kategorien miserabel ab. Die 1,3 Millionen Einwohner der Stadt wirken sich negativ auf den Fuchs-und-Has-sagen-sich-gute-Nacht-Quotienten aus. Die Anzahl der Rechtsradikalen wird durch die vielen Babylonrastamänner konterkariert und die Intensität des Jauchegeruchs ist lediglich in den örtlichen Imbissbuden normgerecht. Aber die Münchner können beruhigt sein. Das bayrische Land bietet genug solche bäuerliche Idylle. Laut bayrischer Landesverordnung 1857 muss jedes bayrische Hinterwäldlerdorf direkt oder indirekt eines der Wörter Bach, Schwein oder Gammel im Dorfnamen verankert haben. Mein persönlicher Favorit hierbei ist Unterschweinbach, dicht gefolgt von Oberschweinbach.

Ich für meinen Teil halte weder München, noch Berlin noch Hamburg für ein Dorf. Jeden Tag wenn ich durch München laufe sehe ich andauern nur Menschen die ich in meinem gesamten Leben noch nicht gesehen habe, und das geht mir selbst in der Uni so. Naja wenigstens weiß ich da von vielen den Namen nicht, und es ist mittlerweile wohl auch zu spät danach zu fragen. Du bist übrigens nicht gemeint, dich kenn ich natürlich noch. Wir sehen uns dann morgen bei…wie hieß die denn gleich noch mal…egal.

Der Junge aus der großen Kreisstadt Kirchheim unter Teck 73219, 25km südöstlich von Stuttgart verabschiedet sich mit dem Appell:

Lasst den Dörfern ihren Stolz, Joachim.


Liebe Leser und Leserinnen, wie sie sicher bereits gemerkt haben ist zur Zeit alles in der Krise. Die Wirtschaft ist in der Krise, weil der Binnenmarkt in der Krise ist. Die Politik ist in der Krise, obwohl wir eine neue attraktive Kanzlerin haben. Ihre Mutter bekommt die Krise, weil sie den Pulli ohne Feinwaschmittel gewaschen haben und die Krise ist in der Krise, weil sie nicht weiß wo sie sonst hin soll. Und ja, auch diese Kolumne befindet sich in einer tiefgreifenden Krise, wenn ich mir den humoristischen Wert dessen, was ich gerade geschrieben habe, noch einmal zu Gemüte führe, was ich daher sicherlich nicht tun werde.Aber weg von mir und hin zu meinem Lieblingsthema, was entgegen weitläufiger Meinung nicht die Glorifizierung von Nationalismus ist, sondern lediglich manchmal damit liebäugelt. Also sprechen wir von HipHop.

Solange ich denken kann war HipHop in der Krise, zumindest wenn man den Angehörigen der Szene Glauben schenken mag. All die Faker und Poser waren doch eigentlich immer ein Teil von HipHop. Die Rapper, DJs, Sprüher und Brechtänzer waren doch immer schon unzufrieden wenn jemand anderes mit ihrem Spielzeug spielen wollte. Und da HipHop in den letzten 200 Jahren einen ständigen Zulauf an solchen Fakern und Posern hatte, steckt der Arme heutzutage mehr in der Krise denn je. Nun, ich für meinen Teil, habe in den letzten 10 Jahren in denen ich mit HipHop verbracht habe, nie die Meinung vertreten, dass er krisengeschüttelt sei. Ich war immer der Meinung, dass sich die Sache schon ganz von alleine regelt. Und obwohl ich von diesem Standpunkt noch nicht so ganz abgerückt bin, sehe ich doch einen gewissen Handlungsbedarf. Ich möchte mich im Folgen gar nicht über die Musik und ästhetischen Gehalt dieser, sondern vielmehr über die Performence von heutigen HipHop Acts auslassen. Dabei werde meine Mitschuld am Rückgang der Zuschauerzahlen bei den Jams im Vergleich zu denen der Boomjahre 1998 bis 2001 nicht beschönigen (oder vielleicht ein bisschen, schließlich ist das meine Kolumne). Es ist doch so:

Geht man heutzutage auf eine Untergrund Jam, bekommt man meistens ein paar Typen in Baggies zu sehen, welche mit den ernstesten Mienen den ungeheuerlichsten Blödsinn von der Kleinkriminellenphantasie bis zur Babylonmetapher ins Volk schreien, und nicht selten die Absicht verfolgen sich danach noch so richtig zu kloppen. Aber warum sollte ich für so etwas Eintritt bezahlen? Das alles kann ich vor jeder guten deutschen Hauptschule auch umsonst haben. Fakt ist nun mal, dass die meisten Rapper so weit davon entfernt sind Musiker zu sein, wie Michaela Schaffrat von der unbefleckten Empfängnis. Daher verfügen sie eher selten über eine 20 Mann starke Liveband, und können auch nicht von der fraglos vorhanden Eigendynamik und Bühnenpräsenz einer solchen profitieren. Vielen Punkbands würde ich ebenfalls das musikalische KnowHow absprechen, dennoch funktioniert deren Show meist perfekt, indem sie einfach ihre Instrumente vergewaltigen. Irgendwelche schlecht abgemischten Beats aus Frutyloops klingen eben nicht wie eine Liveband und fühlen sich auch nicht so an. Sie fühlen sich meist wie schlecht abgemischte Beats aus Frutyloos an. Und da wären wir auch schon beim zweiten leidigen Thema von Untergrundveranstaltungen.

Da HipHop mit seinen vielfachen Wiederholungen im Instrumental leicht eintönig werden kann, könnte man auf die Idee kommen einfach das Element des Tracks, welches noch am ehesten variiert, richtig den Text, hervorzuheben. Diese Überlegung wird allerdings häufig von der Person des Mischers konterkariert. Mischer in Jugendhäusern sind eine Spezies, welche nur selten etwas für Sprechgesang übrig hat, da Slayer sich dieses musikalischen Stilmittels nun einmal nicht bedienen. Schlimmer noch sind selbsternannte Soundexperten, welche das Wort EQ schon einmal gehört haben, und denken, dass jenes die Gebrauchsanweisung des gleichnamigen Geräts beinhaltet. Ihr armen Boxen ruhet in Frieden. Wo wir auch schon bei Punkt 3 meines Standartwerks „Die größten Fehler beim HipHop-Selbermachen“ wären (erhältlich im schlecht sortierten Fachhandel). Das Equipment, welches dazu da ist unsere nette kleine Jam audiotechnisch zu tragen ist eben meist nicht tragbar.

Jazzgesangsmikrophone und Hochtöner aus den 70ern (Landespavillon) eignen sich nicht für Schreihälse und Früchtchenbeats. Ich will diese Kolumne mit einem Appell an alle Nachwuchsveranstalter beschließen: Seid nicht geizig. Wenn ihr eine Anlage habt, die sich beim Soundcheck schon wie eine Daumenschraube anfühlt, dann mietet bitte die paar wenigen Geräte, die es braucht um einen anständigen HipHop Sound zu gewährleisten.

Zweitens: Sorgt dafür, dass eine Person im Raum ist die in der Lage ist damit umzugehen, und ich meine damit nicht DJ NoCut von der Reimallianz fürs Leben.

Und drittens: Lasst nicht Gruppen spielen die Reimallianz oder Bad Lörach Gs heißen, zu denen fehlt mir nämlich meist der intellektuelle Zugang. Kurzum, knausert nicht, und fragt euch doch auch mal selbst wer denn den Scheiß den ihr anbietet überhaupt sehen will.

Danke schön

P.S.: Ich hoffe die 5 Jahresfeier konnte in euren Augen diese Fehler erfolgreich umgehen. Danke an alle die da waren und gebounced haben.

peace


Hallo! Hallo…! Hallo? Wissen sie lieber Leser, manchmal überkommt mich so das Gefühl, dass sie gar nicht existieren. Warum? Nun, wer sagt denn, dass das hier überhaupt gelesen wird. Ist ihnen denn nicht klar, dass ich ein wandelndes EGO bin? Über etwas Feedback würde ich mich freuen. Das mit der Existenz ist ja schon eine nervige Sache, und da es mich nervt möchte ich an dieser Stelle einen großen Mann (nein, nicht Magic Johnson) zitieren, welcher einmal dichtete: „Dieses Gedicht existiert gar nicht, ich hab es bloß erfunden, kaum war es da entfiel es mir, und blieb fortan verschwunden.“ Ich muss enttäuscht einräumen, dass dieses lyrische Meisterwerk nicht meiner Feder entsprang sondern der Lasse Samströms. Er dichtete weiterhin „Speisequark macht Weise stark, doch die Doofen träge, so täte Not ein Doofenspeisequarkverbot, ach wenn’s bloß nur daran läge.“ Lasse ich mache hier Werbung für dich, du hast mich sehr beeindruckt.

Naja, wie dem auch sei, worauf will ich damit eigentlich hinaus. Na? Jonas hör auf zu schnipsen! Ja, du da in der ersten Reihe. Hm? Haben das alle gehört? Richtig, es geht um Promotion und Public Relations. Sie wissen alle gar nicht in welcher Relation sie eigentlich zur Publik stehen. Werbung macht den Markt. Letztens wachte ich eines Morgens auf (das passiert mir öfters) und hörte mein Radio. Im Radio war ein Mann der Spanisch sprach, „ai que passa, mui karamba!“ und solche Dinge die spanischsprachige Menschen eben sagen. Jedenfalls wurde er synchron übersetzt was mich dahinter brachte, dass er ungehalten über die große menschenfressende Flut in Guatemala war, welche zu dieser Zeit durch Schlammlawinen, Hochwasser und andere Gimmics auf sich aufmerksam machte. Leider wohl nicht aufmerksam genug. Der Muchacho sah eines der Hauptprobleme der Katastrophe, nicht in der Springflut, sondern in der miserabel angelaufenen Promotion-Kampagne, und natürlich in der hinterhältigen Erdbebenkonkurrenzpolitik Pakistans, welche in der Tat dieser Tage das Katastrophen-Entertainment beherrschte. Wobei er tatsächlich das Wort Promotion-Kampagne benutze.

Nun, dass Katastrophen durch gute Promotion viel Piepen einbringen können, sieht man ja an Janette Biedermann. Das erschreckende dabei ist nur, dass der Muchacho mit seiner Einschätzung nicht einmal falsch lag, sondern den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Die Welt sah wie Millionen Menschen in Pakistan von Häusern erschlagen wurden, da gingen die paar Flutopfer natürlich völlig unter. Die Presse interessierte sich einfach mehr für Wasser. Tja, um Weihnachten rum hätten sie auf der Tsunamiopfer-Welle mitschwimmen können, aber 2005 ist nun mal ein Erdbebenjahr. Aber wir sprechen hier von Toten in beiden Fällen. Tote Menschen sind tote Menschen, nur weil in Guatemala weniger starben floss nahezu kein Geld in diese Region. Wird nicht berichtet, scheint es so als existierten diese Menschen gar nicht (yes! Brückenschlag)

Kommen wir zu angenehmeren Dingen. Ich hab gehört diesen Herbst sollen kräftige Brauntöne in Mode sein. Ja, manchmal funktioniert Werbung auch hervorragend. Zum Beispiel Knoppers. Knoppers hat die beschissenste Werbekampagne der Welt und trotzdem verspeise ich gerade eins. Das soll mir jetzt mal einer erklären, aber ich möchte diesen Mix aus fluffiger Milchcreme, herzhafter Haselnuss und knuppi die knuspriger Waffel mit einer feinen Schokoglasur einfach nicht missen, verdammt nocheins! Dabei ist es im Moment alles andere als Morgens halb Zehn in Deutschland, jeder weiß, dass ich meine Kolumnen immer in Kolumbien schreibe, wegen dem Namen. Ich ziehe jedenfalls aus Knoppers den Schluss, dass man auch mit fraglicher Promotion ein tolles Ereignis wie eine Springflut in Guatemala verkaufen kann. Hier also mein Vorschlag für den Pressetext bei der nächsten Flut: „Springflut! Das sind cremige Schlammlawinen, herzhafte Überlebensschreie und krakki di krachende Häuser in einer flutschenden Überschwemmungsummantelung. Morgens halb Zehn in Guatemala. Bitte spenden sie!“ Aber Guatemala kann sich einen duften Promotionkerl wie mich nicht leisten, dabei würde ich das für 12 Vegiburitos die Woche schon machen.

Nun lieber Leser, sie sehen, es exsistiert nur wer auch on air ist, also passen sie auf, dass man ihnen die Luft zum Atmen nicht nimmt.
Ach übrigens, diese Kolumne existiert ja bekanntlich auch nicht. Ich kenne niemanden der sie liest.
Sie vielleicht?


Ha! Hab ich sie wieder erwischt, sie enttäuschtes Individuum, welches meine Kolumne ließt. Es ist doch ein Treppenwitz der Menschheit nicht wahr. Sie fragen sich jetzt sicher wovon ich eigentlich rede, und warum zum devil ich sie sieze. Es hat folgenden Grund, welcher überhaupt nichts mit dem Folgenden zu tun hat. So.

Wissen sie, ich bin wohl der konservativste Mensch der ich je war, und den sie kennen, obwohl ich sicherlich weder die FDP noch CDU gewählt habe und es sicher auch nicht tun werde, auch wenn der Mensch vom FDP-Stand auf der Münchner Leopoldstraße die neoliberale Politik seiner Parteigenossen, in adleräugigen Bemerken meines Studentenseins, ganz klar als die Politik der sozial schwachen und des kleinen Manns hinstellte. Ich werde die FDP weiterhin nicht wählen, obwohl ich den Wahl-o-Mat befragte was ich denn mal so wählen solle und plötzlich eine quitschige Stimme aus meinem PC erklang, welche meinte: „Herr Hütter, wer die Wahl hat wählt FDP.“

Ich war natürlich zu tiefst erschrocken darüber und bemerkte in Windeseile, dass da etwas gewaltig faul war. Ein saftiger Tritt gegen meinen Computer reichte um die Schutzvorrichtung abfallen zulassen und Guido Westerwelle kroch aus meinem PC hervor, rückte sich die Krawatte zurecht und schloss seinen Hosenladen. Kurz darauf folgte ihm ein Stricher welcher sich den Mund abwischte. Ich war natürlich baff, aber als dann zu allem Überfluss auch noch der Geist von Rudolf Mooshammer aus dem PC hervorsauste und sofort von dem Stricher mit meinem Internetkabel erwürgt wurde, hatte ich den Riechkolben voll, und ging … weg, jawohl weg.

Doch warum macht mich dies alles zu einem konservativen Menschen? Nun das da oben tut eigentlich nicht viel zur Sache. Aber mir ist aufgefallen, dass ich mich zunehmend dem technischen und geistigen Fortschritt wiedersetze und mir dadurch des öfteren Problem aufhalse. Da wären zum Beispiel die Handys. Der gemeine Schwabe reißt ja da gut und gerne mal das Wortspiel „Handy kei Schnur“, bei welchem ich mir schon ein paar mal den Oberschenkelhals durch zu exzessives klopfen gebrochen habe. Ich finde nämlich diese Mobiltelefone nicht witzig, ich finde gar nichts witzig.

Nein im Ernst, sie sind eine Geißel der Menschheit. Sie zerstören alt hergebrachte Tradition wie das Gespräch von Angesicht zu Angesicht, und zwar nicht dadurch, dass die Leute nur noch telefonieren, sondern dadurch, dass man mit einer Frau in einem Lokal oder Bistro sitzt und sie anfängt während sie mit ihr sprechen sms zu schreiben, lesen, abmalen oder was auch immer. Ich hasse das. Ich hasse vor allem, dass ich mir früher oder später auch eins zulegen muss weil die Hure Namens Masse mich dazu zwingt. Jeder Arbeitgeber verlangt ja heutzutage, dass man 24 Stunden am Tag erreichbar ist um die Auftragslage je nach Ausgang der Lottozahlen zu ändern. Das war schon im Zivi so.

Ich kann mich nicht so wirklich daran erinnern, dass ich todunglücklich war, als es weder diese miesen kleinen Telefone noch die dazugehörige Klingeltonindustrie gab. Ich zitiere nun im folgenden den gesamten Text von Sweety dem Kücken (nicht zu verwechseln mit diversen Pornodarstellerinnen, die sind meistens rasiert): „I may be small, I may be sweet, but baby, ich know how to move my feet…hit it…cause when I start to feel the beat I just got to move my feet, it really makes me want to chiep…chiep chiiep chiep chiep chi chiep chiep“. So da hab ihrs. Aber ich bin eben konservativ, wie ich bereits sagte. Mein Vater hat einmal gemeint, ich besitze kein Handy weil ich so hochnäsig sei zu denken, ich habe das für meine sozialen Kontakte nicht nötig, und er hatte völlig recht. Mein Vater ist eben doch so eine Art Yoda

. Aber kommen wir mal zu anderen technischen Neuerungen unserer Welt. Zum Beispiel die Mikrowelle. Keine Sorge ich werde dabei nicht so weit ausholen wie beim Handy, ich belasse es bei einem Satz, vielmehr einer Warnung. DIE MIKROWELLE IST DER SATAN. Punkt. Aus. Darüber kann man nicht diskutieren. Zu beweisen, dass die Mirkowelle nicht der Satan ist, ist unmöglich und somit habe ich recht. Im Zweifel für den Angeklagten. Nennt mich bitte ab jetzt Madlock oder Mad Dog, ist auch gut. Völlig egal. Ich jedenfalls habe für heute genug von meiner alten Boschschreibmaschine auf der ich gerade diesen Text hier tippe und verabschiede mich in den Altweibersommer mit einem gut gemeinten Satz: Ich brauch keinen Alkohol um Spass zu haben, und noch viel weniger brauche ich Spass um Alkohol zu trinken.

Holadiewaldfee…

Prost und frohes Neues.


Wie viele Leser dieser Kolumne wissen, habe ich ein kostbares Jahr meines Lebens in Geogre Walker Bushs Heimat, also einem konservativen Stripschuppen namens Texas verbracht. An sich eine wertvolle Erfahrung, allein schon wegen der großartigen Chili-Chesse-Fries bei dieser widerlichen Hamburgerkette. Was ich den Amis damals wie heute zu Vorwurf machte war nicht ihre heuchlerische Doppelmoral, Bibel TV oder Britney Spears (oh…halt…doch, die mache ich ihnen zum Vorwurf). Nein, mich störte besonders, dass unsere Freunde aus dem fernen Westen versuchten alles und jeden in ein gewisses Regelwerk zu pressen. Wie, das Land der großen Freiheit stellt Regeln auf? Jawohl so ist es meine Freunde und zwar handelt es sich dabei nicht um Gesetze oder sonstigen umgehbaren Krimskrams, sondern die ungeschrieben Regeln ihres sozialen Lebens.

Nehmen wir doch mal das amerikanische „Dating“-Modell:
ein Treffen zwischen zwei meist dummen und fetten (jahaha Vorurteile!) Menschen aber dennoch hoch potentiellen Sexpartnern, welches sich einem festen Zeitplan und Verhaltenskodex unterwirft. Klingt oberflächlich betrachtet und dumm? Was solls, mir geht es in dieser Kolumne erstaunlicherweise sowieso nicht darum über die Amis herzuziehen wie sonst. Mir geht es darum, dass ich all die Zeit den Amerikanern etwas vorgeworfen habe, was wir Deutschen quasi perfektioniert haben: nämlich die Spaßplanung.

Es mag altbacken klingen aber, ich bin der Meinung, dass Spaß einfach nicht planbar ist. Ich erfreue mich meist an relativ alltäglichen Dingen, welche da oft unerwartet völlig planlos geschehen. Menschen treten in Hundescheiße (zum brüllen komisch, wie ich finde), Katzen springen in Kakteen, Frauen verlangen Sex oder Massig Jiggs produzieren einen tollen Song. Dies ist alles schon passiert, mal abgesehen davon, dass Massig Jiggs bisher noch keinen tollen Song produziert haben, das war etwas geflunkert. Jedenfalls war nichts davon geplant, dennoch machen sich jedes Jahr Millionen und Abermillionen Deutsche auf ihren Spaß beispielsweise im Urlaub bis ins kleinste Detail durchzuplanen. Montag Sonnenbaden, Dienstag belanglose Tourikirche besichtigen, Mittwoch Elefantenreiten, Donnerstag Thaikindernutte kaufen (natürlich nur in Ausnahmefällen), und das ist ja nur die grobe Einteilung, in Wirklichkeit ist natürliche jede Sekunde verplant.

Meine Kumpels zum Beispiel, nennen wir sie einfach einmal Team Finger (VORSICHT, INSIDER!!!), folgen strikt dem Party Spaßgebot, welches gebietet, dass man wenn man die Möglichkeit hat in einen Zappelschuppen (Jugendsprache: nachzulesen in Pons Wörterbüchern) zu gehen, diese nicht nur wahrnehmen sondern auch dabei „Fun“ haben muss!!! Koste es was es wolle, ob man will oder nicht. Alles muss seine Ordnung haben, auch die Freude, wo kämen wir den hin wenn das Schreckgespenst Frohsinn machen könnte was es will? Mir geht das auf die Nerven, immer wenn ich Spaß einplane lässt er sich nicht blicken, dieser Hundsfott.

Aber weiter im Text. Schließlich planen wir nicht nur Spaß sondern auch Kultur und vor allem den Welt-Kirchen-Tag. 800.000 Jugendliche aus aller Welt jagen wir innerhalb einer Woche der Kultur und dem Papst hinterher, welchen sie dann aus einem Kilometer Entfernung auf dem Marienfeld besichtigen können. Super. Wie eine Herde Rinder wurden die Gläubigen im Fernsehen in Wagons und aus Wagons, aufs Feld und wieder vom Feld herunter getrieben. Doch alle waren sich einig: ein tolles Erlebnis. Und das, wo ich herausgefunden habe, dass der Papst der Kobold aus der Wagner Oper „Der Ring der Nibelungen“ ist. Es gibt ihn wirklich, und er versucht schon ständig der Ring vom Meeresgrund zu stehlen, die heiligen Nixen werden ihn nicht mehr lange davon abhalten können.

Meine These wird nicht nur durch die tiefen, dunklen Augenhöhlen, sein listiges Koboldgrinsen und sämtliche Illuminaten-Trash-Romane untermauert. Nein, hört man sich eine Rede des heiligen Vaters rückwärts, etwas langsamer, auseinandergenommen und völlig neu zusammen geschnitten an, wird man uneindeutig feststellen, dass die Stimme des Kobolds erschallt und verkündet: „Mein Schatz, der Ring, tief in den Fluten des Ozeans weilt er, bringt ihn zu mir“.

Jahh, damit hatten sie nicht gerechnet, stimmts? Oh, sie fanden das doch jetzt nicht blasphemisch, oder? Wie? Das ist nicht lustig? Also mir hats Spaß gemacht, ich hatte ja schließlich vorher gar nicht geplant, das hier rein zu schreiben.

Guten Tag


Warum Juse, warum? Jubilate, hier ist wieder Dschuse Dschu aka Carla Kolumna um mit einer packenden Reportage zu glänzen. Blödsinn! Aber ich gebe zu, dass es mal wieder Zeit wird sich zu melden. Die Leser dieser Kolumne haben sicher festgestellt, dass sie irgendwie nicht mehr so tau frisch und regelmäßig vom Bild am Sonntag Menschen vor die Haustüre geliefert wird wie früher. Ich will mich hiermit für meine Busyness entschuldigen, und nun einen Schwank aus meinem bisher 23 jährigen Leben erzählen.

Viele Leute mögen sich fragen: Warum Massig Jiggs, warum der Devil Dance, warum dieser peinliche Schwachsinn, warum macht Juse sich ab und zu zum Affen, und warum zum Teufel gibt es Leute die diesen Scheiß auch noch gut heißen. Nun, ich glaube eine freudsche Antwort auf all diese Fragen gefunden zu haben, denn der Grund schient in meiner frühen Kindheit zu liegen. Um die Sache zu erörtern will ich euch eine Geschichte erzählen (die Leser schreien: „Jaaaaa, erzähl uns eine Geschichte“).

Es war ein mal zu der Zeit als ein Mann namens Helmut Kohl über die teutschen Lande herrschte, da ergab es sich, dass eine junge Familie die Flucht ergriff um ins ferne Land der aufgehenden Sonne aus zu ziehen. Ihre Reise ward beschwerlich, da sie economy class flogen. Stop, genug der Blasphemie, meine Familie zog wie viele von euch wissen 1988 nach Japan, und ich war natürlich eingepackt. In eben diesem Jahr spielte zufälligerweise die Wiener Staatsoper die beliebte Mozart Oper Die Zauberflöte in Tokio, und suchte dringend Statisten, welche sie nicht auch noch einfliegen lassen wollten. Ich war natürlich am Start.

Jetzt mögen sich HipHop Fans, welche ja standesgemäß auch Opernkenner sind fragen, in welcher Statistenrolle genau sie nun einen 6 jährigen brauchten. Auch wenn ich ja immer noch der Meinung bin, dass ich kurzzeitig als Panino im Gespräch war, engagierten sich mich in der ähnlich tragenden Rolle des langschwanzmakaken Äffchens. Da Affen klein und verrückt sind, aber dennoch Wienerisch verstehen müssen, war ich wie geschaffen für die Rolle. Ich bekam also ein tightes (in der wörtlichen Übersetzung eng zu verstehen) Affenkostüm und musste im August in eben diesem Fellkostüm zu den Proben antanzen. Meine Schwester wurde übrigens auch engagiert und bekam die großartige Aufgabe einen Tigerarsch zu spielen, was sich wesentlich anspruchsloser gestaltete als die Rolle des Tigerkopfes oder natürlich die des Langschwanzmakaken.

Mein Auftritt beinhaltete, nachdem die Hauptperson Panino (die Pfeife) fertig gepfiffen hatte ihn affenmäßig an der Hand zu packen und mit einem Affenzahn zu seiner affigen biaatch zu zerren. Das war eigentlich alles und hätte etwa 2 Minuten einer zwei ein halb Stunden langen Oper in Anspruch genommen. Man bedenke aber das Tokioter Publikum, etwa 2000 Menschen pro Vorstellung, die alle die Schnauze halten.

48 Stunden vor der Tokioter Erstaufführung der Zauberflöte wurde ich entlassen.

Entlassen! Mit 6 Jahren aus meinem ersten Engagement überhaupt schändlich rausgeflogen. Gedemütigt und in den Staub geschubst von der Wiener Staatsoper, wo ich doch beinahe Österreicher geworden wäre, pfui! Zu allem Überfluss ging die Rolle kurzfristig an eine Klassenkameradin von mir. Es ist also durchaus an der Zeit die Gründe für mein Scheitern zu suchen. Ich könnte natürlich anführen, dass ich schon damals ein von Stanislawskys Schauspieltheorie geprägtes Junggenie im Geiste der Naturalismus war.

Ich hatte mich mit der Rolle im Zoo auseinander gesetzt und festgestellt, dass Affen in der Realität die meiste Zeit unkonzentriert Scheiße bauen und selten Dummheiten wie Flötenheinis-zur-romantischen-Liebe-hinführen, begehen. Mein rüder Alltagsrealismus gefiel natürlich in der aus dem Barock stammenden Operngattung nicht und so wurde ich gefeuert. Man könnte allerdings auch behaupten, dass ich nie zugehört habe, bei der Generalprobe noch nicht einmal wusste was ich tun muss, und mir den Arsch in dem Kostüm abschwitzend, die Zeit damit verbrachte mich wild auf dem Boden herum zu rollen (Affen-Flo-Realismus).

Jahrzehnte später beschloss ich mich an der Welt der Unterhaltung zu rächen um meine Ehre wieder herzustellen. Und so gründete ich Massig Jiggs.

Danke Juse.

Anmerkung: Stolles Motivation für dieses Projekt ist hingegen unklar, spielte er doch in Kindesjahren äußerst erfolgreich in dem bekannten Hinkebein-Musical


Hallo liebe Leser.
Was halten sie eigentlich von Deutschland? Nicht so viel? Mögen sie es? Würden sie sich als patriotisch bezeichnen? Wie viele von ihnen besitzen eine Böse Onkels (im Slang: Onkelz) Platte? Wie viele von ihnen besitzen die neue Platte und neue deutsche Welle des Aggroberliners Fler? Die Platte ist letzte Woche auf Platz 5 der deutschen Album Charts eingestiegen, die dazugehörige Single auf 10. Noch bevor das alles passiert war hatte ich ungefähr 12 Diskussionen um das Thema Fler geführt. Und nicht nur mein Bekanntenkreis, nein auch die TAZ und die Süddeutsche Zeitung (natürlich gehören deren Redaktionen eigentlich auch zu meinem Bekanntenkreis) hatten sich Fler angenommen. Ausgelöst hatte das alles die von Aggro Berlin geschaltete Werbung mit dem Slogan “ Ab ersten Mai wird zurück geschossen“, welche Fler mit einem Molotowcocktail in der Hand zeigte. Nun, das war schon gewagt.
Fler, welcher sich auf bisherigen Veröffentlichungen wie Carlo, Coxxx, Nutten oder Bushidos Vom Bordstein bis zur Skyline (wortschöpferisch übrigens alles seine Ideen) eher durch gangsterraptypische Lines wie „ich fick dein Vater, es ist Rap Elektro- Ghetto“, „komm und sieh wie ich auf dich kacke, es sind 30 Grad trotzdem trag ich meine Lederjacke“ oder das großartige „im Ghetto kennt mich jeder Elektro-Fensterheber“ auszeichnete, führte eine neue Imagecampagne ins Feld. Der Versuch von der deutschen Nationalität Flers zu profitieren ging dann eben gleich mit dem Hand in Hand was man sowieso mit deutschen Nationalismus verbindet: Naziästhetik. Die Feuilletonredaktionen der Zeitungen stürzten sich natürlich darauf und zerrissen Fler samt Album nach allen Regeln der Kunst. Die einen vermuteten eine plumpe Provokation, andere waren schlicht und ergreifen von dessen Ignoranz entsetzt. Ob Aggro genau darauf aufgezielt hatte bleibt Spekulation. Fler dementierte natürlich fleißig mit Naziästhetik anzubandeln und verwies darauf, dass sich in dem Text zu Neue Deutsche Welle schließlich neben Zeilen wie „Schwarz, Rot, Gold -hart und stolz“ auch solche wie „das ist multikulti“ befänden. Außerdem sei er schließlich nur mit Ausländern aufgewachsen, welche auch heute noch seinen Freundeskreis stellten.

Und so gerne man auch Partei ergreifen möchte, wie es Eißfeld und Blumentopf es bereits letztlich in München taten, so sehr muss man sich eingestehen, dass man keiner der beiden Parteien vollständig recht geben kann. Was vollkommen vergessen wird ist nämlich, dass die Zeitungen nicht in der Lage sind Flers Aktionen in einem HipHop Kontext zu sehen, in dem sie nun einmal stehen. Die Frage nach dem Warum ist mit dem Verweis auf eine strategische Provokation oder tatsächlicher, nationalistischer Radikalität Flers nämlich keineswegs zur Gänze beantwortet. Deutscher HipHop wird im Moment von Einwanderern (meist in der zweiten oder dritten Generation) dominiert, da sie schlicht und ergreifend die bessere Musik machen. Allerdings kommen gerade aus der Richtung von Leuten wie Bushido (er nennt Fler auf dem Track Flerräter ein „deutsches Stück Scheisse“), Bass Sultan Hengst und anderen immer wieder explizite Anfeindungen gegenüber Deutschen. Oft werden sie schlicht als Kartoffel beschimpft. Weiterhin heben gerade die Einwanderer gerne ihre Nationalität hervor, etwas was im Nachkriegsdeutschland verpönt ist. Nun ist der Grossteil von dem was Fler tut schlicht eine Umsetzung dessen was im Bereich der Rapmusik seit Jahren Gang und Gebe ist, nur von deutschstämmigen Rappern bisher nicht betrieben wurde, was im Endeffekt auch seine Innovation und seinen Erfolg ausmacht.
Es wurde mit der gesamten Problemstellung sehr deutsch verfahren. Flers Nationalismus und seine Verherrlichung der schwarzrotgoldenen Fahne wurden ihm nämlich ebenso nationalsozialistisch ausgelegt wie der Werbeslogan. Das ist allerdings unsinnig, da die schwarzrotgoldene Fahne ein Symbol des demokratischen Deutschlands ist und auch seine nationalistischen Bekundungen überschreiten die der Menschen in anderen demokratischen Ländern auf keinste Weise. Deutschlandfahnen in Videos von J-Luv oder Eko Fresh schienen niemand zu stören. Faschistische Tendenzen oder Sympathiebekundungen gegenüber Terroristischen Vereinigungen in anderen Rapplatten werden seit Jahren toleriert. Sexismus und Gewaltverherrlichung gehören geradezu zum guten Ton in der Raplandschaft. Doch die Aussage „Schwarz Rot Gold-hart und stolz“ und eine völlig unnötige Nazianspielung ruft die Moralapostel auf den Plan.
Aber gibt das Fler und Aggro das Recht so makaber mit einem Geschichtszitat umzugehen auf welches der schrecklichste Vernichtungskrieg der Weltgeschichte folgte? Nein, mit Sicherheit nicht. Und was noch viel schlimmer ist, ist dass sie mit dieser Ästhetik das perverse Verhältnis der Deutschen zu ihrer eigenen Nationalität noch bestärken, indem sie diese sofort wieder mit der Nazivergangenheit und aggressiver Radikalität in Verbindung bringen. Sie bestätigen sozusagen selbst das Klischee, welches Fler ja angeblich gerade zu durchbrechen sucht. Der Etablierung einer demokratischen und positiven Identität wird somit massiv entgegengewirkt, und wir bleiben mehr oder minder beim Status quo. Ich habe mir Flers Album angehört und bin der Meinung, dass es keine tatsächlichen Nazitendenzen beinhaltet. Weiterhin ist es nicht faschistischer als andere Alben auch. Es handelt sich viel mehr um ein gewöhnliches deutsches Gangsterrapalbum mit starkem Dipset-Einschlag. Ist Fler ein Nazi? Wohl kaum. Ist es allerdings deswegen gut zu heißen was er propagiert? Wohl eben so wenig.

Nachwort:

Mir ist bewusst, dass diese Kolumne ein Nachwort benötigt um falsche Rückschlüsse auf meine persönliche Meinung zu vermeiden. Nein, ich bin kein Verfechter von Flers Musik, da er schlicht und ergreifend kein besonders guter Rapper ist. Viele eine Reime und Aussagen gehen, wie ich zu sagen pflege auf keine Kuhhaut. Der „ab ersten Mai wird zurückgeschossen“ Slogan ging mir ebenfalls aus oben genannten Gründen gegen den Strich. Was mir allerdings auch gegen den Strich ging war die platte Behandlung des Themas in der Öffentlichkeit und deren lächerliche Polarisierung, welche Fler im Endeffekt genau den Erfolg beschert hat auf den es Aggro abgesehen hatte. Was mich besonders nervt ist, dass Deutschland wenn es um Nationalstolz geht nicht über ein Schwarz-Weiß-Raster hinausdenken kann.
Fakt ist außerdem, dass Faschismus und Gewalt scheinbar erst zum Problemthema werden wenn ein Deutscher sie propagiert. Und versteht mich nicht falsch, ich habe überhaupt nichts gegen gewaltverherrlichende, sexistische und sonstige Tendenzen in Rapmusik. Ich finde, dass gerade diese die Kunstform überhaupt interessant machen. Die politisch unkorrekten Texte machen für mich Rap aus. Was mich stört ist, dass bei manchen Rappern es hingenommen wird und bei anderen angeprangert, und ich spreche hier nicht mehr nur von Fler.


Hallo, hier ist wieder Carla Columna! Nach einer zweimonatigen Pause melde ich mich mit einer frischen Kolumne zurück. An sich ist ja das Auslassen des Monats März eine Sünde, ich aber war leider ernstlich verhindert. Ich hatte die Masern und Stolle hatte Darmscharlach (ja das gibt es). Das ist allerdings ist nur die Version, welche die Popbizenemy Presseabteilung verlauten lässt. In Wirklichkeit war Juse mal wieder auf Reisen, und dabei mit nichts geringerem als einer Komödienproduktion zu Gast auf dem Internationalen Studentischen Theaterfestival in Agadir, Marokko. Wie es dazu kam ist eine längere Geschichte, ich hingegen möchte euch mit den Eindrücken dich ich dort gewonnen habe beglücken, anstatt mit der langwierigen, nervenaufreibenden Vorgeschichte (welche euch allerdings auch beglücken würde, basta).

Marokko ist ein schönes Land, ständig scheint die Sonne, die Leute gehen nicht ins Solarium und sind deshalb auch immer gut drauf. Merkwürdig ist nur, dass sie Katzen die Passkontrolle im Flughafen vornehmen lassen. Zumindest dachte ich das, denn die erste Person die mir im Flughafen begegnete war eine Katze, die zwar keine Uniform trug aber dennoch sehr zudringlich war. Abgesehen von den anderen fettbäuchigen, krebshäutigen und vortrefflich gekleideten Deutschen (wieso sind die eigentlich schon vor dem Urlaub so krebshäutig, das soll mal einer verstehen) natürlich. Die Marokkaner jedenfalls lieben Katzen und geben ihnen sämtliche Freiheiten die sie brauchen (ähnlich wie o.b.), und so marschiert dort Katzenvolk gemütlich durch sämtliche öffentliche und private Räumlichkeiten. Marokkaner ohne Flugticket hingegen dürfen den Flughafen nicht ohne weiteres betreten. Die meisten Katzen fliegen übrigens nach Ägypten. Das soll ja ein wahres Katzenmekka sein, man bedenke nur all die Milchbäder mit Cleopatras darin. Aber genug der Katzen.

Agadir ist eine tolle Stadt, wessen Einwohner dafür bekannt sind großartige Betonhausprojekte am Stadtrand (auch bekannt als Wüste) zu starten und sich mitten im Bau dazu zu entschließen kein Geld mehr zu haben. Wenn die Häuser allerdings fertig werden, und einen weißen oder rotbraunen Anstrich erhalten, sind sie in der Tat ganz schön. Verkehrsregeln gelten in Agadir als ein abgeschafftes Übel, ähnlich wie Sicherheitsgurte in Taxis. Das folgt einer ganz einfachen Logik: Verrechnet man die beiden Risikofaktoren miteinander ist jegliche Gefahr gebannt, schließlich ergibt Minus und Minus bekanntlich Plus. Marokkaner sind unfassbar freundliche und höfliche Menschen, es sei denn sie besitzen einen Laden (also nicht Bin…ihr wisst schon). Dann sind sie nicht unfassbar freundlich, sondern zu freundlich, quasi erwürgenswert freundlich. Irgendjemand hat den Budenbesitzern auf dem Markt in Agadir wohl mal gesteckt, dass alle Ausländer A) Idioten und B) zu reich zum Scheißen sind. Dabei trifft das bekanntlich bloß auf Österreicher zu. Und bin ich ein Österreicher? Nein! Zumindest nicht ganz. Warum versuchte mir dann jeder zweite Typ auf dem Markt Nikefälschungen zum deutschen Ladenpreis anzubieten. Als ich genervt den 35ten Verkäufer auf Japanisch abwies, hielt er mich sofort für einen Ungarn. Einer der mitgereisten Musiker aus meiner Theatergruppe hingegen hatte seine Freude am Suck (spricht sich schukk und heißt Markt). Seine Verhandlungsstrategie war knallhart und konsequent. Verlangte ein Verkäufer 300 Dirham (circa 30 Euro) für eine Sonnenbrille bot er ihm 10 (1 Euro), und kaufte sie letztlich für 30 Dirham. Ich bin mir allerdings sicher, dass sie 5 wert war. In ähnlichen Preisklassen bewegten sich die Kameltreiber am Strand: ein Tritt …äh… Ritt (auf dem Kamel versteht sich) kostete 30 Dirham. Ich muss hierbei feststellen, dass Kamele alle Dinge wahnsinnig locker sehen. Sie bewegen sich in Zeitlupe und schauen wie ein Depp. Das Faultier (animalus stollungus) ist übrigens ein direkter Nachfahre des Nordelfenbeinküstischen Dreihöckerkamels. Ein weniger fähiger Tierhalter versuchte meiner Gruppe auch noch einen Ritt auf einem Pferd anzudrehen. Wir durchschauten allerdings seine List, und stellten fachmännisch Fest, dass es Pferde auch in Deutschland gibt. Ich klopfte ihm auf die Schulter und empfahl ihm es mal mit Schlangenbeschwörungen zu versuchen, wir Ausländer stünden da wahnsinnig drauf.

Aber nicht, dass hier jetzt ein falsches Bild entsteht. Die meiste Zeit in Agadir verbrachte ich damit mir die anderen Stücke des Festivals anzusehen und mit den Teilnehmern zu plaudern. Ich stellte dabei mit erstaunen fest, dass viele Marokkaner mit Arabisch, Berber, Französisch und wahlweise Deutsch oder Englisch 4 Sprachen beherrschten, wobei die meisten Deutschen es wohl auf gerade mal auf 2 bringen. Die anderen Stücke variierten in ihrer Qualität etwas, hinterließen aber alles in allem einen guten Eindruck. Besonders die arabische Fassung von Kleists zerbrochnem Krug muss zum pissen komisch gewesen sein. Die Marokkaner neben mir lachten sich jedenfalls nen Ast. Auch die Gruppen aus Paris und Mexiko boten ansehnliche Vorstellungen, und als es letztendlich zur großen Preisverleihung ins Rathaus ging waren wir alle gespannt ob wir auch einen Mitnehmen würden. Vorher mussten wir und etwa 600 Marokkaner allerdings noch das abendfüllende Showprogramm über uns ergehen lassen, welches neben einer Band und einer in der Tat lustigen Improgruppe auch einen Zauberkasten Hudini featurete, welcher einer Gartengrillparty in Castrop-Rauxel alle Ehre gemacht hätte. Ich hab seine Nummer, und fest vor ihn beim Geburtstag meiner Tante auftreten zu lassen (ich mag meine Tante nicht sonderlich). Meine Nummer hingegen haben nun mittlerweile etwa 30 junge marokkanische Studenten, die alle echt cool drauf sind, allerdings keine Ahnung haben was eine Klitoris ist (ganz sicher bin ich mir darin übrigens selbst nicht).

Ach ja, und fast hätte ich es vergessen, meine Theatergruppe hat den Preis fürs beste Stück und den der besten Schauspielerin gewonnen. Huldigt Dionysos und mir, den beiden wichtigsten Göttern des Theaters.

Bleibt loyal, meine Freunde

Juse Loyal
21. Apr. 2005


Februar 2004 erschien erstmals eine Kolumne meiner Wenigkeit, hier an dieser Stelle. Nun jährt sich dieses Ereignis. Ich möchte hiermit allen danken, die mir immer wieder Aufmerksamkeit geschenkt haben im letzten Jahr.Ich werde mich diesmal mit einem mehr oder weniger politischen Thema auseinandersetzen. Die volle Bandbreite des Problems wird in diesem Format nicht zu erfassen sein, sondern nur angeschnitten.

We´re all livin´ in America
Wie sicher ein paar von euch wissen, entschied sich der Deutschen Lieblingspolitiker, abgesehen von Adolf Hitler, George W. Bush ja kürzlich zu einer ausgiebigen Europatour, um auch den Fans diesseits des Atlantik die Chance zu geben ihn live zu erleben. Eigentlich würden ihn die meisten Deutschen, und vor allem zahlreiche Muslime dieser Welt wohl lieber dead erleben. Aber das lässt sich nicht einrichten, und ich will hier auch nicht in sinnlose Hasstiraden auf George abschweifen. Diese Disziplin überlasse ich traditionell der Reagge Community, sowie allen politisch interessierten Hängebauchschweinen.

Auch ein spontaner Disstrack der PDS-Allstars samt Mr. Lif Feature scheiterte an deren Uneinigkeit über den Beat und die Hook, und so erschien George Walker (the Texas Ranger) Bush dann doch recht unversehrt, in der Deutschen Kulturmetropole, wenn nicht Kulturhauptstadt Mainz. Mainz ist übrigens bekannt für den Karneval in Mainz (nicht den in Rio, dafür aber mit Tanzperformence von Guido Westerwelle), den FSV Mainz Null Fünef und natürlich die unsäglichen Mainzelmännchen (German Spießertum since 196…irgendwas). Toll, wenn dat mal nix is! Jedenfalls regten sich die Mainzer darüber auf, dass wegen einer trivialen Persönlichkeit wie dem amerikanischen Präsidenten ihr Bus satte 12 Minuten Verspätung hatte. Der Rest der Republik ärgerte sich so ein bisschen nebenbei, und freute sich letztendlich darüber, dass Bush nun die EU an sich anerkennen wolle… äh halt, Fehler… die EU als gleichberechtigten Tanzpartner in Frauenrolle anerkennen wolle. Konsens blieb trotzdem: Bush ist ein Schwein, der Irakkrieg sehr falsch und der Mc Rip zu fettig. Also Ami go home! Und Bush tat wie befohlen und verließ den deutschen Boden um wenig später sein Grinsen in Bratislava auszuprobieren. Bratislava ist übrigens bekannt für seinen …ähm, nun ja, Insider wissen wofür.

Bush ging, aber Amerika blieb. Warum? Weil es schon immer da war. Oft habe ich das Gefühl, wir Deutschen können die Amerikaner nicht sonderlich riechen. Wir schimpfen auf sie, blicken kulturell auf sie herab und prangern ihre fehlende Bildung und vorhandene Naivität an. Aber wenn die Amerikaner uns gesellschaftlich und kulturell nichts zu bieten haben (und das haben sie tatsächlich nicht), warum ahmen wir sie dann dauernd so kläglich nach? Wir sehen ihre Filme, lesen ihre Bücher, treiben ihren Sport und hören ihre Musik. Der nächste Schritt ist dann, das alles zu kopieren. Lächerliche Plagiate amerikanischer Formate in unserer Medienlandschaft. Und im HipHop ist es doch genau das Selbe. Letztlich las ich ein völlig belangloses Interview mit den, von Samy unter Vertrag genommenen Headliners auf mzee.com. Die Jungs beteuerten darin, völlig asketisch nur amerikanischen Rap zu hören und auch nur davon beeinflusst zu sein. An sich nichts Schlimmes, nur lese und höre ich eben diese Aussage schon etwa seit 5 Jahren in jedem einzelnen Interview mit irgendwelchen deutschen HipHop Bands. Dies scheint besonders real zu klingen, sonst würden sie es ja nicht immer so betonen. Deutscher Rap oder gar andere Musik: Pfui. So wie diese Leute das alle beschreiben, hören deutsche HipHop Stars wohl nicht einmal die Jungs aus ihrer eigenen Crew, schließlich rappen die meisten von ihnen doch deutsch. Und die DJs der jeweiligen Crews legen dementsprechend nicht mal ihre eigenen Platten auf und wir bleiben weiter rein amerikanisch unterhalten und beeinflusst. Nun werden viele schreien, dass Rap nicht der gesellschaftlichen Grundstimmung in Amerika entspreche. Aber er tut in meinen Augen genau dies. Ob politischer Backpack HipHop aus Boston oder Gangster Rap von der West Cost, in allem steckt ein riesiger Brocken amerikanische Denk- und Lebensweise. Wenig verwunderlich, schließlich sind sie Amerikaner. Macht euch doch nichts vor. Snoop, Jigga, Fifty und wie sie alle heißen, repräsentieren den von ihnen gelebten American Dream und sonst nix. Dass, sie musikalisch, technisch und geschäftlich dem Rest der Welt dabei weit voraus sind ist unbestritten. Allerdings haben wir es hier mit einer äußerst fraglichen amerikanischen Identität zu tun. Liest man zwischen den Zeilen erkennt man eine ganz eigene Ästhetik, die bei so gut wie allen Rapplatten amerikanischer nicht sein könnte. Ich persönlich würde vieles von dem was in der Amerikanischen sozialen, politischen und medialen Welt abläuft als verlogen bezeichnen. Ich weiß allerdings auch, dass das was ich sage für die meisten Leute nicht nachzuvollziehen sein wird. Auch nehme ich davon Abstand Menschen sagen zu wollen was sie hören, anschauen und lesen sollen. Nur sehe ich schon, aufgrund des angelsächsischen Einflusses, wie wir Europäer uns amerikanischen Umgangsformen annähern. Die FDP ist übrigens das beste Beispiel dafür (kleiner Seitenhieb). Ich persönlich würde mir eine eigene Identitätsbildung wünschen.


Vor kurzem entschloss ich mich ein besserer und weltoffenerer Mensch zu werden. Ich, Juse Ju, stolzer Besitzer eines „Berlin ist scheiße“ T-Shirts, beschloss nachzuprüfen ob sich mein, zugegebenermaßen auf keinerlei Realerfahrung beruhendes Urteil über unsere Reichshauptstadt, bestätigen würde. Eigentlich bin und war ich nie der Meinung, dass Berlin menschlichen oder sonstigen Fäkalien zuzuschreiben sei. Ich war nur einfach davon genervt, dass Personen ohne Charakter, Hirn und kreatives Potential bis heute der Meinung sind, diese Stadt könne aus ihnen einen hippen (nicht zu vergleichen mit hiphoppen) Menschen, oder noch schlimmer, einen Künstler machen. Weiterhin zweifelte ich am Verstand all derer, die ihr komplettes, belangloses Leben nicht einen Schritt aus dieser Stadt heraus getan haben, und dennoch der Ansicht sind, es sei der beste Ort der Welt. Ja, auch Schweine mögen ihre Jauchegrube, obwohl sie noch nie eine andere ausprobiert haben. Und nein, ich bin nicht der Meinung, dass es eine kulturelle Höchstleistung ist, die Freiheit zu besitzen, gekleidet in einem lila-neongelben Jogginganzug und Bademantel durch die Straßen zu wandeln. Aber genug der Vorurteile.

Aus finanziellen Gründen und hervorragender Planung meiner reizenden Begleitung nahm ich den Nachtzug. Die Sitze hatten etwa die Bequemlichkeitsstufe einer mormonischen Schulbank aus dem 18. Jahrhundert, und ein Deutscher bat uns, aus irgendeinem nicht erfindlichen Grund auf Englisch, doch bitte die Fresse zu halten. Wahrscheinlich um sein, eine Viertelstunde später folgendes, rotzgetränktes Schnarchen nicht zu unterbrechen. Verständlich!

Morgens um 7 Uhr am Bahnhofzoo angekommen, sah ich mich gleich nach den Junkies und Strichern um, welche ja angeblich dort zuhauf lauern, um einen anzufixen oder anzustrichern, oder beides. Aber ich wurde enttäuscht und lediglich von einem Pulk wuselnder Grundschüler umringt (und angestrichert), welche den Bus den ich zur Stadtrundfahrt nutzte, zur Schulhinfahrt gebrauchten. Wir sahen uns also Reichstag, Siegessäule, Brandenburgertor (es hat Hosentaschenformat!), Palast der Republik, Fernsehturm und die ägyptische Botschaft (mein Gott man, die ägyptische Botschaft…man!) im Rundfahrtschnelldurchlaufmodus an, und entschlossen darauf hin, uns in eine widerliche Starbucksnachmache zu setzen, da nichts anderes offen hatte. Von der Zugfahrt gebeutelt rief ich einen in Berlin-Wedding lebenden Kumpel an um mich bei ihm für ein paar Stunden aufs Sofa und aufs Ohr zu hauen. Nachdem meine Begleitung mir erklärt hatte wie bescheuert es eigentlich sei für einen Tag nach Berlin zu fahren um zu schlafen, begab ich mich ins Wedding. Im Wedding war ich Ausländer. Nicht, dass es mich gestört hätte, ich fragte mich nur ob ich als merkwürdiger Ausländer nun den Türken in der Gegend Angst machen würde. Dem war nicht so. Der Effekt schien sich also nicht umkehren zu lassen.

Ich schlief 4 Stunden und schickte mich an meine kulturgeile Begleiterin wieder zu finden, welche scheinbar in den letzten Stunden vom Frapochinno des Starbucksverschnitts angetrieben, die gesamte Stadt durchstreunt hatte. Der Rest des Tages verlief ähnlich wie mein Schlaf, nett aber nicht sonderlich aufregend (wobei halt, was hatte ich geträumt?). Wir gingen noch zu einem Inder essen, welchen ich durch nervige Nachahmungsversuche seiner Sprache, speziell des Wortes Ban Gang Curry, beleidigte. Ich regte darauf hin noch eine gewisse andere Person damit auf, und fand schließlich den Weg ins Berliner Ensemble, welches der eigentliche Grund für meine Berlinreise gewesen war. Das Stück „Leonce und Lena“ war, wie mir schon zuvor bekannt, grandios.

Nachdem wir noch ein wenig, durch Berlin bei Nacht geschlendert waren, begaben wir uns zum so genannten Nachtzug zurück nach München. Die Bahn, diese alten Schlitzohre, hatten geschickt olle 6erabteilwagen aus den 70ern mit täuschend echten Nachtzugaufklebern versehen. So merkte auch keiner, dass es sich bei den steifen Sitzen gar nicht um Betten handelte. Klever diese Bahnleute. Verständlich, dass das Unternehmen einen so guten Stand hat. Jedenfalls durften sich n 5 Leute in ein Abteil zwängen um gemütlich zu schlafen, da sich angeblich in einem anderen Wagen Wanzen befanden. Ja, Wanzen. Diese kleinen miesen, raffgierigen Viecher, die wenn sie nicht gerade hämisch auf einer Mauer auf der Lauer liegen, bereit sind alles dafür zu tun dich in den Arsch zu beißen. Das war mal wieder typisch, kaum begibt man sich in den Osten ist alles verwanzt, und das 15 Jahre nach der Wende. Man hätte glatt meinen können, die Stasi stecke dahinter. Aber die Bahn und die Stasi unterscheiden sich in ihren Methoden ja dann auch nicht so sehr.

Und was bleibt mir von meinem Berlinbesuch? Nun, geschlafen habe ich Berlin ganz gut. Die U-Bahn hat Stil. Berlin hat viel Platz und billige Mieten. Berliner heißen dort Pfannkuchen (also nicht die Menschen, sondern…ihr wisst schon, das alte JFK- Problem) und das Berliner Ensemble ist ein vortreffliches Theater. Was mich alles wiederum nicht daran hindern wird, auch weiterhin mein „Berlin ist scheiße“ T-Shirt Gassi zu führen. Schließlich handelt es sich dabei ja nur um Mode, und gerade eine so weltoffene und hippe Stadt wie Berlin wird mir verzeihen.

Danke schön.


Ja ja, die besinnliche Weihnachtszeit. Eins der Lieblingsthemen eines jeden Schreiberlings, da angeblich besonders zu dieser ach so schönen Zeit des Familienzusammentreffens alles in Chaos und Unmut mündet. Und nichts liebt ein Schreiber mehr als Chaos, Zerstörung und Unmut (ich liebe dieses Wort), denn schließlich gibt es nur dann überhaupt etwas zu schreiben. Alles Blödsinn! Bei Juse sieht das völlig anders aus. Juse wäre über ein bisschen Chaos und Unmut (schon wieder) geradezu entzückt, denn faktisch passiert an Weihnachten meistens garnichts, nada, niente, nanimo, ching chang chung Chinese sei nicht dumm.
Weihnachtszeit ist die Zeit der Letargie, des Nichtstuns und Rumgammelns (hey, für Arbeitslose ist somit eingentlich jeden Tag Weihnachten). Es ist zu kalt um nach Draussen zu gehen, zu warm um im Haus zu bleiben und zu dumm, dass im deutschen Fersehen nur Mist läuft. Und da MTV und Viva nun beide ein und dem selben Unternehmen gehören, und sich entschlossen haben auch etwas mehr Mist zu senden, können wir uns schon darauf freuen nächstes Jahr um diese Zeit in MTV den Jungs- und in Viva den Mädchensender unter dem Weihnachtsbaum liegen zu haben, anstatt einer Märklin Eisenbahn mit extra Plastikkühen zum aufstellen, so. Das habe ich nämlich dieses Jahr bekommen!

Also was mit der Zeit anfangen? Eine kolosale Option ist Schlafen, welche sich aber schnell zu einer schrecklichen Sucht entwickeln kann, und sich in meinem Fall zu einer Psychobattle mit meinem Wecker ausgeweitet hat. Ich habe es seit Anfang der Weihnachtsferien nicht mehr geschafft vor 13:30 Uhr aufzustehen, egal auf welche Urzeit ich meinen Wecker auch gestellt habe, und wenn es 5:30 Uhr war. Mein Wecker ist ein polnisches Nachkriegsmodell, nein, eigentlich handelt es sich um 3 Euro 50 Exemplar vom Woolworth (Leute die diese Kolumne seit den Anfängen begleiten, wissen, dass ich oft im Woolworth chille), und ist zu nichts anderem in der Lage als zu einem schrillen Piepton, welcher durch Mark und Bein geht. Dieser Ton verfolgt mich mittlerweile schon in meine Träume. Als ich gestern während des Piepens meines Weckers meinem Kampfschlaf folgte, masakriete ich meinen Wecker im Traum. Allerdings war er nicht klein zu kriegen, da er ja in der Wirklichkeit piepte, und ich wie in einer Enterprisefolge in der Paralellwelt gefangen war. Übrigens gibt es wirklich eine solche Enterprisefolge, also keine in der Commander Riker (eigentlich ein ziemlicher Spast) gegen seinen Wecker kämpft, sondern in der er sich in einer Traumwelt gefangen sieht und dauernd von einem nervigen Piepton und Strohhalmen im Gehirn attakiert wird. Ja, man sieht, einige Paralellen zwischen mir und der Enterprise. Aber genug von der Enterprise.

Eine weitere Möglichkeit die Zeit zu vernichten, ist darüber zu spekulieren, ob eine gewissen Person, nennen wir sie Rene H., oh halt das ist zu offensichtlich…R. Holt, aussieht wie Rumburak der Zauberer aus den berühmten Märchenfilmen aus der C.S.S.R. . Und ich muss sagen: Ja, eine gewissen Ähnlichkeit ist nicht zu verneinen. Da sind wir auch schon wieder beim Fernsehen, dem König der Letargie. Und da alle Anwesenden und ich selbst nun von dieser hingerotzten Scheisse genervt sind brechen wir hier ab, und sagen holdiro und ein frohes neues Jahr.

Peace


Das Vorwort ist eigentlich ein Unding, und wird in Zukunft weniger an dieser Stelle erscheinen! Ich fang dieses mal nur damit an, weil ihr es ja schon gewohnt seid.

Warum immer ich? Warum nicht ich?
Warum immer ich? Warum nicht ich? Ich habe seit es diese Kolumne gibt, sie oft mit einigen kleinen Geschichtchen aus meinem manchmal sehr absurdem Leben bereichert und aufgrund des Feedbacks, welches mir immer wieder Leute auf diese Kolumne geben, festgestellt, dass sich gerade diese Anektoden der größten Beliebtheit erfreuen (wow, was für ein langer Satz). Leider kann ich dieses mal mit keiner solchen Anektode aufwarten, mal abgesehen davon, dass ich bemerkt habe, dass Jeru der Beschädiger locker einen schwarzen Hobbit darstellen, oder in Ottos neuem Film mitspielen könnte. Was wiederum nichts daran ändert, dass er ein begnadeter Rapper ist.

Begnadete Rapper werden in den U.S.A nicht selten begnadete Stars. Und in Deutschland? Nun, in Zeiten der Casting Shows, der Bro´sis´s (das ist die Mehrzahl) und Overgrounds, hat kaum mehr einer Lust Underground zu sein. Jede Versicherungskauffrau und jeder Spargelstecher ist mittlerweile auf dem Trichter, dass es eigentlich das beste sei einfach ein Star zu werden. Warum auch nicht, das hat ja eigentlich nur Vorteile: Man bekommt auf einmal mehr Geld fürs Blasen, man ist auf MTViva, dem Sender der gerade die letzte HipHop Sendung im deutschen Fernsehen abgesetzt hat und mit Charlotte Roches Fast Forward wohl auch die beste Musik Sendung im deutschen Fersehen, und jeder hat endlich eine Meinung über einen. Kurzum, man ist kein Niemand mehr. Super.

Also lassen wir doch einfach alle mal ein Star sein. Eine solche Inflation von Stars hätte lediglich zur Folge, dass wir Supersuper Stars bekommen würden (wie Jürgen Drews, Blödsinn), die viel besser sind als alle anderen Stars (also alle anderen Leute). Tja ärgerlich. Doch betrachten wir mal den hiesigen HipHop aus diesem Blickwinkel. An sich verhält es sich doch hier genauso. Vor kurzem durfte ich einer Freestylebattle als Jurymitglied beiwohnen. Ein unfassbar nicht talentierter Rapper, welcher erstaunlicher Weise ins Viertelfinale vorgerückt war, da sein Erstrundengegner nach jeder Line erst mal eine 4 Takte lange Verschnaufpause genommen hatte, kam nach seiner mehr als berechtigten Niederlage (mein Gott war diese Niederlage berechtigt) auf mich zu, und schwor auf den Arsch seiner Mutter, dass es sich bei ihm um den verdammt besten Rapper in ganz Deutschland handele. Wie konnte ich ihn angesichts dieser Tatsache nur aus der Battle schmeißen? Wobei wir hier schon bei einem der Hauptprobleme der meisten Rapper wären: Der Selbsteinschätzung. Ein für alle mal: Sich selbst tight zu finden ist kein Kriterium, und irgendwelche dümmlichen Homies schon gar nicht, basta!

Aber neben dem Problem der Reflektion gibt es noch ein anderes sehr gravierendes Problem unter den Hänschen HipHops in ganz Deutschland. Irgendwie scheint jeder Rapper und jede Crew in Deutschland zu glauben es reiche in einem Dorf oder einer Großstadt rumzusitzen, Däumchen zu drehen, ab und an mit einem SM 58 ein Demo aufzunehmen. Dieses Demo dann wegzuschicken und darauf zu warten, dass sämtliche A&Rs von Universal bis BMG sich vor der Haustüre um dieses unfassbare Talent kloppen. Blödsinn! Talent ist das Eine, aber verfickt harte Arbeit das Andere. Keiner der Deutschen Rapstars von Samy bis Curse, von Savas bis Azad wurde direkt von der Straße weg auf einem Major gesignt. Sie alle sind den Weg über unzählige Jams, Battles, Demos und vor allem Veröffentlichen bei Independent Labels gegangen. Samy über Eimsbusch, Savas über Royalbunker und Put da Needle, Azad über 3p, die Massiven Töne über Mzee Records. Diese Liste ließe sich leicht noch weiter führen. Und wer jetzt sagt, dass es sich bei den genannten Labels keineswegs mehr um Indilabels handele, darf sich fragen, seit wann und warum das so ist. Was ich sagen will ist, dass diese Leute keine Demos verschickt und rumgejammert haben, dass ihr Talent nicht gewürdigt werden würde, sondern rausgegangen sind und ihren verfluchten Namen auf eigene Faust aufgebaut haben. Heutzutage bekommt nahezu niemand mehr einen Deal bevor er nicht independent mindestens 1000 Platten verkauft hat und noch dazu großes Talent aufweist. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, wie zum Beispiel Eko, welcher über Savas sehr schnell zu sehr großer Aufmerksamkeit gelangte, oder Caput, der von Savas nur aufgrund seines Demos gesignt wurde. Aber der Großteil der bekannten Rapper hat sich dafür den Arsch aufgerissen. Guten Tag

Peace


Kein Vorwort, die Sache ist eh zu lang, aber seht selbst…

Von Unterbeschäftigt zu Untergrund
Die Polizei von München ist Tag und Nacht schwer beschäftigt, da in der Snobstadt einige Gefahren auf die freundlichen Bürger lauern. So sieht das wohl die Polizei. Ich hingegen finde, dass eigentlich die Polizei die einzige Gefahr für unbescholltene Bürger wie mich darstellt. Bürger wie ich (nicht zu verwechseln mit Bürger Lars Dietrich) besitzen nämlich seit neustem Fahrräder, welche Geld für die U-Bahn sparen, die Umwelt schonen und verhindern, dass man einen fetten Arsch bekommt. Die Polizei will das Geld, hasst ihre Umwelt und hat einen dicken Arsch, und geht daher ihren Erzfeind, den gemeinen Fahrradfahrer, jagen. Ausgerüstet mit Hightech, stellt sich eine harmlos aussehende Barbiepolizistin (nur ihre Frisur war Barbie, ihr Arsch war natürlich gigantisch) unauffällig neben einen Baum in der Nähe einer Fußgängerampel, und beobachtet mit dem Walkie Talkie fest im Griff, die Menschen die kurz vor dem Verbrechen stehen mit dem Rad über eine 2 Meter breite, vollkommen sinnlose aber trotzdem grundsätzlich rote Ampel zu fahren. Ein junger Mann mit einer Lederjacke und einer weißen Mütze (ratet mal wer) überquert soeben ordnungswidrig den zu observierenden Fußgänger- und Radüberweg bei… ja bei rot. Im Gehirn von Barbie fängt es an zu rattern, schnell ein böser Blick und sofort dem Kollegen, welcher am Ende der Straße (und der Leitung, welche definitiv sehr kurz ist), mit Kastenwagen und Verstärkung auf der Lauer liegt, geheime Botschaften übersandt: „Fuchs ist im Bau, Fuchs ist im Bau, wiederhole der Adler ist gelandet, die Hündin bekommt Welpen, die Plätzchen sind fertig!“. Der Kollege reagiert geistesgegenwärtig und zieht den Störenfried aus dem Verkehr. Der nette Beamte mit Hornbrille zieht seine Mütze tief ins Gesicht, verschränkt die Hände hinter dem Rücken und tut was er gerne tut, reden als wäre er a) wichtig und b) vollkommen cool trotz seines mehr als lächerlichem Aussehens, mal von seiner mehr als armen Funktion mal abgesehen: „ Sie sind da eben bei Rot über den Fußgänger- und Radfahrerüberweg gefahren“. Typ mit weißer Mütze: „Nun…ja“ Beamter: „Das gibt eine Verwarnung und eine Strafgebühr von 25 Euro, nehmen sie die Verwarnung an?“ Sehr genervter Typ mit weißer Mütze: „ Wie, ich habe Alternativen? Wie sehen die den aus?“ Beamter selbstherrlich: „Nun, wenn sie die Verwarnung nicht annehmen kommt es zu einer Strafanzeige.“ Schwer schockierter Typ mit weißer Mütze: „ Na dann hab ich ja wohl keine Wahl.“ Rechthaberischer Beamter: „ Doch natürlich, sie können sich auch anzeigen lassen“ Typ dem mittlerweile die Mütze hoch gegangen ist: „ Na klar (gedacht: und dann schlage ich mir noch selbst in die Eier du Arschloch), ich glaube dann nehme ich doch lieber die Verwarnungsgebühr (gewitzelt im Kopf: zahlen sie mir gleich die 25 Euro oder macht das ihr Kollege?).

Ja, das ist das Hauptbeschäftigungsfeld der Polizei von München, einer Stadt mit 1,3 Millionen Einwohnern, und es gibt keine anderen Verbrechen, die aufzuklären wären. Naja, wobei ich schon zugeben muss, dass die meisten Radfahrer natürlich Drogendealer und Kinderficker (Word zeigt mir das Wort als Rechtschreibfehler an, aber ich glaube ich habe es richtig geschrieben. Spießer diese Microsoftleute, bei Apple würde es mir wahrscheinlich Alternativen dafür anzeigen, genug…) sind. Alles Verbrecher diese Radfahrer, besonders für Ohne-Licht-Fahren sollte man die Todesstrafe wieder einführen. Dann müsste ich schon längst in den Untergrund abgetaucht sein.

Im HipHop ist das ja irgendwie automatisch der Fall. Man ist solange Untergrund bis man das Gegenteil bewiesen hat, oh halt, das war ja vor Gericht so. Nein, man ist jedenfalls erstmal Untergrund ob man will oder nicht. Die meisten wollen es eigentlich nicht, geben es aber nicht zu, und die meisten werden es auch bis ans Ende ihrer Rapkarieren bleiben, sich diesen Fakt aber nicht eingestehen. Allerdings kommt es mir so vor als sei Untergrundsein in letzter Zeit aus der Mode gekommen. Untergrund war im HipHop früher ein Kampfbegriff, seit einigen Jahren hat er allerdings als solcher an Bedeutung verloren. Doch Warum? Ich denke einerseits wird es daran liegen, dass es einfach wesentlich mehr Rapper als früher gibt, und die sind alle wahnsinnig Untergrund (und das meist aus gutem Grund), was diesen Zustand relativ unspektakulär werden lässt. Soll heißen: Die Exklusivität geht verloren, allein Teil der Szene sein ist nicht mehr sehr schwer. Andererseits liegt es an dem Erfolg von deutschem Rap, dessen Etablierung in der deutschen Musiklandschaft und vor allem auch an dessen Wandel in den letzten Jahren.

Als ich ernsthaft anfing deutschen Rap zu hören gab es vielleicht 4 bis 5 Gruppen, die überhaupt einen gewissen Bekanntheitsgrad hatten und somit auch im Müller erhältlich waren: Die Fantastischen Vier, Fettes Brot, Das Rödelheim Hartreimprojekt, Advanced Chemistry und ab und an noch die Jazz Kantine. Nun, die Fanties wurden von realen Leuten damals gehasst, Fettes Brot ebenso (ich fand beide Gruppen übrigens toll), Rödelheim wurde wiederum von den Leuten gehasst, die die Fanties nicht hassten und Advanced Chemistry waren eben real, aber zumindest ich konnte ihnen nicht sonderlich viel abgewinnen. Über die Jazz Kantine aus der großartige Rappoeten wie Aleksey und Capucinno hervorgingen will ich lieber erst gar nicht sprechen. Was ich damit sagen will ist, dass damals die gesamte Szene quasi im gleichen Wust steckte, kurzum als Bodensatz herum krebste. Wenn keiner einen Deal hat, sind eben alle Untergrund, und selbiges somit ein respektabler Status. Natürlich gab es auch damals Neid und Konkurrenz (wie im Sozialismus, kleiner Scherz), vielleicht war diese sogar noch großer, aber der Zustand des Untergrundseins war quasi natürlich gegeben. Es war die Gesellschaft und die Musikindustrie, die HipHop nicht verstand. Somit machte der Fakt, dass jemand HipHop ist, ihn schon zu etwas Besonderem. Man konnte Stolz sein überhaupt HipHop zu sein, und die Leute die es waren verteidigten ihren Status vehement. Die Angst der Szene vor Fakern und die Sorge um die Wahrung der Exklusivität waren größer als heute. Schon 1995 meinten die Massiven Töne (Dichter in Stuttgart), Advanced Chemistry und andere Bands, dass HipHop sich in Deutschland als Trendkultur abzeichne, sie hatten ja keine Ahnung was noch kommen sollte. Heute wird kaum jemand der anfängt als Poser verschrien, einfach weil, wie erwähnt, jede Exklusivität der Veranstaltungen verloren gegangen ist. Aber was ändert dies am Untergrundstatus?

Die Gesellschaft und die Industrie fingen an HipHop zu mögen, hippe Jugendarbeiter überschlugen sich mit Lobpreisungen und planten einige pädagogische Anschläge auf ihn. Mit der Tatsache, dass viele Gruppen von Untergrund HipHop Bands zu populären Musikern wurden, entstand eine Diskrepanz zwischen denen die es geschafft hatten und denen die weiterhin Untergrund blieben. Die die Untergrund waren, waren nicht gut genug für ein großes Publikum, was den Begriff und den Status natürlich wesentlich abwertete. Während die erfolgreichen Gruppen der Deutschrapboomzeit 1998 bis etwa 2001 aus Stuttgart und Hamburg einigermaßen massentauglich agierten, wirkten viele Rapper aus Berlin und dem Ruhrpott diesem Trend entgegen, pochten auf ihren Untergrundstatus und werteten den Begriff somit wieder etwas auf. Untergrund bedeutete auch die Bereitschaft politisch unkorrekte Aussagen und heikle Themen wie Sex, Gewalt und Drogen in Texten zu verarbeiten, also wieder von der Gesellschaft verpönt und unverstanden zu sein. Wie früher die Fantastischen Vier (welche mittlerweile längst nicht mehr wirklich als HipHop wahrgenommen wurden) waren es nun Bands wie Blumentopf, Absolute Beginner, Dynamite Deluxe, Torch oder die Massiven Töne, die Angriffe aus den reihen des Untergrunds hinnehmen mussten. Noch war man in Deutschland nicht frei in Texten zu sagen was man wollte, ohne dafür gerügt zu werden. Abermals war Untergrund ein Kampfbegriff, verbunden mit dem Kampf um Freiheiten. Dies änderte sich allerdings schlagartig mit dem Erfolg der Untergrund Größen wie Kool Savas und M.O.R, Creuzfeld&Jakop, Olli Banjo und anderen. Die letzte Barriere war durchbrochen. Womit sollte der Untergrund sich noch identifizieren? Wenn quasi alles erlaubt ist, verliert der Untergrund sein Einsatzgebiet. Was muss man denn noch durchsetzen? Was muss zuerst im Untergrund keimen? Wofür ist die breite Masse noch nicht bereit? Vielleicht MC Basstards Horrorcore Rap? Wohl kaum! Heute kann man fast jeder Untergrund Crew eine gewisse Orientierung unterstellen, da das Angebot bei den Rapstars sehr groß ist. Der Untergrund wird zur Abstellkammer der Jungen und Schwachen. Das klingt hart, lässt sich aber nicht anders ausdrücken. Da es keine Beschränkungen (abgesehen von Geld) mehr gibt denen man die Schuld an seiner Unfähigkeit viele Leute gut zu entertainen in die Schuhe schieben kann, bleibt Untergrund nicht mehr jener, welcher Ideale hat und für diese kämpft, sondern der der nicht überrascht, entertaint…kurzum, der dessen Style, Stimme und Flow nicht zur Karriere reicht (und das sind viele).

Ist der Untergrund deswegen am Ende? Keineswegs, denn die wenigsten Rapper gehen in die Charts ohne davor den Umweg über den Untergrund zu nehmen. Die Entwicklung findet immer noch auf den kleinen Bühnen in den Jugendzentren, den Jams, Freestyleveranstalltungen und Undergroundkonzerten statt. Vergesst die Samy Deluxe, Beginner, Kool Savas, Curse oder Azad Konzerte in großen Hallen. Die haben mit der deutschen HipHop Szene wenig zu tun, Kontakt zur Szene findet man dort wenig. Geht auch mal auf die Battles und Jams und ihr trefft die Samys, Savas(s) und Azads von Morgen, oder vielleicht auch nur Stolle, Juse, Teenwulf (hofft, dass ihr ihn nicht trefft, sonst trifft er euch) Sajuz, Optimus Rhyme, Quick L (betet, dass ihr ihn trefft) Mr. Schwarz, Stereo, Homsn, Brom, Mauri, WWBC, Neo Nero, Andy Sasta, Phil, Hansito, Phillip Liquid, Arthur Rayden, Mars, Toasta, Versbox, Ty 56, Reimstoff, Lu, Pantaray, Ed Wise, Joni, Swist und andere lustige Gesellen.

Peace


Nun also der letzte Teil der Reihe, die sowieso niemand mehr überblickt. Heute hau ich mal richtig auf den Bush (ja, auf den auch) und spreche über einen gewissen State of Mind in HipHop Deutschland. Aber vorher nerve ich euch noch mit einer Geschichte über meine Bank.

Die PDS fordert: Schluss mit den Irrlehren!
Aus aktuellem Anlass werde ich mich dieses Mal mit dem Irrglauben beschäftigen. Also dem Irrglauben an sich sowie Irrglauben speziell in der HipHop Gemeinde.
Meine Bank zum Beispiel sendete vor kurzem einen Brief zu, in welchem sie mich zu einem persönlichen Beratungsgespräch einluden, aus Sorge um meine kritischen Finanzen. Mein Konto war um unglaubliche 9 Euro und sage und schreibe 95 Cent überzogen, und das nun schon seit 5 ganzen (nicht halben) Tagen. Meine Bank handelte in dem Irrglauben, dass es sich hierbei um einen alarmierenden Zustand handele, und bei meiner Person um einen Spielsüchtigen Irren, der wenn es so weiter gehe, noch den gesamten Tresorraum der Kreissparkasse Esslingen für Schnaps und Glücksspiel auf den Kopf haue. Ich für meinen Teil handelte in dem Irrglauben, dass es Bankangestellte mit einem Gehirn gibt, als ich mich damals für diese Bank entschied. Ich habe bereits den Entschluss gefasst, demnächst zu meiner Bankfiliale zu gehen und ihnen die 9,95 in ölgetränkten 1Centmünzen auf ihren sauberen Schreibtisch zu leeren. Ganz nebenbei, denkt mal an all eure Bankbesuche zurück. Habt ihr jemals einen männlichen Angestellten am Schalter gesehen, der nicht mindestens einen Feuerwehreimer Gel im Haar hatte? Nein? Ich jedenfalls noch nicht. Ich habe die meisten davon allerdings im Verdacht gar nicht selbst dafür verantwortlich zu sein. Es handelt sich lediglich um solch schleimige Typen, dass sich ihre schmierige Persönlichkeit auf ihre Haare auswirkt. Ein Irrglaube? Hm vielleicht, aber vielleicht auch nicht.

Aber genug der Bankanekdoten, obwohl ich noch eine echt skurrile auf Lager hätte. Die erzähl ich euch wenn ich mal wieder nichts zu schreiben weiß.
Ich will lieber auf einige in der HipHop Szene sehr verbreitete Irrglauben eingehen, zum Beispiel folgenden: „Die scheiß Kinder bzw. Teenies sind an allem Schuld was falsch läuft!“. Die „Teenies“ werden in Foren, Gästebüchern, Texten und sonstigen hoch qualifizierten Äußerungsplattformen für sämtliche Geschmacksverirrungen und Realnessprobleme, ja sogar den Tod, Untergang, die Vernichtung und_________(beliebiges, die Zerstörung verheißendes Wort einsetzen) von HipHop verantwortlich gemacht. Das Absurde daran ist, dass es sich bei den ebenfalls viel zitierten Hatern oft selbst um Teenager handelt (Och ist das süß, die wollen erwachsen sein, und distanzieren sich von den anderen unreifen Usern) Und es ist auch wahr, dass Jüngere oft weniger differenzierte Meinungen haben als Leute dich schon länger dabei sind, einfach aufgrund fehlender Erfahrung. Dennoch halte ich diese Vorwurfshaltung für verlogen und lächerlich, um nicht zu sagen für um einiges kindischer, als das was so manch ein Jungspund von sich gibt. Es mag sein, dass einiges an pubertärem Geschwätz durchs Internet geistert, aber es ist und bleibt die Jugend die für die Entwicklung überhaupt open ist. Die Anfangseuphorie die bei den Jüngeren zu spüren ist, und ein gewisse Flexibilität macht die Kids für die Stimmung jeder Jam wesentlich zuträglicher, als den Mitzwanziger der tag täglich dem Vibe seiner ersten Pete Rock und C.L. Smooth Platte nachweint und jedem der junger ist als er vorwirft sämtliche Sido Platten gekauft zu haben. Und es freut mich als Anfangzwanziger herzlich wenn ich daran denke, dass er es ist der sich ärgert. So sind es auch meistens die, angeblich Szene zerfressenden, Teeniebakterien die bei den Konzerten jubeln, springen und sich betrinken, während sich die „Deutschrap ist Kinderkacke“-Fraktion an den Rand stellt um sich über die „peinlichen Toys“ zu ärgern, im Besonderen über die auf der Bühne. Tja, Jungs ihr werdet alt, und merkt es noch nicht einmal. Ich will nur einen Satz von euch hören: „Früher war alles besser!“, sagt ihn und ich besorge euch ein Gratistreffen mit dem Seniorenverein Neubrandenburg. Denn Fakt ist, dass den Spaß die anderen haben. Aber versteht mich nicht falsch, es sind nicht nur jene, in der Vergangenheit behafteten Menschen, die solcherlei Meinung vertreten. Wie oben erwähnt sind es auch Teenager selbst, die auf ihre Artgenossen einhacken um sich gegenseitig dasselbe Vergehen vorwerfen: Nämlich jung zu sein.

Diese erinnern mich immer an die Leute, die damals in der vierten Klasse die Bravo gelesen haben um sich mit reiferen Themen als Spielzeug zu beschäftigen, nur um in der fünften Klasse den Neubravolesern vorzuwerfen, ihrer Zeit hinterher zu sein. Besonders lächerlich finde ich es allerdings, dass es gerade die deutschen Rapstars sind, die sich über die Jugend beschweren, obwohl es sich dabei um ihre Käufer handelt, und somit um die Menschen die den Rappern ein 9 to 5 Leben ersparen. Das nennt man Dankbarkeit! Ich meine wenn es euch so nervt, dass nur Kids eure Platte kaufen (was im Übrigen nicht stimmt), dann hört halt auf die Musik zu machen, die ihr macht und versucht euch mal an Jazz (Oder halt, bitte tut das nicht!). Mir stellt sich einfach unweigerlich die Frage, wer eigentlich wirklich kindisch ist? Und wenn ich ehrlich bin, hat die Antwort wenig mit Geburtsjahren zu tun. Etwas, was nicht nur ein gewisser F.R. mit seiner kürzlich erschienen Platte bewiesen hat. Im Allgemeinen scheinen es Leute mit Mut zur Hässlichkeit, zur Ironie und zum Spaß zu sein, die in der Szene als „Kinderkram“ abgetan werden. Deichkind sind seit Jahren ein beliebtes Angriffsziel, und auch Sido, welcher sehr viel Ironie in seinen Texten mitschwingen lässt bekommt regelmäßig sein Fett weg. Wer auf einem Foto lächelt wird als schwach abgestempelt, wer sich selbst auf die Schippe nimmt ist ein Clown. Und so schreitet das deutsche HipHop Volk ernst ein her um ja nicht seine wohl gepflegte Credebility zu verlieren, und übt Kritik an Stellen, an denen sie es nicht gibt, und macht sich somit ebenfalls zum Clown.

Aber kommen wir zu einem weiteren Irrglauben: “ Echten HipHop gibt es nur in der Großstadt, alle von außerhalb sind Bauern.“ Sich etwas auf eine Stadt einzubilden ist in den meisten Fällen doch relativ arm, zumal ich nur schmunzeln kann, wenn mir jemand aus einer Stadt der Größe von Karlsruhe (versteht mich nicht falsch, ich bin wirklich down mit Karlsruhe) erzählen will ich käme aus einem Kaff. Ich bitte euch, ich lebe zurzeit in München und bin in Tokio aufgewachsen, meine Nachbarschaft war dort so groß wie Karlsruhe. Und nicht, dass ich ein Problem damit hätte Jahre in Kirchheim unter Teck verbracht zu haben, im Gegenteil, ich fand es eigentlich sehr gediegen. Um genau zu sein kommen die meisten meiner besten Freunde aus Kirchheim. Und ich bin nicht der einzige Rapper der ursprünglich aus einer kleineren Stadt kommt. Dendemann z.B. spricht in seinem Lied: „Unschuld vom Lande“ davon wie er aus der Kleinstadt nach Hamburg kommt. Olli Banjo wiederum kommt aus Aschaffenburg, und seine Cousengos Italo Reno und Germany kommen wie deren Mentor Curse aus Minden. Alles keine sonderlich großen Städte, und ich würde dennoch davon abraten, diese Jungs als Bauern zu titulieren.

Es sind gerade die Leute die ihr gesamtes Leben in ein und derselben Stadt verbracht haben, die von dieser dann auch wahnsinnig überzeugt sind, ohne jemals in einer anderen Stadt gelebt zu haben. Bleibt nur noch zu sagen: “ Jungs, ich mag eure Stadt, aber ihr seid Idioten.“ Außerdem leben in Deutschland nur knapp ein Drittel aller Menschen in Städten mit mehr als 100,000 Einwohnern, und wenn man bedenkt, dass schon Städte wie Reutlingen mehr als 100,000 Einwohner haben, wird klar, dass die wahren Großstädter doch rar gesät sind. Natürlich bilden gerade die Großstädte florierende HipHop Szenen aus, aber ich wage zu behaupten, dass diese zu 50% von Heads aus dem Umland gespeist werden.

Zu klären bliebe jetzt nur noch, woher diese Vorurteile, diese Geisteshaltung und dieser Hass kommen. Schowi von den Massiven Tönen rappt in dem Track „Deutschrap“ die Line „HipHop ist kein Geheimtipp mehr“ und trifft damit, vielleicht unfreiwillig, den Kern des Problems. Denn jeder versucht sich in einer immer großer werdenden HipHop Szene ein Stück Exklusivität seiner Person zu bewahren, wenn es sein muss mit Gewalt. Es handelt sich bei der HipHop Szene in Deutschland schon seit über 10 Jahren nicht mehr um eine Community, sondern eine Massenbewegung. Noch dazu war und ist HipHop immer eine offensive Musikform, die Probleme offen angesprochen hat, und viele verarbeiten so ihre Aggressionen. Da jeder sagt was er denkt, kommt es zwangsweise zu Auseinandersetzungen. Schwäche zu zeigen wird immer gefährlicher, man wird immer mehr angegriffen und schlägt selbst immer schneller zurück. Aber gerade der Erfolg vieler progressiver Künstler, mit einem eigenen State of Mind, zeigt mir, dass es nicht nur Vorurteile und Kampf gibt, sondern auch eine schweigende Masse, die nicht das Internet auf persönlichen Feldzügen nutzt. Eine Masse an Leuten, die die der Nörgler und Kritiker einfach nur durch den Kauf und das Hören der Musik zum Schweigen bringt.


Oh Freude, in welch Glorie das Update der Homepage erstrahlt!
Da kann es Juse trotz Unistress sich natürlich nicht nehmen lassen auch endlich die Juliglosse drauf zu rotzen. Wie angekündigt wird es sich dieses mal um die Historie der PBE-Crew gehen, welche den zweiten Teil meiner dreiteiligen Dreierreihe namens super Drei begründet…drei. Allerdings wird dieser zweite Teil ebenfalls in zwei Teile auf gespalten, welche wiederum jeweils in zwei Teile geteilt werden, also vergesst die 3, die 2 ist die neue Zahl der Stunde. Klingt kompliziert, ist es auch, aber man blickt es wenn man´s liest. Aber seht selbst…

PBE History; erster Teil: The early years 1997-2000
1. Jugendsünden 1997/98:
Um genau zu sein fing alles damit an, dass ich mich aus Langeweile in Sushis Zimmer durch dessen Müll(sein Hab und Gut) grub, um irgendwas zu finden, das ich auf ihn werfen konnte…nein Spaß…eigentlich tat ich es einfach nur so. Ich wurde allerdings überraschender Weise fündig (das muss schon was heißen, wenn man nicht einmal gesucht hat). Ich fand ein kleines elektronisches Schlagzeug, das mit dem unglaublichen Feature der dynamischen Anschlagpads aufwarten konnte. Meine Schlussfolgerung war klar: Dieses Gerät eröffnete mir die unfassbare Möglichkeit der Eigenproduktion von Rhythmusinstrumentalen (ja früher gab man sich mit wenig zufrieden) für die mehr oder minder….nein eigentlich wirklich miserablen Raptexte die ich seit einigen Monaten schrieb und ab und zu auch neben irgendeinen Takt setzte. Wie sich rausstellte hat Sushi das Ding doch tatsächlich bei der intellektuellen Diskussionsrunden Gameshow „Hugo“ gewonnen, was ihm bis heute hervorragende Kontakte zu Min Kai und dieser Sonja einbrachte. Er fand die Idee einer Rapgruppe jedenfalls dufte und fing auch bald an ähnlich geniale Texte wie ich zu schreiben: „wenn du nicht weißt was unser Lifestyle ist, liegt es vielleicht daran dass du scheiße bist“. Ich bin bis heute fasziniert von dieser Line. Ich hingegen versuchte mich in unterirdischen gymnasialen Deepnes- oder HipHop-ist-toll-Bekundungen: „du kannst uns dissen oder so, doch das uns scheiß egal wie Tobi und Bo“ bis hin zum Klassiker „meine Heimatstadt ist Tokyo“. Das hatte damals aktuellen Bezug, machte es aber nicht besser. Nun waren wir zwei Rapper, und brauchten für unsere Standart 08/15 Rapcrew natürlich noch einen DJ.
Da mein Kumpel Hannes damals eh immer mit uns rum hing, war dieser schnell gefunden. Anfangs sollte Hannes ehrlich gesagt nur als Semibediener des Hugoschlagzeugs fungieren (es spielte die Beats eigentlich von selbst, er sollte nur ein bestimmtes Sample aktivieren). Mein Versuch Hannes in die Texte einzubeziehen scheiterte an dessen sich im Stimmbruch befindlichen Stimme, was Sushi zu dem tröstenden Satz: „Hannes wir lachen nicht über deine Stimme, wir lachen über dich im Allgemeinen“ bewog. Nachdem wir ihn trotz dieser Beleidigungen zum Teilnehmen an der Gruppe bewegt hatten, durfte er auch hinter den einen Plattenspieler und den Sampler die ich meinem Bruder abgeschwatzt hatte. Bewaffnet waren wir übrigens mit einer 3??? Platte, einer Rappelkistenkids Platte und ein paar Sampleplatten von meinem Bruder. Unsere Zentrale verlegten wir daraufhin in meinen Keller (den ich ursprünglich mal in einen „Skatekeller“ verwandeln wollte, aber das ist eine andere sehr traurige Geschichte).

Dort entstand dann auch unser erster Selbst produzierter Track: „Lautstark“. Die Experten die jetzt sagen: „halt, den kennen wir doch, der ist doch auf der ersten Juseplatte von 2001 drauf!“, muss ich leider enttäuschen. Lediglich der Name ist dem Track geblieben, der Rest war 2001 neu. Der Beat war von mir und kam aus dem Sampler, die Raps nahmen wir zeitgleich mit dem Beat auf einem alten Aufnahmegerät von Sushis Opa auf. Zu guter letzt cuttete(eigentlich kann man das nicht wirklich so nennen) Hannes einige 3??? Vokals. Der erste Track war geboren, nur Hannes entschied sich wenig später ihn mit irgendeinem Scheiß zu überspulen mit der Begründung, dass wir ihn doch eh noch mal aufnehmen wollten. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal sagen: danke Hannes, setz dich, nimm dir n´ Keks, DU VOLLIDIOT! Aber wir dürfen auch nicht zu hart mit ihm sein, wir alle haben damals Fehler gemacht. Ich meine der Name unserer Crew war „Krasse Sache“, mein Künstlername war Dedektiv Justsus, Hannes war DJ Rappelkiste (haha) und Sushi…na ja, der hieß mehr oder weniger unfreiwillig Bad Sushi. Das war damals nicht ganz so uncool wie es heute ist, aber auch schon mächtig uncool.
>>Kommentar Sushi: Danke Juse, ich hatte gehofft nie wieder daran erinnert zu werden, so schnell macht man 3 Jahre Therapie zu nichte


Oh Freude, in welch Glorie das Update der Homepage erstrahlt!
Da kann es Juse trotz Unistress sich natürlich nicht nehmen lassen auch endlich die Juliglosse drauf zu rotzen. Wie angekündigt wird es sich dieses mal um die Historie der PBE-Crew gehen, welche den zweiten Teil meiner dreiteiligen Dreierreihe namens super Drei begründet…drei. Allerdings wird dieser zweite Teil ebenfalls in zwei Teile auf gespalten, welche wiederum jeweils in zwei Teile geteilt werden, also vergesst die 3, die 2 ist die neue Zahl der Stunde. Klingt kompliziert, ist es auch, aber man blickt es wenn man´s liest. Aber seht selbst…

PBE History; erster Teil: The early years 1997-2000
1. Jugendsünden 1997/98:
Um genau zu sein fing alles damit an, dass ich mich aus Langeweile in Sushis Zimmer durch dessen Müll(sein Hab und Gut) grub, um irgendwas zu finden, das ich auf ihn werfen konnte…nein Spaß…eigentlich tat ich es einfach nur so. Ich wurde allerdings überraschender Weise fündig (das muss schon was heißen, wenn man nicht einmal gesucht hat). Ich fand ein kleines elektronisches Schlagzeug, das mit dem unglaublichen Feature der dynamischen Anschlagpads aufwarten konnte. Meine Schlussfolgerung war klar: Dieses Gerät eröffnete mir die unfassbare Möglichkeit der Eigenproduktion von Rhythmusinstrumentalen (ja früher gab man sich mit wenig zufrieden) für die mehr oder minder….nein eigentlich wirklich miserablen Raptexte die ich seit einigen Monaten schrieb und ab und zu auch neben irgendeinen Takt setzte. Wie sich rausstellte hat Sushi das Ding doch tatsächlich bei der intellektuellen Diskussionsrunden Gameshow „Hugo“ gewonnen, was ihm bis heute hervorragende Kontakte zu Min Kai und dieser Sonja einbrachte. Er fand die Idee einer Rapgruppe jedenfalls dufte und fing auch bald an ähnlich geniale Texte wie ich zu schreiben: „wenn du nicht weißt was unser Lifestyle ist, liegt es vielleicht daran dass du scheiße bist“. Ich bin bis heute fasziniert von dieser Line. Ich hingegen versuchte mich in unterirdischen gymnasialen Deepnes- oder HipHop-ist-toll-Bekundungen: „du kannst uns dissen oder so, doch das uns scheiß egal wie Tobi und Bo“ bis hin zum Klassiker „meine Heimatstadt ist Tokyo“. Das hatte damals aktuellen Bezug, machte es aber nicht besser. Nun waren wir zwei Rapper, und brauchten für unsere Standart 08/15 Rapcrew natürlich noch einen DJ.
Da mein Kumpel Hannes damals eh immer mit uns rum hing, war dieser schnell gefunden. Anfangs sollte Hannes ehrlich gesagt nur als Semibediener des Hugoschlagzeugs fungieren (es spielte die Beats eigentlich von selbst, er sollte nur ein bestimmtes Sample aktivieren). Mein Versuch Hannes in die Texte einzubeziehen scheiterte an dessen sich im Stimmbruch befindlichen Stimme, was Sushi zu dem tröstenden Satz: „Hannes wir lachen nicht über deine Stimme, wir lachen über dich im Allgemeinen“ bewog. Nachdem wir ihn trotz dieser Beleidigungen zum Teilnehmen an der Gruppe bewegt hatten, durfte er auch hinter den einen Plattenspieler und den Sampler die ich meinem Bruder abgeschwatzt hatte. Bewaffnet waren wir übrigens mit einer 3??? Platte, einer Rappelkistenkids Platte und ein paar Sampleplatten von meinem Bruder. Unsere Zentrale verlegten wir daraufhin in meinen Keller (den ich ursprünglich mal in einen „Skatekeller“ verwandeln wollte, aber das ist eine andere sehr traurige Geschichte).

Dort entstand dann auch unser erster Selbst produzierter Track: „Lautstark“. Die Experten die jetzt sagen: „halt, den kennen wir doch, der ist doch auf der ersten Juseplatte von 2001 drauf!“, muss ich leider enttäuschen. Lediglich der Name ist dem Track geblieben, der Rest war 2001 neu. Der Beat war von mir und kam aus dem Sampler, die Raps nahmen wir zeitgleich mit dem Beat auf einem alten Aufnahmegerät von Sushis Opa auf. Zu guter letzt cuttete(eigentlich kann man das nicht wirklich so nennen) Hannes einige 3??? Vokals. Der erste Track war geboren, nur Hannes entschied sich wenig später ihn mit irgendeinem Scheiß zu überspulen mit der Begründung, dass wir ihn doch eh noch mal aufnehmen wollten. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal sagen: danke Hannes, setz dich, nimm dir n´ Keks, DU VOLLIDIOT! Aber wir dürfen auch nicht zu hart mit ihm sein, wir alle haben damals Fehler gemacht. Ich meine der Name unserer Crew war „Krasse Sache“, mein Künstlername war Dedektiv Justsus, Hannes war DJ Rappelkiste (haha) und Sushi…na ja, der hieß mehr oder weniger unfreiwillig Bad Sushi. Das war damals nicht ganz so uncool wie es heute ist, aber auch schon mächtig uncool.
>>Kommentar Sushi: Danke Juse, ich hatte gehofft nie wieder daran erinnert zu werden, so schnell macht man 3 Jahre Therapie zu nichte


Wer uns (Die Popbizenemy-Crew) schon länger verfolgt, weiß auch, dass wir 2001 aus der Crew „Delicious & Refreshing“ hervorgegangen sind. „Delicious & Refreshing“ bestand quasi aus dem Kirchheimteil von PBE. Mitglieder waren damals übrigens Epson Stylus aka MC Stolle, Tim´o´Tool, Der HaBiChT, Justus 111 aka Joe Neptun (heute Juse Ju), Mate T. (wie der gleichnamige Tee) aka der Intimfriseur und Rene (ich kann mich keines festen Pseudonyms entsinnen). Mate und Rene sind heute nur noch Ehrenmitglieder, obwohl sie schon damals nicht wirklich viel getan haben. Mate T. war nur bei wenigen Auftritten da und nutzte diese eigentlich hauptsächlich dazu über uns bekannte weibliche Wesen zu freestylen, die im Publikum standen. Dabei handelte es sich meist um Ausführungen des Faktes, dass einerseits Mates Sperma die erstaunliche Fähigkeit besitzt Haare blond zu färben und er andererseits richtig scharf auf erstes Blut ist (vergebens). Ich fands jedenfalls immer klasse und der Rest des Publikums natürlich auch! Rene (heute Hurendoc bzw. H-Dizzo) hingegen verdingte sich als Double MC für Stolle, und trug dabei gerne einen billigen Zettel mit der Aufschrift „Fleisch ist Mord“ auf dem Rücken. Heute ist er allerdings selbst wieder unter die Mörder gegangen. Naja, worauf ich eigentlich hinaus will ist unsere alte Homepage. Ja richtig, dieses Schwarze etwas, welches unter anderem die Kategorie „About“ beinhaltete. Drunter erklärten wir (der HaBiChT und Ich) worum es bei Popbizenemy eigentlich geht, da der Name doch einige Missverständnisse bei deutschen Dogmatikern auslösen konnte. Mir kam dieser Teil lange unnötig vor, aber heute, nach 3 Jahren, sehe ich mich wieder einmal genötigt ein solches Manifest zu verfassen, welches auch einen festen Platz auf dieser Seite finden soll.

Popbizenemy: Das Manifest
1. Sushi (der HaBiChT) und Ich (Juse Ju) sind Gründer der Crew Popbizenemy. Was also mit dem Namen ausgedrückt wird, liegt damit in unserem Ermessen und dem der anderen Mitglieder. Das heißt, wir definieren den Begriff. Wenn jemand denkt, dass er irgendwas anderes ausdrückt, ist das sein Problem. Behelligt uns nicht mit euren Meinungen dazu. Wir finden den Namen tight, sicher auch tighter als den eurer Crew.

2. Ja, die Anspielung auf Public Enemy ist gewollt. Wer das nicht blickt ist ein Vollidiot. Wem das nicht passt, der darf sich bei sich zu Hause darüber ärgern. Ich bin mit Public Enemy groß geworden, und zolle ihnen damit Respekt.

3. Das Popbiz ist kein Synonym für Popmusik, sondern die Plattenindustrie. Es geht hier auch nicht darum, dass die Plattenidustrie „böse“ ist. Das ist sie nicht. Es geht viel mehr um die Art wie Plattenfirmen agieren. Plattenfirmen in Deutschland haben Angst. Angst vor Veränderung, Angst Risiken einzugehen, Angst den Markt nicht lesen zu können und Angst Musiker statt BWLer die Jobs der A&Rs machen zu lassen. Kunst muss sich bewegen bzw. fortschrittlich sein. Die großen Labels bedeuten Stillstand. Es ist rein den Sublabels und Indielabels zu verdanken, dass wir überhaupt noch mit neuem Shit versorgt werden. Doch warum ist das so? Nun ich nehme an, dass die Leute die bei den Labels arbeiten schlicht nicht erkennen können was Potential hat. Heute wird ein Künstler erst dann gesignt wenn er schon einen Namen hat, es gibt keine Nachwuchsarbeit. Das überlassen sie es den Sub- und Indielabels und stauben später die etablierten Künstler ab. Sie konzentrieren sich lieber auf eine leichter zu durchschauende Zielgruppe. Die derer, die das Gedudel sich reinziehen weil sie zu Beispiel Daniel K. einfach süß finden, d.h. die der nicht Musikinteressierten. Diese sind mit seichter Musik, Simplifizierung, Promotion und guter Imagepflege strategisch leicht zu überzeugen. Majorlabels lösen Geldfragen, keine Kunstfragen.

4. Verkaufszahlen sind kein Kriterium dafür ob Musik gut oder schlecht bzw. real oder fake ist. Wenn jemand wie Savas, Samy, Wir sind Helden etc. viele Platten verkaufen, aber ihre Musik gleich bleibend gut ist, ist das erfreulich. Jeder von uns würde gerne mit Musik Geld verdienen, nur nicht um jeden Preis. Musiker sind auch Menschen, vergesst das nicht.

5. Popkategorie 1.: Es gibt zwei Kategorien von Popmusik. Boy- und Grilgroups, Castinggewinner, Möchtegernrapgruppen (wie 3te Generation), Dieter Bohlens, Teeniestars, Pseudodiven wie Britney Spears, singende Soapdarsteller und andere Promies, haben keinerlei Anspruch, sind langweilig und somit nervig und schlecht. Sie bedienen sich willkürlich und zerstörerisch anderer Musikrichtungen und ziehen diese dadurch in den Dreck. Sie kreieren quasi nichts Neues und Eigenes. Das Schlimmste an ihnen ist jedoch die Aufmerksamkeit die sie mit ihrem Schrott bekommen, und der Einfluss den sie dadurch haben. Ein Problem dabei sind die Inhalte der Lieder. In den meisten Fällen ist es die einfallsreiche „I love You“-Botschaft. Im Falle von Leuten Britney Spears sind es allerdings etwas fragwürdigere Phrasendrescherein wie „I am stronger“. Das ist ein geschickt als Message getarntes Nichts. Diese Botschaften sind deshalb so uninteressant, weil sie gesellschaftlich völlig integer sind. Sie verkörpern amerikanisch geprägte Wunschbilder. Kaum einer der Lovesongs etc. wird wohl aus wahren Gefühlen heraus entstanden sein. Sonst müsste jedes Boygroupmember alle 2 Minuten von einer Frau verlassen werden. Dies hängt auch mit der zu starken Orientierung am Markt, auf die ich nicht näher eingehen werde, zusammen. Die Quintessenz der Sache ist also, dass diese Art von Popmusik realitätsfern, und somit völlig Gefühlsarm ist.

6. Popkategorie 2.: Es muss auch Pop geben! Ja, ihr habt richtig gelesen. Jeder will Musik hören, nicht jeder interessiert sich aber wirklich dafür. Die Popmusik auf die ich anspiele ist folgerichtig die, auf die die bei 5. genannten Vorwürfe nicht zutreffen. Das heißt, die Musiker denen ich eine gewisse Ehrlichkeit und musikalischen Anspruch unterstelle. Dido und Robbie Williams fallen für mich in diese Kategorie. Diskutiert das.

7. Wenn man uns noch weiter auf die Nerven geht gründen Stolle und Ich „Popbizfriendely“ und featuren die Suga Babes. Damit hätten wir es dann allen gezeigt.

8. Wir nehmen diese ganze Musikgeschichte wahrscheinlich lockerer als die meisten anderen. Auch wenn man (auch angesichts dieses Manifestes) glauben könnte wir würden es bierernst sehen. Unser Name ist eine Kritik die wir abgeben, mehr nicht. Wieso habe ich oben erläutert. Es klingt abgedroschen, aber wir machen das aus Spass.

9. Hört immer das was euch gefällt, das machen wir auch, selbst wenn es Popmusik ist. Wenn ihr allerdings Alexander oder so hört finden wir euch scheiße, dann verdient ihr echt eins an die Fresse. Ich bin tolerant, und wem das nicht passt, dem fick ich in die Fresse, biatch!

10. Juse ist und bleibt der Battleking, biaatch. Gegen Curse darfst du dich stellen wenn du willst.

Nachwort:
Schreibt mir eure Meinung hierzu ins Gästebuch. Dass ich bei den letzten Punkten etwas abschweife liegt nicht daran, dass mir nichts mehr eingefallen ist, sondern es drückt einfach meine bzw. unsere Mentalität aus. Dies ist übrigens Teil eins einer Rein Popbizenemy gewidmeten Glossenserie, dem noch 2 weitere Teile folgen werden. Eine der beiden wird den Werdegang von PBE (ähnlich wie die Einleitung) beschreiben, der andere wird sich intensiv mit der Musikindustrie auseinandersetzten. Bis dann.


Vorwort:
Ich habe zwei Anliegen. Erstens heißt meine Kolumne ab jetzt Glosse. Das reimt sich auf Gosse, aber damit hat es nichts zu tun. Zweitens möchte ich meine Aussage im Vorwort meiner letzten Glosse revidieren. Meine Texte dienen zwar der Unterhaltung, transportieren jedoch automatisch eine gewisse Botschaft und Weltsicht (man bin ich ein dufter Typ). Ich denke, dass der kritische Leser seine Schlüsse daraus ziehen kann. Alle anderen sind uncool. Dennoch möchte ich mich für meine grammatikalischen, Zeichensetzungs- und Rechtschreibfehler der letzten 3 Glossen entschuldigen. Und gelobe hiermit Besserung. Nun zur Glosse.Aber seht selbst.

Ich möchte euch heute wieder mal ein paar Geschichten aus meinem Alltag näher bringen. Ich lebe, wie vielen Lesern dieser Glosse bekannt ist, ja mittlerweile in München. Für viele ist München einfach nur die Prosecostadt in Bayern, in der jeder Max oder Franz (oder Sep, sowie in meinem Lieblings soft-comedy-Porno Heidi Heida) heißt und BWL studiert um später einen BMW zu fahren. Ich für meinen Teil studiere TW (Theaterwissenschaft) und fahre den TWG (Twingo bzw. Twinge) bereits jetzt schon, ha ha. Freunde von mir haben jedenfalls schon die Theorie, dass man sobald man die Stadtgrenze überquert ein Proseccoglas in die Hand gedrückt bekommt. Nun, das ist ja nicht ganz falsch (bis auf das mit dem Prosecco), allerdings passieren einem in München in erster Line andere Dinge.

So kann ich wenig empfehlen sich in München eine Magen-Darm-Grippe einzufangen (Magen-Darm-Grippen kann ich übrigens grundsätzlich nicht empfehlen). Nachdem ich mir nämlich einiges 12mal durch den Kopf hatte gehen lassen, um genau zu sein mein Abendessen, entschloss ich mich doch einen Arzt aufzusuchen. Also wurde eine seriös anmutende Praxis in meiner Nähe aus dem Telefonbuch geklaubt, zu welcher ich mich in einer Art Delirium hinschleppte. Die Praxis war im Keller eines fünfstöckigen Hauses und sah eher aus wie ein Wohnzimmer oder eine Hippiekommune. Der Arzt (wenn er überhaupt Arzt war) sah aus wie Mario Adorf als Depp und ohne Charme. Er ließ mich brav meine Wehwehchen aufsagen, bevor er anfing mir wirkliche Schmerzen zu zufügen. Ich spreche hier nicht von direkter körperlicher Pein, sondern von Gehirnschmerzen. Es handelte sich bei diesem Menschen nämlich um einen Homoöpaten und einen Psychopaten obendrein. Seine Behandlung bestand darin mich mit völlig belanglosem Mist zu behelligen, und mir zwischendurch immer wieder eine Art Klosterfraumelissengeistverschnitt auf die Zunge zu tröpfeln. Seine erste Frage zielte auf meine Herkunft. Als ich dann, von der Krankheit geschwächt, ein leises „Kirchheim “ von mir gab, trat ich damit eine Lawine der begeisterten Beschimpfungen gegen irgendwelche schwäbischen Gegenden, die mich zu diesem Zeitpunkt natürlich brennend interessierten, los: „Ah, en esslinga Kaaskopf, I be nämlich aus Sturgart, abr wenigstens koi Reutlinga Scheisskopf!“ Die Frage nach dem medizinischen Inhalt dieser Aussage erübrigte sich. Der Mann quälte mich geschlagene eineinhalb Stunden, während welcher er nebenbei mit hysterischen Italienerinnen telefonierte oder sich mit mysteriösen, homoerotisch anmutenden Jünglingen namens Frank, die die Praxis einfach betraten, über merkwürdige Frauen namens Sybille unterhielt. Letztendlich erläuterte er mir, dass ich entweder unter einer Magen-Darm-Grippe oder einer Lebensmittelvergiftung leide. Aha, sehr aufschlussreich! Ich nehme an, dass er Typhus und Schweinepest auch noch nicht ganz ausgeschlossen hatte, mich aber nicht beunruhigen wollte. Zum Abschluss mixte er mir noch in irgendeinem ollen Fläschchen einen Trunk zusammen, den ich alle 3,74 Stunden nehmen sollte, und verlangte dafür und ein paar Kügelchen, die er Globuli nannte, 8Euro, welche ich, quasi als Wegzoll, um endlich gehen zu dürfen an ihn entrichtete. Ich ging danach übrigens noch zu einem normalen Arzt. Er brauchte 5 Minuten um die Grippe und das passende Medikament auszumachen.

Aber nicht nur Dr. Es-spuckt-in-meinem-Kopf sondern auch die Fahrkartenkontrolleure der MVG (München verlangt Geld), die so genannten „Blackentdecker“, stellen eine konstante Gefahr dar. Um es auf den Punkt zu bringen: Ich wurde bei der Erschleichung von Fahrtdienstleistungen erwischt und bewegte mich demzufolge in die Geheimzentrale der MVG (München völlig Geheim) in der nicht so geheimen Poccistraße(he he, lustiger Name) um mein Bußgeld in einem geheimen Koffer zu überbringen (diese ganze Geheim-Sache stammt übrigens von mir und macht keinen Sinn). Ich begab mich also in den zweiten Stock (dort bekannt als der „Stock der Schande“, die Mitarbeiter dort hingegen sind bekannt als der „Stock im Arsch“) zum restlichen Pöbel zu dem ich gehörte, bestehend aus Jugendlichen und Ausländern, sowie ausländischen Jugendlichen. Während ich also auf dem Wartestuhl saß und wartete (dem Stuhl entsprechend), dass das grüne Lämpchen aufleuchtete, welches das Eintreten genehmigte (ich spielte mit dem Gedanken die Tür einzutreten), stürmte eine fette Frau an mir vorbei und betrat zeitgleich mit dem grün des Lämpchens vordrängelnder Weise das Bearbeitungszimmer. In der Zeit in der die fette (und hässliche, oh Gott war sie hässlich) Frau der Sachbearbeiterin irgendetwas über Hitzewallungen, welche klar mit dem Nichtkauf eines Fahrscheins zusammen hängen, vorstammelte, betrachtete ich die Aushänge in dem Gang in dem ich wartete. Ein Aushang zeigte die vielen Merchandiseartikel die die MVG (Merchandise Verkauf Gewinnorientiert) anzubieten hatte. Zum Beispiel das Damentaschenmesser und auch Herrentaschenmesser mit MVG (Messer verteidigen Gerechtigkeit) Aufdruck. Ich meine was liegt näher als wütenden Schwarzfahrern, die eh schon zahlen müssen, Messer zu verkaufen. Ich für meinen Teil werde mir auf jeden Fall eins zulegen um den nächsten Kontrolleur damit zu bedrohen, und dabei auch noch triumphierend zu sagen: „Ha ha, jetzt werdet ihr schon von euren eigenen Messern bedroht! Selber Schuld, was verkauft ihr mir das Ding auch?“ und ihm den Aufdruck unter die Nase reiben. Ich würde allerdings das Damenmodell wählen, wegen der Nagelfeile. Falls sie mich dann nämlich ins Gefängnis stecken, könnte ich mich rausfeilen, hehe. Super Plan. Naja, die Messer sehe ich noch eher ein als das MVG (Manche verfahren geistlos) Magazin. Was soll den dort schon drinstehen. Wenn ich eine Strafe zahlen muss, interessiert es mich doch einen Scheiß ob der Kindergarten Giesing-Nord bei der Einweihung der neuen S-Bahnstation Ringelpiets mit anfassen gespielt hat. Ich zahlte im Endeffekt meine 20 Euro und mimte den bekennend Schuldigen. Am liebsten hätte mich bei der Sachbearbeiterin mit folgenden Worten verabschiedet: „Ja, dies mal habt ihr gewonnen, aber ich werde es wieder tun, wieder und immer wieder! Meine Kinder werden es tun, und deren Kinder und deren Kindeskinder. Und niemand wird mich davon abhalten, buhahahahahahahaaaaaaaaaaaaaaa!!!!“ Woraufhin sie sicher gesagt hätte: „Gut, dann behalte ich wenigstens meinen Job.“ Stimmt!

Manche Leute werden meinen diesmaligen Erguss als weniger lustig empfunden haben als die Vorhergegangenen, aber schließlich waren die Situationen auch für mich meist nicht witzig, menno. Aber seid getröstet, dies wird nicht meine letzte Glosse bleiben, ich werde es wieder und immer wieder tun, buhahahahahahaaaaaaaaaaaaaaaaaa!!!!!!!!!!!

P.S.: Für alle Pappnasen, MVG steht natürlich für Münchner Verkehrs Gesellschaft oder auch Männer Votzen Gefolgschaft.

Peace. Juse 2004


Vorwort 3:
Ja, ich hab mal wieder ein Vorwort.
Ich wollte mich nur schnell bei allen bedanken die meine Gesülze lesen und mir Feedback dafür geben. Allerdings muss ich sagen, dass diese Kolumne oder wie auch immer man es nennen will rein der Unterhaltung dient, ähnlich wie Pornofilme. Sie ist politisch und pädagogisch höchst unsinnvoll. Aber seht selbst..

Stuttgart olé
Letztlich nahm ich mir vor mal wieder nach Stuttgart zu fahren, denn dafür, dass wir Kirchheimer von vielen Leuten einfach Stuttgart zugerechnet werden, bin ich eigentlich viel zu selten dort. Meine Mission war klar, eine neue Hose musste her, da ich unfähigerweise am Tag zuvor eine meiner Jeans (mit mir drin) zu nah an ein Lagerfeuer manövriert hatte und sie irgendwie Feuer fing. Mir ist nichts passiert, allerdings wurde mein Hosenbein tapfer gelöscht bevor ein Foto davon gemacht werden konnte, schade!

Auf jeden fall brauchte ich für diesen Auftrag ein schlagkräftiges Team. Ich entschied mich für 2 Spezialisten des Spasses. Stolle das Raubein und Hannes das weniger raue Bein. Hannes wollte sich irgendwelche Schuhe kaufen und Stolle zum Sound Shop um dem Inhaber Platten anzupreisen, statt umgekehrt. Außerdem hatte ich ihn zu wichtigen Gesprächen mit diesem gedrängt. Leider konnte er keinen Sound shoppen, da der Laden kurzerhand beschlossen hatte in den Tagblatt Turm umzuziehen und deshalb nicht offen zu haben. Klar, wer von uns hat sich nicht auch schon mal überlegt in den double T Tagblatt Tower zu ziehen. Frauen gehören ja bekanntlich zu dieser Art von Menschen die in Poesie Alben gerne in die Sparte Hobby das Wort Shopping reinschreiben (ich weiß, dass kein Mensch mehr Poesie Alben führt, aber würde jeder eins führen wäre das sicher so). Ich hingegen würde den beliebten Spruch: „ich für dich, ein Furz ins Gesicht!“ reinschreiben. Für mich auf jeden Fall ist Einkaufen mehr Mittel zum Zweck. Den einzigen Spaß den ich dabei habe ist mich über die Produkte zu wundern. Wundern heißt in diesem Fall mich über sich lustig zu machen. Dieser Spaß steigt für mich wenn ich meine blöden Sprüche zusammen meinen mit Kumpels mache erheblich und sinkt in eben diesem Maße für die Verkäufer und Ladeninhaber. Der Besitzer eines Gürtelschnallenstandes auf dem Weihnachtsmarkt nahm sich diese Scherze einmal so arg zu Herzen, dass er uns kurzerhand nach einem blöden Spruch über seine Lieblingsschnalle (es handelte sich nicht um seine Frau) welche ein Rinderschädel um den leichtbekleidete Nutten tanzten zeigte, seines Standes verwies. Wow was für ein Satz.

Zurück zur näheren Vergangenheit. Da der Sound Shop verhindert war, entschlossen wir dem Asia Kampfsport Shop einen Besuch abzustatten. Die Kampfwurst, auch bekannt als der Ladeninhaber war von unserer Präsenz sichtlich gestört. Wahrscheinlich war er verunsichert, dass Kunden den Laden betraten, denn erstens kommt das nur jedes Schaltjahr vor und zweitens hatten bei unserem letzten Besuch vor einem Schaltjahr zwei andere Kunden versucht ihn ohne Grund mit seinen eigenen Kampfstöcken zu verprügeln. Er schmiss uns unter dem Vorwand etwas aus dem Lager holen zu wollen aus dem Laden. Dabei war es mir so vorgekommen als sei sein Laden das Lager. Wir widmeten uns also wichtigeren Dingen und gingen in den Beate Uhse Shop. Eine hysterische, weil immer geile Verkäuferin kam sofort auf uns zugerannt um unsere Ausweise zu sehen. Auch sie hatte wohl gehofft uns sofort rausschmeißen zu können, um die restliche durch und durch perverse aber verklemmte Kundschaft zu schützen, die von unserem Spott sichtlich belästigt schien. Aber wie kann man von uns verlangen, dass wir Filmtitel wie „Wenn der Postmann zweimal klingelt gibt’s was in die Schlitze“, „Inzest-Spritz mir ins Gesicht mein Sohn“, Robin Hood, König der Triebe“ oder den Klassiker „Lustgeschrei im Mädchenpensionat“ ohne flachen Witz hinnehmen? Auch die Buchabteilung war gut sortiert, Fachliteratur wie „Rohrstockgrüße aus dem Jenseits“ dürften genauso wenig fehlen wie der tiefgründige Bestseller „Arschfick Total“. Ehrfurcht jagten uns hingegen ein Baguette-großer Dildo mit dem Namen Big Jim sowie eine unglaublich fette Gummipuppe ein. Nachdem Hannes sich entschlossen hatte das Bestrafungspaddel (wer zu spät kommt krieg eins mit m´ Paddl!) doch nicht zu kaufen, machten wir uns auf Weg doch noch unsere Mission zu erfüllen. Hannes Schuhe standen an.

Ich stellte fest, dass Stuttgart eine unglaubliche Fülle an OG-Wear Schuhläden besitzt, in denen jede zweite Person ein Undercover-Verkäufer ist, der jeder Zeit eine „Kommt ihr klar“-Attake starten kann. Hannes meinte man sollte ihnen spezielle Gangsteruniformen besorgen um sie von der ebenfalls OG gekleideten Kundschaft unterscheiden zu können. Außerdem habe ich die Annahme, dass eben diese Verkäufer auch gleichzeitig die besten Kunden dieser Läden sind, denn es tragen überhaupt nicht so viele Leute Basketballschuhe, noch weniger spielen Basketball, oder treiben überhaupt irgendeinen Sport. Das Geld befindet sich in einer Art Kreislauf. Ein Betrieswirtschaftliches Wunder im Kleinen! Warum werden die Verkäufer eigentlich nicht gleich in Schuhen ausbezahlt? Hannes hatte sich vorgenommen hinterhältiger Weis´ die Schuhe die er wollte in einem der Läden anzuprobieren um sie dann später im Internet zu bestellen, womit die Angestellten wieder die einzigen Kunden blieben. Ich frage mich allerdings wie ihn die Sneakers mit dem original Holzlaminat-Amaturenbrett-Design nur so kalt lassen konnten. Die nächste Station war der H&M oder auch Klamotten-Aldi (Ikea ist übrigens der Möbel-Aldi). Nirgends bekommt man für so wenig Geld so normal aussehende Jeans von irgendwelchen Aldi ähhh… Alibimarken. Hannes hingegen verzweifelte an den Größen der Hosen und fing an auf sie einzuprügeln, während Stolle sich einen Spaß daraus machte, mich andauernd irgendwelche rosa Pullis oder Mützchen an- und aufziehen zu lassen. Sein Druckmittel war Geld, auf welches ich zu leihen angewiesen war. Vor den Umkleidekabinen waren Schlagen wie vor dem Mädchenklo in der Disco. Ich finde die Leute sollten die Klamotten einfach an Ort und Stelle anprobieren. Was schadet es ihnen denn, wenn man sie mal in Unterwäsche sieht. Auch ich beugte mich allerdings der Masse, während wir allerdings die einzigen blieben die sich gegenseitig mit den anzuziehenden Klamotten prügelten. Ja auch dieser Spaß fand ein Ende, und wir entschlossen uns vor der Heimfahrt noch dem neuen Sportscheck völlig grundlos einen Besuch abzustatten. Sie führten die von Hannes gesuchten Schuhe in Regenbogenfarben, womit er problemlos in die Blue Aiuster Bar gekommen wäre. Während sich Hannes also zum 12 mal die selben Sneaker ansah erspähten Stolle und ich THE BRONX.

Ja mitten in Stuttgart war die Bronx, und zwar in Form eines unglaublich fetten, vielleicht 15 jährigen Teenie der mit einer Jacke mit der Aufschrift „The Bronx 75″ einfach zum schreien aussah. Also flüchteten wir wieder aus Stuttgart wegen der vielen aus der Bronx stammenden Jugendlichen dort, und vor aller Aufregung rammte Stolle im Parkhaus noch einen fetten Audi ein wenig. Wir wollten allerdings nicht anhalten aus Angst, dass The Bronx bei uns einen Car Jack vornehmen könnte. Ah da fällt mir zum Schluss noch ein lustiges Filmzitat ein: Ein finsterer Geselle mit einem Revolver reißt eine Autotür auf und schreit „This is a carjack!“, darauf hin erwidert der Fahrer „I know this is a car, but my name´s not Jack.“ Also ich finde das witzig. Andere Leute vielleicht nicht. Tja was soll man da machen? Einen Tag beim shoppen mit Humor nehmen, alles anfassen, fast nix kaufen und auf keinen Fall anhalten den The Bronx ist überall.

Bis zum nächsten Male, wenn es wieder heißt Draus im Wald singt die Lerche.


Vorwort 2:
Ich weiss, was sie jetzt denken, und sie haben recht (ich wollte diesen Magnumspruch schon immer mal anbringen). Ja ja, Juse die Zweite, mit welchem lustigen Schwank aus seinem Leben wird er uns diesmal behelligen. Aber ich sage dazu entschieden, nein! Ich lasse mich nicht durch irgendwelche Erwartungen an Miesheit oder Gewitztigkeit (das Wort gibt es (seit heute)) meiner Kolumne entnerven. Im Moment z.b. versuche ich mich schon um lange Seiten zu drücken indem ich einfach ein überlanges Vorwort schreibe, he he. Nein, dieses Mal werde ich bierernst an die Sache rangehen, schließlich finde die meisten Flachwitze dieser Kolumne sowieso nur ich witzig. Aber sehen sie selbst.

Dope, tight und fresh man, plus ein bisschen Schwachsinn:
Unsere freundliche Kultur, die ja bekanntlich jeden Tag um alles und jeden herumschwirrt, hat noch einiges mehr als nur Präsenz in den Medien zu bieten. (Im Fall von Massig Jiggs ist diese übrigens in Funk und Fernsehen vorhanden.) Wovon ich rede ist Slang, und zwar den realen Slang-Ganster-O-G-Slang sowie den Alltags-RTL-Slang. Ja es geht um meine lieben kleinen Freunde, die Anglizismen (klingt irgendwie wie ein körpereigenes Eiweiß). Tja und ich weiss schon wieder was sie denken, nicht alle Anglizismen sind auf HipHop zurück zu führen. Sehr richtig, aber das ist mir Schnuppe weils hier um das Phänomen im allgemeinen geht, bä! Wörter wie tight, fresh, dope, nice, weak, fronten und Bingbangbung (wie ihr kennt das neuste Slangwort nicht? Ihr seid nicht real!) machen mir persönlich sehr großen Spaß. Irgendwie geben sie einem Identität, auch wenn ich es eigentlich nie so wirklich ernst meine. Die meisten anderen Menschen hingegen sehen den Gebrauch dieser allerdings als ein sicheres Zeichen für eine Gehirnamputation des Sprechenden. Benutzen wir Heads diese Wörter finden sie es meist lächerlich, oder sind peinlich und versuchen es krampfhaft selbst und scheitern beim Versuch des artgerechten Gebrauchs. Besonders das Fernsehen zeigt immer wieder deutlich wie man nicht nur Anglizismen, sondern jegliche Form von Umgangssprache in eine Art Babysprache verwandeln kann, indem man sie in einen Bottich voll totaler Blödheit tunkt. Prädestiniert hierfür ist Gerichtsshows und jegliche Sendung in der Jugendliche vorkommen. Dialoge gestalten sich oft irgendwie oft nicht ganz so jugendlich lässig wie der sicher in der Jugendszene verankerte Schreiber sich das gedacht haben: Sagt der eigentlich gut erzogene Jugenliche der sich noch nicht durchzusetzten weiss “ He, alter, lass das lieber, das bringt uns voll in trabbl, mein Däd wird mich umbringen“ darauf der Draufgängerjugendliche „Man bleib easy, alter, bist du nun cool genug für unsere voll krasse Gäng oder nicht.“ Hmm,…also ich weiß nicht ob Jugendliche so reden, und ob sie eigentlich mittlerweile alle Gangs haben. Vielleicht hab ich ja einfach den Kontakt zu den Jüngeren verloren? Wieso benutzten sie nicht einfach alt bewährte Wörter wie z.b. dufte, knorke oder toff toff (meine Mutter hat mir versichert, dass man das in den Sixtys gesagt hat)? Das wäre vielleicht nicht aktuell aber hätte seinen Spaßfaktor sicher. Wie dem auch sei, im Fernsehen jedenfalls finden die Menschen Anglizismen entweder niedlich oder bemerken sie schon gar nicht mehr. Dies zeigt sich an einer Vielzahl von Werbebotschaften. Mein Lieblingsprodukt ist Head & Shoulders, wer kennt es nicht das Haarpflege-Waschmittel welches sofort ein jeden von dem Suppenberg auf seinen Schultern, oh Verzeihung… Shoulders befreit. Auch das herkömmliche Toastbrot schimpft sich mittlerweile nur noch Sandwich. Oh Mist, Toast ist ja auch schon ein englisches Wort. Seht ihr, nur zwei Beispiele einer unglaublichen Menge, wie auch Hoffmanns Gardinenweiß, oh halt, das ist ein ganz normales Wort. Sorry mein Fehler. Besonders am Zeitschriftenstand merkt man, dass speziell junge Leute auf Namen wie Young Miss oder unser Thema betreffend Backspin oder auch Juice abfahren. Nun man hätte diese Zeitschriften auch Jung´s Madl, Reichs Sprechgesangs Blatt und Saft nennen können. Das mit Saft hätte auch gleich alle an den großartigen Hit der Fanties `Saft` erinnert, oder auch nicht. By the way, was zum devil soll eigentlich Bravo heissen? Auch Readers Digest (auf deutsch: Leser verdauen (und kriegen Durchfall weil sie alte Säcke sind)) gibt es seit geraumer Zeit in Deutschland. Die Franzosen haben ja reagiert, und weitere Worteinbürgerungen verboten. Die gehen sogar soweit, dass ein großer Anteil dessen was so im Radio gedudelt wird in französischer Sprache gehalten sein muss. Ein Zustand von dem man in Deutschland nur träumen kann, also nicht von rein französischen Sachen, sondern von 50% Anteil an deutschen Liedern im Radio. Naja aber wir Deutschen wollen das ja gar nicht, schließlich erfinden wir ja sogar schon ständig unsere eigenen englischen Wörter. So nennen wir diese netten kleinen Telefone nicht wie die Amis Cell Phone, nein, bei uns heißt das Handy. Aufrechte Schwaben beteuern immer noch, dass es unglaublich witziger Weise von dem Ausruf „Hen´ die kei Schnur“ kommt. Zum oberschenkelberechend komisch. Oder da gibt es die Wellness, welche zu Recht zum Unwort des Jahres gekürt wurde, und in Magazinen wie Fit for Fun (auf deutsch : In physisch guter Verfassung zum Spaß (tja, manche sind der Gesundheit wegen fit, andere einfach nur so zum Spaß, wozu auch sonst?)) angepriesen wird. Und dann gibt es noch Worte die es zwar im englischen wirklich auch gibt, aber eingedeutscht sind. Ich hasse einfach das Wort Cerialien, welches man in dieser wirklich beschissenen Kindercountry Werbung vernehmen kann. Dieses Wort gibt es gar nicht! Das Wort Cerials hingegen gibt es im englischen sehr wohl. Korrigiert mich, falls ich mich täusche und zeigt mir einen Duden in dem das Wort Cerialien steht.

Bei all diesem Schwachsinn konnte man vielleicht die Meinung gewinnen, mich würde all dies stören, aber dem ist nicht so. Außer vielleicht die Cerialien, verdammt! Nein, ich sehe den Untergang der deutschen von unser aller Liebling Friedrich März, seines Zeichen Fraktionsvorsitzender der CDU Bundestagsfraktion, so oft gescholtenen Leitkultur (was auch immer das sein soll) nicht kommen. Ich liebe Anglizismen, besonders im HipHop Bereich. Außerdem werden wir die Wörter sowieso irgendwann so verhunzt haben, dass kein englischsprachiger Mensch noch nachvollziehen kann, dass wir das Wort ursprünglich mal ihm aus der Tasche geklaut haben. Also geht auf die Fashion Week, schließlich ist das ein bigges Event.

Peace.

P.S.: Na, und wie viele Anglizismen waren in diesem Text


Vorwort:
Ja, dies ist nun mein neuer Kolumnenbereich, in dem ich euch, den Millionen von Fans, auch bekannt als meine paar Kumpels, ab jetzt jeden Monat einen von mir verfassten Erguss präsentieren werde. Ich werde mich nicht auf gewisse Themenbereiche beschränken, aber natürlich wird es sich meistens um Musik drehen(es gibt auch Musik neben HipHop, aber gibt es auch HipHop neben der Musik!?! , es gibt auch HipHop der daneben ist usw.) Genug des Vorworts, ich kann so was nicht leiden, lest einfach mal und teilt mir eure super differenzierte Meinung mit (die keinen Einfluss auf das was ich schreibe haben wird).

Warum Eko der siebt häufigste Woolworthbesucher ist.
Gut. Diesen Monat habe ich mich aus aktuellem Anlass, welchen ich noch erläutern werde, mit HipHop in unserm deutschen Alltag beschäftigt, wo er neben Fußball, Bier, Fußball im Fernsehen, Bingo und Curling (oh halt,das war Finnland) doch einen erstaunlich großen Anteil unseres öffentlichen Lebens anrotzt. Nicht dass ich dies als negativ empfinde, im Gegenteil, ich finde es eher lustig, aber befremdlich.

Vor kurzem entschloss ich mich auf dem Weg nach Hause, noch dem allseits geschätzten Discount-Markt Woolworth einen Besuch abzustatten, um einem Freund eine Käsereibe zu kaufen, die ich ihm dann zu seinem Geburtstag vor 5 Wochen schenken wollte. Was mich im Woolworth allerdings etwas verstörte war nicht ihre üppige Auswahl an Discount-Käsereiben, sondern vielmehr der Fakt, dass Antenne-Billig-Welle-Woolworth sich genötigt sah mich während meines Einkaufs mit auserlesener Musik zu verköstigen. Um genau zu sein handelte es sich um „man hat mir 31 mal durch die Lippe geballert“-50, der den gewillten Kunden gerade musikalisch mitteilte, dass es sich bei seiner Person auf jeden Fall um einen P.I.M.P handele. Da stellt sich mir natürlich die Frage ob die Discountliebhaber und schwerlich des deutschen mächtigen Hausfrauen einfach gar nicht bemerken, dass ihnen die ganze Zeit jemand ins Ohr flüstert, was er ein für Wahnsinns Zuhälter ist, oder ob sie sich dessen bewusst einfach denken, dass es schließlich wirklich „no bi´nez like hoe bi´nez“ gibt, und Fifty somit völlig Recht hat. Bei einigen Mädchen im Bravo Girl Alter, die den Laden durchstreiften konnte ich allerdings schon einen direkten Einfluss ausmachen, als diese sich kurzerhand dazu entschlossen ein Paar bitchige, bis zu den Arschbacken hochgehende Stiefel anzuprobieren, die wohl eigentlich nicht für Zahnspangenträgerinnen gedacht waren. Auch eine Frau mittleren alters fragte mich nach absorbieren des Songs wo im Laden denn die Kaugummis zu finden seien, warum sie das gerade mich fragte (nein, ich trug keinen weiß-roten hoch modischen Woolworthkittel) erschloss sich mir nicht, aber was sie mit Unmengen von Kaugummis vorhatte umso mehr. Schließlich hatte auch sie vernommen, dass es nun mal „no bi´nez like hoe bi´nez“ gibt, und da haben Hoez bzw. Frauen mit Mundgeruch natürlich keine Chance.

Aber kehren wir zu leichter zu erkennenden Einflüssen unserer ach so geliebten HipHop Kultur zurück. Ich ließ mir also die Zeit nicht nehmen und schlenderte durch den Laden auf Entdeckungsreise und wurde in der Kinderbekleidungsabteilung erneut des HipHops fündig. Im Angebot waren gerade Kapuzenpullis für 7-9 jährige Jungs, die allerlei lustige Graffitis zierten. Ja ich kann mir wirklich vorstellen, dass Schriftzüge wie „HipHop“, „Cool“ oder „Graffiti“ gerade wegen ihrer Authentizität und ihrem häufigem Vorkommen in der urbanen Writing-Szene bei der Zielgruppe der Sabberlatzträger hervorragend ankommen. Gerade diese Einschätzung bestätigte sich als ich darauf hin in der Spielzeugabteilung einige Spielfiguren erspähte die sich mit unserem Thema auseinander setzten. Eine Plastikpuppe trug eine Goldkette und kam inklusive eines Plattenspielers. Es handelte sich dabei wohl um einen DJ. Das Problem, dass er nur eine Platte bei sich führte erübrigte sich, schließlich besaß er ja auch nur einen Plattenspieler. Dennoch wollte ich nicht der Vater sein, der seinem 10 jährigen Stöpcken an Weihnachten erklärt, dass sein von Oma bezahlter einzelner Technics und seine alte Pumukelplatte schlicht nicht ausreichen um heftig zu jugglen und zu mixen. Auf der Rückseite der Verpackung waren noch 2 weitere Figuren abgebildet, und zwar ein Schwarzer (nicht zu verwechseln mit Alice Schwarzer) mit einem rosa Ghettoblaster und ein Sprayer mit Sprühdose, Gasmaske und Farbeimer!?! . Nun finde ich es ja äußerst löblich, dass auch schon die Kleinen früh mit der Idee infiziert werden illegal mit Sprühdosen ein paar Wände zu damagen (es würde so was von auf Damage hinauslaufen), aber wieso muss der mitgeführte Eimer ein Holzlaminatdesign und lustige bunte Aufschriften haben? Vorne auf der Packung befand sich der in Rosa gehaltene Befehl: „sammel sie alle!“ welchem angesichts der Fülle von 3 verschiedenen Figuren nicht sehr schwer nachzukommen ist.

Aber nicht nur Beispiele des amerikanischen HipHop Einflusses auf das Alltägliche machen sich mehr stark bemerkbar, auch deutscher HipHop scheint mehr und mehr in den Köpfen zu wuchern. Nehmen wir da zum Beispiel Eko, der tatsächlich von Bild- und RTL-“Kuckern“ zum siebt nervigsten Deutschen gewählt worden ist, und das obwohl er ja eigentlich Türke ist. Das ist doch schon eine Leistung, schließlich muss man es erstmal schaffen einer Nation die ständig irgendwelche neuen Casting- und Realityshows anschaut ernsthaft auf die Nerven zu gehen. Tja, Eko ist eben bekannt und gehasst, so war auch einer Mitstudentin von mir sofort klar, dass das „doch der Typ is´, der immer so angibt und sagt, dass er der Beste ist“. Da hat sie sicherlich Recht, nur würde diese Beschreibung wohl auf jeden zweiten der 40.000 Rapper in Deutschland zutreffen. Als ich dann anmerkte, dass es sich bei Eko durchaus mal um ein hoffnungsvolles Talent der HipHop Szene gehandelt habe, trat betretene Stille ein. Gerade von mir, einem Vertreter der Gattung, hatte man so etwas nicht erwartet. Meiner Meinung nach tut Eko nur was amerikanische Rapper seit Jahrmillionen machen, nämlich Geld. Meine Mitstudenten befanden Eko einstimmig für doof. Dass Daniel K. unser aller Lieblingsheuschrecke Platz 1. belegte ging dabei völlig unter. Wobei ich persönlich den Fernsehmenschen, der die Idee zu dieser Wahlshow hatte, als eine sehr nervige Person einstufe, obwohl ich ihn nicht kenne. Ach, wo wir gerade beim Hassen sind. Auch Discjokey Tomekk ist so eine Person die sich ins öffentliche Leben, nicht nur seines Ganstervilles(1) (Phil ist der Don von dem Kaff), sondern Deutschlands geschlichen hat. Auch ihn mag irgendwie niemand, aber seine Platten verkaufen sich wie Madonnas BHs(2).

Das wiederum zeigt mir bloß erneut, dass wir Kritiker laut sein mögen, aber die Plattenverkäufe eine deutlichere Sprache sprechen. Die Frage ob die Präsenz von HipHop im Alltag sich für die Kultur positiv auswirkt, bleibt hier absichtlich ungeachtet. Andre 3000 sagte letztes Jahr, dass HipHop nun endgültig ein für allemal tot sei, aber ich denke, dass HipHop wie er war tot ist, weil er sich wie jede andere Kunstform entwickeln muss. HipHop lebt definitiv in der Zukunft, und wem der Kurs nicht passt, der möge ihn doch selbsttätig korrigieren, anstatt den Taschentuchverbrauch hoch zu schrauben, und sich zu ärgern, dass Eko der siebt beliebteste Aritist bei Rotznasen und Woolworthkunden ist.

Anmerkungen:
(1) Das öffentliche Leben im Gansterville besteht übrigens bekanntlich aus Cruisen und dem Tatbestand des Gangsterbleibens. Wenn man sich nicht auskennt, steigen übrigens auch gern ein paar Gangster zu einem in den Wagen und zeigen einem die Strassen.
(2) Ich weiß es gibt nicht sehr viele von diesen 80er Jahre Spitztittenmadonna BHs im freien Handel, aber die die es gibt kaufen Fans sicher wie ofenfrische Semmeln.

Peace. Juse 2004




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